Kreuzweg an der Aar regt in Passionszeit zum Nachdenken an

Kulturhaus Kreml, evangelische und katholische Gemeinden zeigen Bildreproduktionen des Malers Sieger Köder

HAHNSTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (22. März 2021) Eine besondere Gelegenheit zur Besinnung bietet in diesem Jahr ein ökumenischer Kreuzweg zwischen Zollhaus und Hahnstätten, zu dem die evangelische Kirchengemeinde Hahnstätten, die katholische Kirchengemeinde Zollhaus und das Kreml-Kulturhaus einladen. Die Stationen sind noch über Osstern hinaus bis Sonntag, 11. April zu begehen.

Unter dem Motto „Durchkreuztes Leben“ zeigen die 14 Stationen des Weges den eindrucksvollen Zyklus des Künstlers Sieger Köder (1925-2015), den dieser für die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Bensberg bei Bergisch Gladbach geschaffen hat. Unter diesem Titel ist ein Buch zu dem Kreuzweg im Schwabenverlag erschienen. „Wir sind dankbar, dass uns die bildtechnische Reproduktion von der Gemeinde für unser Projekt genehmigt wurde“, sagt Hahnstättens Gemeindepfarrer Pfarrer Urs Michalke. 1987 hat Köder, einer der bekanntesten Maler christlicher Kunst in Deutschland, seinen Kreuzweg für die Bensberger Kirche geschaffen. Auffallend sind die kräftigen Farben, insbesondere das Rot, das sich durch die Stationen zieht und ans Leiden Christi erinnert. Köder studierte zunächst Malerei und Kunstgeschichte, bevor er in Tübingen katholische Theologie studierte und 1971 zum Priester geweiht wurde.

Neben den Bildern haben die heimischen Veranstalter eigene Texte gesetzt, die zum Nachdenken anregen. „Wer will schon gerne in eine Leidensgeschichte hineingezogen werden?“, heißt es etwa neben dem Bild, das Simon von Cyrene zeigt, wie er Jesus beim Tragen des Kreuzes hilft. „Für welche Menschen, die ihrer Würde beraubt und zu Opfern des Hasses geworden sind, könnten die Kreuzbalken im Hintergrund des Bildes stehen?“, lautet an anderer Station die Frage und schlägt wie alle Bilder Köders den Bogen aus der biblischen Vergangenheit in die aktuelle Gegenwart. Und so soll auch diese Denk-Aufforderung weit über die Passionszeit hinaus reichen: „Erkenne in jedem Menschen, dass er ein Geschöpf Gottes ist, bewahre dir die Ehrfurcht vor der Würde des Anderen!“

Etwa alle 80 Meter haben fleißige Handwerker wie Oliver Schwenk vom Kirchenvorstand in Hahnstätten und Jugendliche des Pfadfinderstamms Christophorus Zollhaus die Bilder des Kreuzwegs und die Texte dazu befestigt. „Die Verbindungen zwischen Roger Schimanski vom Kulturhaus, Pfadfindern und den Kirchengemeinden besteht ja schon ganz lange“, erzählt Pfadfinder Tim Kunz, warum die jungen Leute bei dieser außergewöhnlichen Ausstellungsform kräftig mit anpacken. Und für Urs Michalke ist das selbstverständliche Miteinander ein großer Pluspunkt der Region, zumal „wir uns als Kirchengemeinde ja auch als Kulturschaffende verstehen“.

„Jesus hat Menschen bewegt. Definitiv und bis heute. Auf sehr unterschiedliche Weise.“ So steht an der ersten Station zu lesen. Nun hoffen die Aussteller darauf, dass sich die Menschen zu einem Spaziergang auf den Kreuzweg machen, um sich dort auch zum Innehalten und Nachdenken bewegen zu lassen. Der Kreuzweg beginnt am Kreml-Parkplatz in Zollhaus und führt entlang des Rad- und Wanderweges an der Aar. Das Ende befindet sich an der Aarbrücke unweit der Hahnstätter Feuerwehr. Ein etwa drei Kilometer langer Rundweg ergibt sich, wenn man den Schotterweg entlang des Bahndamms zurück in Richtung Zollhaus nimmt.

Von Hahnstätten aus empfiehlt es sich also, zunächst am Bahndamm nach Süden zu spazieren und den eigentlichen Kreuzweg dann vom Kreml aus auf dem Rückweg nach Hahnstätten abzugehen. Bernd-Chr. Matern

Wer keine Gelegenheit hat, den ökumenischen Kreuzweg an der Aar zu besuchen, der findet die Bilder von Sieger Köder mit schönen Interpretationen auch auf der Website der katholischen Pfarrgemeinschaft St. Nikolaus und St. Josef in Bensberg hier.

Zum Foto:
Beim Aufbauen des Kreuzweges packten nicht nur Pfarrer Urs Michalke sowie Kirchenvorsteher Oliver Schwenk und sein Sohn mit an. Auch der Pfadfinderstamm Christophoros Zollhaus mit Simon Windrich an der Spitze unterstützte die Arbeiten zur Passions-Ausstellung entlang der Aar. Fotos: Matern

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