Vertreterinnen aus dem Dekanat Nassauer Land halten Grundsatz-Debatte über Strukturen sinnvoll
FRANKFURT/RHEIN-LAHN. (3. Mai 2023) Mit dem Rasenmäher oder neuen Schwerpunkten? Wie die selbst erklärten Sparziele der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zu erreichen sind, damit beschäftigte sich deren Synode während ihrer dreitägigen Frühjahrstagung in Frankfurt. Zäh ging es in den Beratungen zu, die teilweise bereits in der Herbstsynode gefasste Beschlüsse noch einmal in Frage stellten. Diskutiert wurde auch, wie die Zentren der EKHN enger zusammenarbeiten können. Für die drei Vertreterinnen des evangelischen Dekanats Nassauer Land eine schwierige und schmerzhafte Tagung, die Grundsätzliches in Frage stellte.
Das Geschacher ums Geld fand Pfarrerin Nicole Wiehler fürchterlich; „da wären wirklich grundlegende Gedanken nötig“, so die Synodale aus Gemmerich und nennt Beispiele: „Wie soll Kirche in zehn Jahren aussehen, was soll es dann – noch – geben?“. Die Suche nach Synergien innerhalb der Handlungsfelder, aber auch zwischen den Landeskirchen müsse verstärkt werden. „Wir können nicht überall ein wenig sparen und dann alles versuchen, irgendwie doch zu bedienen“, so Wiehler. Ein anderer Aspekt: Von staatlicher Seite gebe es immer wieder Bestrebungen, die Trennung von Staat und Kirche zu verstärken. „Wir sollten von kirchlicher Seite auch mal genau schauen, wo wir staatliche Aufgaben übernehmen“, so die Theologin. Diese müssten dann entweder gut bezahlt oder eingestellt werden.
„Was mich bewegt und was in der Diskussion immer wieder auftaucht, ist die Frage, ob nicht grundsätzlich die Struktur unserer Kirche hinterfragt werden muss“, kommentierte Astrid Ellermann die langwierige Spar-Debatte. „Den Kirchengemeinden werden bei der Verpflichtung zum Zusammenschluss zu Nachbarschaftsräumen große Veränderungen zugemutet, das sollten wir in der Kirchensynode auch für Zentren und Handlungsfelder diskutieren“, so die Landessynodale aus Aull. Während das Dekanat Nassauer Land bereits einen Beschluss über seine künftigen Nachbarschaftsräume gefasst hat, wurde in der EKHN-Synode um die rechtlichen Grundlagen für die neue kirchliche Ebene diskutiert. Insbesondere über die Errichtung und Besetzung neuer Entscheidungsgremien, die damit einhergehen sollen, wurde ausführlich debattiert. Nicole Wiehler sieht die Umsetzung im Dekanat Nassauer Land schneller als der kirchliche Gesetzgeber in Darmstadt dafür die rechtliche Ausgestaltung schafft. „Da müssen wir aufpassen, dass wir das eine oder andere nicht zweimal denken müssen.“
Jugendbildungsstätte wird umgewandelt
Trotz eines eindringlichen Appells des Jugenddelegierten Romero Hocke aus der evangelischen Kirchengemeinde Klingelbach, diese letzte Chance zum Erhalt eines EKHN-weiten Treffpunkts für die Jugend zu nutzen, den der Synodale aus dem Einrich betont als „Heimat“ bezeichnete, wurde mit deutlicher Mehrheit entschieden, den Tagungsbetrieb in der Jugendbildungsstätte „Kloster Höchst“ am Ende des Jahres komplett einzustellen. Die Anlage soll in ein Zentrum kirchlichen und diakonischen Engagements umgebaut werden. Im Vorfeld hatte sich die evangelische Jugend für den Erhalt des Tagungshauses ausgesprochen und aus Eigenmitteln 2,5 Millionen Euro Unterstützung ins Spiel gebracht. Tatsache ist aber auch: Weder Erwachsene noch Jugendliche besuchten in der Vergangenheit in ausreichender Zahl den Tagungsort, um ihn auf Dauer wirtschaftlich führen zu können. Konkret sorge die Unterhaltung für einen Zuschussbedarf von rund 500.000 Euro pro Jahr; die notwendigen Sanierungskosten wurden mit rund 4,5 Millionen Euro beziffert.
Tief bewegt zeigten sich die Synodalen aus dem Rhein-Lahn-Kreis Astrid Ellermann, Ute Feuerstake und Nicole Wiehler von einem anderen Tagesordnungspunkt. Vor der Verabschiedung des Positionspapiers „Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gegenüber queeren Menschen“ kamen Betroffene zu Wort. „Ich hatte Tränen in den Augen“, so Nicole Wiehler. (bcm)
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