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RHEIN-LAHN/DACHSENHAUSEN. Neu ist das Gesicht von Astridt Westphal auf der Kanzel der evangelischen Kirche in Dachsenhausen nicht mehr; vor drei Monaten hat sie ihren Dienst als Gemeindepfarrerin angetreten. Doch als Dekan Mathias Moos die neue Seelsorgerin für die Kirchengemeinden Dachsenhausen und Niederbachheim am Sonntag offiziell einführte, war das Gotteshaus zu klein und Stühle und Treppen dienten als Sitzgelegenheit. „Die Kirchenvorstände sind offen für sie und ihre Arbeit“, sagte Dekan Mathias Moos, als er am Sonntag in der evangelischen Kirche in Dachsenhausen Astridt Westphal als neue Gemeindepfarrerin der beiden Kirchengemeinden Dachsenhausen und Niederbachheim einführte.
Zum vergrößerten Kirchspiel der neuen Dachsenhausener Pfarrerin gehören nun die Ortschaften Hinterwald, Niederbachheim, Oberbachheim, Kehlbach und Winterwerb.
Eine Pflanze, die wie ein Stein aussieht und ein kleines Lamm hatte Moos der neuen Kollegin vor der Einsegnung überreicht, verbunden mit dem Wunsch, dass viele Menschen an einem lebendigen Haus Gottes in den Gemeinden mitarbeiten und dass sie ihre Aufgabe „weide meine Lämmer“ mit Einfühlungsvermögen und „wie es Gott gefällt“. Die Kirchenvorstände der beiden Gemeinden verpflichtete Moos, die neue Pfarrerin dabei zu unterstützen.
Zuvor hatte Westphal in ihrer Predigt die Geschichte erzählt, als Jesu Jünger auf dem offenen Meer Angst hatten, zu kentern. Schönes wie Ärgerliches könne in Menschen Gefühlswogen auslösen, so die Pfarrerin. Als Petrus versuchte, Jesus auf dem Wasser entgegen zu gehen, sei er in dem Moment im Wasser untergegangen, als er nicht mehr auf Jesus, sondern auf sich und das Wasser unter seinen Füßen geschaut habe. Vor Zweifeln seien auch vermeintlich fromme Menschen nicht gefeit. Westphal: „Glauben und Vertrauen müssen sich immer wieder neu ereignen und aufbauen.“
So forderte die Theologin die Gemeindeglieder, aber auch sich selbst immer wieder zum Perspektivwechsel auf, weg von sich, hin zu Jesus, wenn es im Miteinander einmal nicht so klappt. „Sechs Ortschaften zu betreuen, ist eine große Herausforderung“, so Westphal.
Auch wenn sie mit viel Liebe, Offenheit und kleinen Gaben empfangen werde, könne es auf beiden Seiten einmal zu Enttäuschungen kommen und die Wogen hochschlagen. „Wichtig ist, solche Gefühle wahr und ernst zu nehmen“, so Westphal. Und dann müsse der Blick wieder zu Jesus gelenkt werden.
Für die musikalische Umrahmung der feierlichen Einführung sorgten der Winterwerber Kirchenchor unter Edgar Vogt, Organistin Sia Zimmermann sowie der evangelische Posaunenchor unter Leitung von Bernd Birkenstock, der mit seinem ansteckend schwungvollen Schlussstück sogar für Szenenapplaus sorgte.
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In der Turnhalle erwartete die neue Gemeindepfarrerin dann ein Marathon an guten Wünschen. Musikalisch taten dies neben dem Posaunenchor die Kindergottesdienst-Kinder mit ihrem Team, die feststellten: „Die Frau hat Power.“ Die stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Berthold Geisel (Dachsenhausen) und Siegfried Scholl (Niederbachheim) hofften ebenso auf ein gewinnbringendes Miteinander der beiden Gemeinden unter einer Pfarrerin wie die Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanates St. Goarshausen, Anja Gemmer.
Vertreter der Ortsgemeinden, des CVJM, der Feuerwehr und der Orts- und der Gesangvereine sowie der benachbarten evangelischen und katholischen Kirchengemeinden meldeten sich ebenfalls zu Wort und freuten sich auf eine gute Zusammenarbeit. Grüße gab es auch aus ihrer ehemaligen Wirkungsstätte Gau-Odernheim.
Astridt Westphal ist 45 Jahre alt und arbeitete in den vergangenen 14 Jahren als Pfarrerin in Rheinhessen. Geboren ist sie in Neuhäusel. (bcm)
