RHEIN-LAHN/BIEBRICH. „Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen“, das ist ein Wunsch, den Rainer Gemmer aus Biebrich öfter als andere Menschen ausspricht. Wenn der Leiter des Besuchsdienstes der evangelischen Kirchengemeinden Cramberg und Habenscheid an der Tür klingelt, befindet sich dahinter ein Geburtstagskind, das das „biblische Alter“ von 70 Jahren überschritten hat. Rund 1000 Mal hat er das bisher gemacht. Gemmer engagiert sich seit mehr als zwölf Jahren in der Gemeinde für die Geburtstagskinder. Der Besuchsdienst ist für ihn auch künftig eine wichtige Aufgabe und Bereicherung für jede Kirchengemeinde.
Ein Dutzend Mitarbeiter zählt der Besuchsdienstkreis der Kirchengemeinden Cramberg und Habenscheid, der in den Gemeinden Cramberg, Steinsberg, Wasenbach, Balduinstein und Biebrich allen Gemeindegliedern ab 70 Jahren zum Geburtstag gratuliert. Die runden und halbrunden Geburtstage, ab 90 Jahren auch jedes Jahr, besucht der Pfarrer. „Aber wenn der Pfarrer in fünf Ortschaften alle Geburtstagskinder ab 70 besuchen wollte, käme er aus dem Feiern nicht mehr raus“, erzählt Gemmer, der den ehrenamtlichen Kreis leitet. Allein er kommt auf stolze 70 bis 80 Besuche im Jahr.
Zum Gratulieren macht sich der engagierte Biebricher ein oder auch mal zwei Tage nach dem Jubeltag auf den Weg. „Am Geburtstag selbst ist so viel Betrieb, da würde der Besuch wohl untergehen“, weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung. Zwischen zehn Minuten und zwei Stunden dauern seine Gratulationsbesuche. Da wird über alles gesprochen, was die Menschen so bewegt, über Neuigkeiten, Krankheiten, Sorgen und Ängste – und oft merkt Gemmer, dass es dem oder der Gegenüber gut tut, wenn sich jemand die Zeit nimmt, zuzuhören.
Es ist auch schon vorgekommen, dass er gar nicht erwünscht war. „Aber das ist die Ausnahme“, sagt der ehrenamtliche Gratulant der Kirchengemeinde. Einmal machte er dann kehrt und den Vorschlag, sein Geburtstagsheft, das er im Namen der Kirchengemeinde immer mitbringt, in den Briefkasten zu stecken. „Na, nun machen sie mal langsam und kommen sie erst mal rein“, sagte das Geburtstagskind dann doch noch zu Gemmer, und es entwickelte sich ein gutes Gespräch darüber, wieso, weshalb und warum die Kirchengemeinde solch einen Dienst überhaupt hat.
„Ich denke, es ist wichtig, wenn sich die Kirchengemeinde immer wieder in Erinnerung bringt und zeigt, dass sie für ihre Mitglieder als Ansprechpartner zur Verfügung steht“, sagt Gemmer. Unterstützung bekommen die Besuchsdienstkreise vom Dekanat Diez, das jährlich einen Besuchsdiensttag anbietet und auch für Fortbildungen sorgt. Außerdem holen sich die Besuchenden Tipps und Anregungen aus der Zeitschrift „Unterwegs zu Menschen“, die das Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) den Besuchsdiensten zusammenstellt.
Wer sich für die Besuchsdienstarbeit in der Kirchengemeinde interessiert, kann sich mit seinem Pfarramt in Verbindung setzen oder auch in den drei Dekanatsbüros in Diez, Lahnstein oder Nassau, deren Ansprechpartner und Adressen sie auf dieser Website finden.
Ob es in ihrer Kirchengemeinde einen Besuchsdienst gibt, erfahren Sie, wenn Sie sich auf dieser Website die Gemeindegruppen Ihrer Gemeinde aufrufen. Mehr Informationen zum Besuchsdienst gibt das Zentrum Verkündigung der EKHN, Gemeindeentwicklung und Besuchsdienst, Markgrafenstraße 14, 60487 Frankfurt am Main, Telefon 069/71379-137, im Internet www.zentrum-verkuendigung.de. (bcm)
