In Afghanistan gelernt, was wichtig ist im Leben

thumb_1astahlhutab5klthumb_1astahlhutab0klDIEZ/RHEIN-LAHN. (30. März) Mit einem Gottesdienst ist Militärpfarrer Jürgen P. Stahlhut im Schloss Oranienstein in Diez von der Bundeswehr und der Militärseelsorge verabschiedet worden. 2004 hatte er dort seinen Dienst begonnen. Nach insgesamt zehn Jahren Militärseelsorge wechselt der 44-Jährige im April wieder in ein Gemeindepfarramt der Hannoverschen Landeskirche. Vor allem die Auslandseinsätze in Bosnien und Afghanistan waren prägend für seine Zeit im Sanitätskommando II, dem Dienstsitz Stahlhuts.

"Eine erfüllende Arbeit, man kann viel bewegen, bewirken und helfen", so der scheidende Seelsorger. Soldaten, die oft eher distanziert und kritisch der Kirche und dem Glauben gegenüberstanden, hätten oft einen neuen Bezug zum Glauben gefunden und Hilfe gespürt: „In Afghanistan habe ich sogar eine Soldatin und einen Soldaten getauft“, so Stahlhut.

thumb_1StahlhutSoldatEr griff Themen wie Tod und Angst auf, vermittelte Hilfe bei Traumatisierungen. Er teilte den Alltag mit den Soldaten, fuhr auf Patrouillen mit und war durch das Kreuz auf der Schulter als christlicher Begleiter zu erkennen. „Für die Afghanen war es wichtig, dass die Soldaten eine Religion haben, dass sie keine Heiden sind.“ Die Muslime hätten honoriert, dass mit ihm ein „christlicher Mullah“ bei Einsätzen dabei war, sagte Stahlhut in seiner Abschiedspredigt in der Kapelle von Schloss Oranienstein, der „schönsten Kaserne Deutschlands“.

„Ich habe in den Einsätzen gelernt, was wichtig und was unwichtig ist im Leben, und es hat mir gezeigt, wie wichtig der Glaube fürs Leben ist“, sagte Stahlhut bei seiner Verabschiedung.

thumb_1astahlhutab4klAls mehrfach im wahrsten Sinne „ausgezeichneten“ Pfarrer bezeichnete Militärdekan Ulrich Brates vom evangelischen Militärdekanat Mainz den scheidenden Amtskollegen. Sonderschichten habe er ganz selbstverständlich übernommen und Kameradschaft gelebt. „Sie waren die gute Seele des Feldlagers“, sagte Brates, bevor er die Entlassungsurkunde des Bundesverteidigungsministeriums überreichte. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers werde noch ein halbes Jahr vergehen.

Als wichtigen und kompetenten Ansprechpartner bezeichnete der stellvertretende Kommandeur des Sanitätskommandos II, Oberstarzt Professor Dr. Dr. Erhard Grunwald den Seelsorger, der als Partner ernst genommen worden sei, weil er selbst Entbehrung auf sich genommen habe. „Sie haben dazu beigetragen, Probleme schon im Entstehen zu lösen und ein Gespür dafür bewiesen, wer Hilfe benötigt“, so Grunwald. „Diese erste Hilfe für die Seele ist wichtig.“

Dank für den Dienst und gute Wünsche für die Zukunft übermittelten Oberstleutnant Jürgen Michaelis, Kommandeur in der Freiherr vom Stein Kaserne in Diez, Oberfeldarzt Dr. Ekkehard Brandau vom Sanitätszentrum Rennerod, die Beigeordnete der Stadt Diez Gisela Diebold und Hans-Jürgen Heene, Stadtbürgermeister von Rennerod, wo Stahlhut stets die neuen Rekruten begrüßte, der katholische Militärseelsorger Klaus Spreckelmeier, für den Konvent Pfarrer Reinhard Überrück sowie Renate Schulz-Quennet als Vorsitzende der Hospizdienste Rhein-Lahn, die Stahlhut bei Veranstaltungen im Schloss unterstützte.

thumb_1astahlhutab3klDen Vers „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ hatte Stahlhut zur Grundlage seiner Abschiedspredigt gemacht. „Nicht das ängstliche zurückblicken auf das, was war, sondern erwartendes Schauen nach vorn macht den Christen aus“, so der Pfarrer. Wer sich angenommen und von Gott versorgt wisse, brauche keine Angst haben, zu kurz zu kommen oder etwas zu verpassen, sondern könne gelassen auf die Menschen und die Zukunft zugehen.

Pastoralreferent Klaus Spreckelmeier, der Obergefreite Patrick Kleinmann und Stahlhuts evangelischer Gemeindepfarrer Adolf Tremper aus Altendiez, der dem Amtsbruder einen Segen für seinen weiteren Lebensweg mitgab, gestalteten den Gottesdienst mit. Der in Celle geborene Theologe zieht mit Ehefrau und drei Töchtern ins niedersächsische Buchholz, wo am 1. April sein neuer Dienst als Gemeindepfarrer beginnt. Bernd-Christoph Matern

Bildunterzeile: Der stellvertretende Kommandeur des Sanitätskommandos II, Professor Dr. Dr. Erhard Grunwald dankte Pfarrer Jürgen P. Stahlhut für seinen wichtigen Dienst in Diez und bei Auslandseinsätzen in Afghanistan. Fotos: Bernd-Christoph Matern 

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