BAD EMS/RHEIN-LAHN. (25.November) „Vergänglichkeit und Ewiges Leben“ war die letzte Station der Klangreise durch das Kirchenjahr überschrieben, die ein Jahr lang im evangelischen Dekanat Nassau an verschiedenen Orten mit Konzerten die Bedeutung kirchlicher Feiertage musikalisch in Szene setzte. In der Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems wurde am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem „Ewigkeitssonntag“, ein zart bewegender Schlusspunkt unter die Reihe gesetzt.
Dekanatskantor Ingo Thrun und die evangelische Kantorei Bad Ems machen mit dem Werk eines in kirchlichen Chören eher wenig bekannten Komponisten vertraut. Gabriel Faurés Requiem opus 48 ist das einzige größere, auf einem religiösen Text basierende Werk des französischen Komponisten. Es ist beseelt von einem nimmermüden ruhigen Fluss der Töne, dem sanften Wechsel zwischen den Stimmen und Instrumenten.
Einen Vorgeschmack mit französisch-romantischen Harmonien gibt es zu Beginn des Konzertes mit dem Lobgesang Faurés „Cantique de Jean Racine“ zu erleben. Ein zweiteiliges romantisches Orgel-Choralvorspiel von Ingo Thrun über „O Welt, ich muss dich lassen“ von Faurés Zeitgenossen Johannes Brahms rahmt die Annäherung an das Requiem des französischen Komponisten ein.
Im Bad Emser Gotteshaus erschließen dann Chor, Instrumentalensemble und Esther Thrun an der Orgel eine Totenmesse, bei der die Ewige Ruhe (Requiem aeternam) im Mittelpunkt steht und weniger der Lobgesang auf ein ewig leuchtendes Licht. Da dürfen sich die Sänger allenfalls zum gefühlvollen Mezzoforte aufschwingen. Auf strahlend kraftvolle Ausbrüche des Chores wie sie anderen Requiem-Komponisten in die Partitur flossen, warten die Zuhörer vergebens. „Es ist so sanftmütig wie ich selbst“, soll der Komponist über sein Werk gesagt haben.
Der Chor entfaltet diese ruhige siebenteilige Reise ins Paradies mit großer Akkuratesse und Homogenität. Gerade das Mit- und Ineinander der breiten Töne – sie verleihen dem Werk etwas sphärischen Charakter – sowie hier und da der tröstliche Wechsel der lieblichen Melodien von Moll nach Dur fordert den Sängern viel Luft und gute Atemtechnik ab. Der Chor besticht in den hohen Sopranteilen mit tonaler Sauberkeit und dynamisch fein phrasiertem Gleichklang. Dabei wissen die drei Dutzend Sängerinnen und Sänger – überwiegend aus den Verbandsgemeinden Bad Ems und Nassau – mit Manuela Kühnau eine wunderschöne Stimme in ihren Reihen.
Mühelos übernimmt die junge Sopranistin die Solopartie des Requiems und legt dabei noch sehr viel Feingefühl über Instrumente und Orgel, deren Arpeggien die Quelle dieses ruhigen Flusses zur Ewigkeit unaufhörlich speisen. Für die Bariton-Soli des Werks weiß Christian Schulz seine warmen Stimmfarben überzeugend ins Kirchenschiff zu schicken.
Eine hörenswerte Reise, die in paradiesischen Stimm- und Harfenklängen den Abend in der Kaiser-Wilhelm-Kirche beendet und für ein sehr lyrisches Finale der dekanatsweiten Klangreise durch das Kirchenjahr sorgt. Bildunterzeile: Die evangelische Kantorei Bad Ems unter Dekanatskantor Ingo Thrun führte zusammen mit Instrumentalisten zum Abschluss der „Klangreise durch das Kirchenjahr“ Gabriel Faurés Requiem in der Kaiser-Wilhelm-Kirche auf. Bernd-Christoph Matern
