68-mal im Notfall Erste Hilfe f?r die Seele geleistet

RHEIN-LAHN. (22.Januar 2010) Ob nach einem Verkehrsunfall oder einem Suizid – wenn Menschenleben in Gefahr sind oder der plötzliche Tod Angehörige verzweifeln lässt, werden im Rhein-Lahn-Kreis nicht nur Rettungskräfte und Ärzte angefordert, sondern auch die Notfallseelsorge. 68 mal war dies im vergangenen Jahr der Fall, wie aus dem Jahresbericht der Pfarrerin für Notfallseelsorge Ulrike Braun-Steinebach hervorgeht. Todesnachrichten wurden überbracht, Opfer, Angehörige und Rettungskräfte bei Unfällen, Bränden und anderen Schadensfällen betreut.

Die 27 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger, die im Jahr 2009 im Ost- und Westteil des Kreises durchschnittlich fünf Wochen Bereitschaftsdienst leisteten, waren zwischen 15 Minuten und neun Stunden, insgesamt 194 Stunden im Einsatz, 84 Prozent häufiger als im Vorjahr. „Einsätze sind nicht planbar“, so Braun-Steinebach. „Dass unsere Hilfe viel stärker nachgefragt wurde, hat uns überrascht, auch gefreut, weil an unsere Begleitung gedacht wurde, aber es hat uns mitunter auch an die Grenzen unserer Möglichkeiten gebracht.“

Die Werbung neuer Mitarbeiter und Stabilisierung des Systems stünden in der Aufgabenliste deshalb immer wieder ganz oben. Verständigt wurden die Seelsorger überwiegend von der Rettungsleitstelle in Montabaur, in einigen Fällen auch von der Polizei oder Betroffenen selbst. Die Einsatzzeiten lagen zwischen morgens und abends gleichmäßig verteilt, zweimal wurden die Seelsorger auch nachts gebraucht. Am häufigsten wurden sie im November (16-mal) angefordert sowie im Mai, Juni und Juli.

Nach wie vor ist der häusliche Tod, die erfolglose Reanimation mit 19 Alarmierungen der häufigste Einsatzgrund. 14-mal wurden die Notfallseelsorger im Zusammenhang mit Suiziden gerufen und 13-mal bei außerhäuslichen Not- und Todesfällen. Zehnmal musste eine Todesnachricht überbracht werden, Verkehrsunfälle (7), Brände (3) und Familienkonflikte (2) führten zu weiteren Einsätzen. Mit den Einsätzen selbst ist die Arbeit der Notfallseelsorger nicht beendet. „Auch am Tag nach einem tödlichen Unfall gibt es in Familien- und Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in Schule hohen Gesprächsbedarf.“ Der ursprüngliche Tagesplan könne da immer wieder hinfällig werden.

Wer unter diesen Umständen ehrenamtlich Notfallseelsorge betreibt, tue es aus festem Glauben, großem Engagement und Offenheit. „Notfallseelsorger sind Menschen, die in Krisen und Katastrophen des Lebens da sind und da bleiben und anderen Menschen helfen, dort wieder einen festen Stand zu erlangen, wo von einem Augenblick auf den anderen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.“

Auch Fortbildung und Austausch der Kräfte standen auf der Agenda. Eine Supervisionsgruppe soll 2010 die eigene Verarbeitung der Einsätze unterstützen. Außerdem wird die ökumenische Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge im Rhein-Lahn-Kreis in diesem Jahr einen Förderverein gründen.

Von den 28 Notfallseelsorgern (zwölf Frauen und 16 Männer) sind 22 Theologen, fünf Laien, zwei sind katholisch, 25 evangelisch, elf kommen aus dem Ost-, 16 aus dem Westteil des Kreises. Braun-Steinebach wirbt immer wieder auch um Verstärkung, um die Bereitschaftszeiten, die zurzeit bei vier Wochen pro Jahr liegen, reduzieren zu können. (bcm)

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