Rhein-Lahn-Synoden tagen letztmals in den alten Dekanatsgrenzen

thumb_1nun_aufwaerts_froh_co-becrima-RHEIN-LAHN. (12. November 2015) Die Synoden der drei evangelischen Rhein-Lahn-Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen tagten letztmals in den alten Dekanatsgrenzen, bevor die Dekanate am 1. Januar 2016 zum Dekanat Nassauer Land vereinigen. Letzte Beschlüsse wurden dabei in Rettert (Dekanat Diez), Bad Ems (Dekanat Nassau) und in Nastätten (Dekanat St. Goarshausen) gefasst.

Am 12. Februar 2016 treffen sich dann die dieses Jahr gewählten Synodalen der Kirchenvorstände zu ihrer konstituierenden Sitzung der ersten Synode des Dekanats Nassauer Land. In den drei letzten Sitzungen standen Rückblick, Ausblick und viele Dankesworte auf der Tagesordnung.

Auch im neuen Dekanat die Kirche im Dorf lassen

thumb_1syndiimg_7844_fotoprivatDIEZ/RHEIN-LAHN. Es war nicht nur eine historische, sondern auch sehr bewegende Tagung, zu der die Vorsitzende der Synode, Astrid Ellermann, die Synodalen des Dekanats Diez in Rettert begrüßte. Etwas Wehmut war der Präses abzuspüren, war es doch die letzte Sitzung des „Parlaments“ des evangelischen Dekanats Diez. 

Drei Entscheidungen standen auf der Tagesordnung. So wurden von den 35 Stimmberechtigten jeweils einstimmig die Jahresrechnung des Dekanats 2014 und der Jahresabschluss der Kirchlichen Sozialstation Diez beschlossen. Vorsitzender Pfarrer Adi Tremper dankte Präses Ellermann und dem Vorstand noch einmal für den reibungslosen Übergang der Station aus der Trägerschaft des Dekanats zu einem von den Gemeinden gegründeten Zweckverband. Die finanzielle Entwicklung stelle sich insgesamt zwar positiv dar; allerdings sei die Station nach wie vor auf Rücklagen und die Spenden des Fördervereins angewiesen, um die laufenden Kosten zu decken. Einstimmig fiel auch der Beschluss der Synode aus, die evangelische Kirchengemeinde Kaltenholzhausen, die bislang dem Dekanat Runkel angehörte, zum 1. Januar ins Dekanat Nassauer Land zu übernehmen.

Rück- und Ausblick standen im Mittelpunkt des Jahresberichts von Dekan Christian Dolke, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge auftrat. „Lachend, weil der Prozess zur Vereinigung, der unendlich viel Kraft und Zeit gekostet hat, sich endlich dem Ende nähert“, so Dolke. „Weinend, weil in unserem Dekanat ein hervorragendes Miteinander herrscht, das gerade in diesen Zeiten Verkündigung und Seelsorge in großer Eintracht und Fröhlichkeit ermöglicht hat und nun die Zeit gekommen ist, Abschied von dieser regionalen Größer Dekanat Diez zu nehmen“. Er sei aber guten Mutes, dathumb_1asydidolkeimg_7850ss die „vielen Perlen, die es hier gibt“, auch künftig zu finden sein werden. Dolke: „Da sollte man im tatsächlichen Sinne des Wortes die Kirche im Dorf lassen, denn da gehört sie hin und hier geschieht geistliches Leben.“

Dolke erinnerte an wichtige Themen jenseits der Fusionsarbeit. Etwa das Angebot an die Kirchengemeinden, ihre Kindertagesstätten in eine Dekanatsträgerschaft zu überführen, um sie von manchem Druck in den Bereichen Finanzen, Personal und Bau zu entlasten. Auch der Abbau von Pfarrstellen sei eine Herausforderung gewesen und habe zu neuen Verbünden von Kirchengemeinden geführt. Auch auf das Miteinander mit Kaltenholzhausen freue er sich. Sein Dank galt allen, die sich auf die Veränderungen eingelassen hätten sowie für den Kraftakt, den die Kirchenvorstandswahlen für die Gemeinden bedeuteten.

Vorbildlich werde in den Kirchengemeinden auf die Flüchtlingssituation reagiert, so Dolke weiter. Ganz egal, ob und wie man meine, dass der Zustrom zu steuern sei, „die Menschen, die jetzt in unserer Nachbarschaft wohnen, werden mit Nächstenliebe aufgenommen. Ja wie denn sonst?“ Gefühle von Überforderung und Angst seien ernst zu nehmen, „aber diese Gefühle an den Menschen auszulassen, die Hilfe suchend und schwach zu uns kommen, das ist abstoßend und läuft entgegengesetzt zur Verkündigung Jesu.“

Eine Herausforderung für das neue Dekanat Nassauer Land sei es, die Region für Pfarrpersonen attraktiv zu halten und die Vorzüge der ländlichen Region für Arbeit und Privatleben des theologischen Nachwuchses deutlich zu machen, damit Vakanzen besetzt werden können, denn das Entscheidende geschehe nach wie vor vor Ort rund um die Kirchen.

thumb_1a-syndinasskantoreiEthumb_1a-sydikniesek-img_5155_dxoinen eindrucksvollen Gottesdienst erlebten die Synodalen anschließend in der Kirche, in der Prodekanin Pfarrerin Maike Kniese noch einmal den Focus auf jede einzelne Kirchengemeinde des Dekanats richtete. Für eine tolle musikalische Gestaltung sorgten Dekanatskantor Martin Samrock an der Orgel und die von ihm geleitete Nassauische Kantorei. Die verlieh etwa mit dem Antiphon „Höre unser Rufen Gott“ oder dem „Verleih uns Frieden“ von Hugo Distler sowohl musikalisch als auch inhaltlich dem Anlass die gebührende Note.

thumb_11a-syndiimg_7859fotoprivatAls kleines Dankeschön für die Arbeit der Synodalen versüßte ein Drei-Gang-Menü im Landgasthof Gemmer den Abschied vom Dekanat Diez. Zauberer „Ludini“ alias Kai Ludwig brachte die Gäste, unter ihnen auch Landrat Frank Puchtler, dabei noch einmal ins Staunen. Bernd-Christoph Matern / Fotos: Ingo Lüderitz/Friedhelm Hahn

Abschied vom Dekanat Nassau fiel nicht leicht

BAD EMS/thumb_1a-syna071115dank_becrima-RHEIN-LAHN. Es sollte kein Abschied mit Tränen werden hatte der Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanats Nassau, Karl-Werner Köpper, zu Beginn der Herbsttagung des Gremiums in Bad Ems gesagt. Manche Träne floss dann aber doch in der letzten Tagung der Synode, bevor sich das Dekanat am 1. Januar mit Diez und St. Goarshausen zum Dekanat Nassauer Land vereinigt, zuerst vor Rührung, dann vor Lachen über den kabarettistischen Theologen Ingmar von Maybach-Mengende.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst in der evangelischen Martinskirche, den Dekanatskantor Ingo Thrun an der Orgel und die Kantorei Bad Ems musikalisch anspruchsvoll umrahmten, traf das „Parlament“ der knapp 20.000 Evangelischen in der Region zwischen Lahnstein, Kamp-Bornhofen und Kördorf seine letzten Entscheidungen. Die Jahresrechnung für 2014 wurde abgenommen und die Kirchensynode aufgefordert, in der Statistik der Gottesdienstbesucher künftig auch die vielen Menschen zu berücksichtigen, die in Krankenhäusern und Einrichtungen der Altenpflege an den regelmäßigen Gottesdiensten teilnehmen.

thumb_1a-syna071115ufer_becrima-Dekan Martin Ufer erinnerte in seinem Jahresbericht an Ereignisse im Dekanat wie die Kirchenvorstandswahl, das Engagement für Flüchtlinge und den Jugendaustausch mit dem afrikanischen Partnerdistrikt Mabira, der für bessere Lebensverhältnisse in Tansania sorge, wo jetzt zum Beispiel ein neues Wassertankprojekt umgesetzt werde. „Die Partnerschaft ist uns wichtig und wir wollen sie auch ins neue Dekanat übernehmen“, so Ufer. Schön sei, dass alle Pfarrstellen im Dekanat besetzt seien. Dornholzhausen, Becheln und Schweighausen stünden vor der Bildung einer gemeinsamen Kirchengemeinde; auch in anderen Gemeinden werde über eine Fusion nachgedacht.

Schon im Gottesdienst, zu dem Köpper auch Landrat Frank Puchtler begrüßte, hatte der Dekan dazu motiviert, sich in einer Zeit des kirchlichen Traditionsabbruchs und der strukturellen Veränderungen aufs Bleibende, das Fundament christlichen Glaubens zu besinnen. „Kein Modetrend, kein Strukturwandel der Kirche ändert etwas an Gottes Liebe zu den Menschen, die unumstößlich und fest ist“, sagte Ufer und verglich mit der Entwicklung vom Kassettenrecorder über den MP-3-Player zum Handy: „Abspielgeräte sind Mittel zum Zweck, auf die Musik kommt es an. Das Evangelium soll die Menschen erreichen.“

thumb_1a-syna071115koepper_becrima-Präses Karl-Werner Köpper ermunterte die Synodalen, die Tagung nicht als Trauerveranstaltung zu begreifen, sondern in die Zukunft und die Chancen des neuen Dekanats zu blicken, wenngleich er sich selbst sehr gerührt zeigte, als er zahlreichen Menschen sowohl für ihr Engagement in der Vorbereitung der Fusion als auch für das Dekanat in den vergangenen Jahren dankte einschließlich seiner Vorgänger und den Theologen im Dekaneamt.

In die Anfangszeit des „Decanats“ Nassau führte der Öffentlichkeitsreferent der Rhein-Lahn-Dekanate, Bernd-Christoph Matern, und berichtete nach Recherchen im Zentralarchiv der EKHN von Namen, Mitgliedszahlen und den Gebietszuschnitten des Dekanats vor 200 Jahren. Dabei erinnerte er an den Wunsch der damaligen Pfarrer nach einer Trennung von Staat und Kirche, der 1848 während eines Pfarrkonvents in Singhofen besonders laut wurde. Aber erst in preußischer Zeit „erhielt „unser evangelisches Nassauerland die Gemeinde- und Synodalordnung von 1876“, zitierte Matern.

thumb_1a-syna071115bilderessen_becrima-thumb_1a-syna071115kabarettcsu_becrima-Nach einem Abendessen im benachbarten Gemeindehaus, das Fotos von Veranstaltungen der vergangenen Jahre begleitete, wurde in der Kirche bei aller Abschiedswehmut dann doch noch für manch lachendes Auge unter den scheidenden Synodalen gesorgt. Ingmar von Maybach-Mengende, evangelischer Theologe und Soziologe, sorgte mit seiner Christlich-Satirischen-Unterhaltung (CSU) für viele amüsante Einblicke ins Innenleben von Kirche und deren irdischen Vertretern. Bernd-Christoph Matern

Zum Foto (links oben): Präses Karl-Werner Köpper und Dekan Martin Ufer nutzten die letzte Synoden-Tagung des Dekanats Nassau, um unter anderem Prädikant Berthold Hagner, Helga Pohle, Propst Oliver Albrecht, Gabriele Scholz, Pfarrer i.R. Hermann Alves, Pfarrer Friedrich Kappesser, Helmut Fischer und Pfarrerin Renate Weigel für ihr Engagement zu danken (von links). Fotos: Matern

Arche St. Goarshausen steuert froh Nassauer Land an

thumb_1a-sygoh071115su_becrima-NASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. Für die Synodalen war es die letzte Tagung ihrer Amtszeit, zu der die Vorsitzende Anja Beeres die Entscheidungsträger des evangelischen Dekanats St. Goarshausen im Bürgerhaus von Nastätten begrüßte. Pfarrer Kristian Körver bezeichnete das Dekanat in seiner Andacht als Arche, gefüllt mit vielen Tieren – von fleißigen Ameisen bis zu stolzen Löwen –, die nun mit zwei anderen Archen wieder neues (Nassauer) Land erreichen.

Dass das in geordneten finanziellen Verhältnissen geschieht, zeigte die Jahresrechnung des Dekanats für 2014, die die Synodalen verabschiedeten. Bärbel Goercke stellte die wichtigsten Positionen, auf die das Dekanat Einfluss hat, anschaulich mit Grafiken vor. Größter Posten dabei ist die Anschaffung eines neuen Kleinbusses für die Jugendarbeit in Höhe von 20.000 Euro, deren Kauf die Synode bereits im Frühjahr beschloss. Laufende Mehrkosten verursacht nach wie vor der Einsatz der Prädikanten, da die entsprechenden Zuschüsse wie der Leiter der Regionalverwaltung Manfred Köhn erklärte, nicht die Anzahl der Predigtstellen und Vakanzen berücksichtigt.

thumb_1a-sygoh081115fv3_becrima-Zum „aufgeräumten Dekanat“, das ins Nassauer Land eingebracht werden soll, wie Anja Beeres formulierte, gehörte die Auflösung einer zweckgebundenen Rücklage für die vom Dekanat einst getragene Tschernobylhilfe. Einstimmig beschloss das Gremium, diese rund 11.000 Euro dem Verein Kinder von Shitkowitschi zur Verfügung zu stellen, mit 300 Mitgliedern einem der größten Vereine im Land, der sich für die Erholung von Kindern aus dem verstrahlten Gebiet um Gomel engagiert. Mitglieder des Vereins stellten dessen Arbeit vor und ein Projekt, das Kindern, die nicht nach Deutschland reisen dürfen, vor Ort eine Erholung bietet.

thumb_1a-sygoh071115moos_becrima-Ein Rückblick auf das erst 1967 gegründete Dekanat fehlte nicht. Die Tatsache, dass in 48 Jahren mit Wilhelm Matern, Günter Rein und ihm erst drei Dekane im Amt waren, spreche für Kontinuität und Konstanz des Dekanats, sagte Dekan Mathias Moos. Mit Dieter Zorbach, Ute Hahn und Anja Beeres waren es ebenso wenige Synodenvorsitzende. Moos erinnerte an Umbrüche, die er in seiner 15-jährigen Amtszeit miterlebte, die Gründung der AG Rhein-Lahn, den Abbau von Pfarrstellen, die Zusammenlegung von Kirchengemeinden.

Und trotzdem fühlten sich viele Menschen immer mit dem Dekanat wie mit einer Familie verbunden. „Es war eine spannende, aufregende und manchmal auch aufreibende Zeit“, so Moos. Eine Kandidatur fürs Dekane-Amt im Großdekanat komme für ihn aufgrund der Verbundenheit zu seiner Gemeinde nicht infrage. Er dankte den Anwesenden für alles Mitgehen und wünschte den Akteuren fürs künftige Dekanat ganz viel Fingerspitzengefühl und Erfolg beim Zusammenführen der unterschiedlichen Dekanatskulturen und -besonderheiten.

„Eine Verabschiedung kann das ja nicht werden, sind wir doch noch über den Jahreswechsel hinaus im Amt“, sagte die Präses Anja Beeres, die dieses Amt 17 Jahre ausübte, was ihr Leben geprägt und unendlich gefüllt habe. „Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die Gutes tun, das ist ein großer Schatz“, so die Vorsitzende. Es sei ein Segen, dass sich immer wieder Freiwillige zur Mitarbeit gefunden hätten. „Mein großer Schlussstrich ist Dankbarkeit.“

thumb_1a-sygoh071115beeres_becrima-Beeres dankte den Gemeinden etwa für ihr Engagement, als es darum ging, die Pfarrstellen neu zu bemessen. Pfarrämter mit drei bis zehn Ortschaften seien für die Amtsinhaber schon eine stressige Aufgabe. „Ich danke ihnen für die große Solidarität in diesem Dekanat!“ Zwei Dutzend Arbeitsbereiche zählte sie auf, in denen Ehren- wie Hauptamtliche das Dekanat lebendig gemacht hätten. „Darauf bin ich auch ein wenig stolz!“ Als Dankeschön an die Synodalen teilte der Synodalvorstand Dekanatswein an die Anwesenden aus.

Offen sei noch die Suche nach einer Nachfolge für den scheidenden Vorsitzenden der Diakoniestation Loreley-Nastätten, Berthold Krämer. Zu klären sei auch, wie es in der Palliativ-Seelsorge am Krankenhaus weitergehe und wie die Kirchengemeinden in ihrer Trägerschaft der Kindertagesstätten entlastet werden können. Die Synodalen forderte sie auf, hoffnungsvoll ins neue Dekanat zu gehen. „Es macht auch Spaß, etwas Neues anzupacken!“ In diesem Sinne stimmte sie auch das vertraute „Nun aufwärts froh den Blick gewandt“ mit den Synodalen an.

Jede Menge Spaß bereitete ehemaligen und neuen Kirchenvorstehern anschließend das Gastspiel der Lutherratten.thumb_1a-sygoh071115luthatten_becrima- Das Kirchenkabarett aus Düsseldorf trumpfte amüsant mit einer „Weltabschiedsparty“ auf der Bühne des Bürgerhauses auf. Viel Witz in Wort und Liedern gaben den Synodalen zum Schluss der Abschiedstagung vom Dekanat St. Goarshausen ein hoffnungsvolles Lachen mit auf ihren Weg nach Hause und ins neue Dekanat. Bernd-Christoph Matern

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