KLINGELBACH. (17. November 2015) Ein hochkarätiges Gesprächskonzert gab es in der evangelischen Kirche in Klingelbach zu erleben. Das Duo „2Flügel“ war dort mit seinem Programm „Wo auch immer“ zu Gast. Der teilweise weite Weg von Gästen aus dem gesamten Dekanat Diez hatte sich gelohnt. Denn das Duo mit Benjamin Seipel am Flügel und Christina Brudereck mit dem Instrument ihrer eindrucksvollen Sprache entfachte über zwei Stunden ein wahres Feuerwerk aus Sprachwitz und musikalischem Humor, nachdenklichem Tiefgang und eindrucksvollen Klangwerken.
Dabei rückten immer wieder Begegnungen mit Fremden in der Heimat oder mit dem eigenen Fremdsein in der Fremde ins Blickfeld, berührende Erlebnisse der Akteure, die politisch und theologisch pointiert und in poetischer, mitunter lyrischer Sprache dargeboten wurden und dadurch auch einen anderen Blick auf den eigenen Alltag eröffneten. Mehrere inhaltliche Stränge wurden kunstvoll ineinander verwoben und bildeten ein facettenreiches Gesamtkunstwerk.
Zum Beispiel ließ sich das Thema „Regenbogen“ durch das ganze Programm verfolgen. Beginnend mit der Frage, warum das physikalisch an sich banale Phänomen des gebrochenen Lichtes doch jeden, auch den Physiker, emotional berühre, über die kindliche Antwort, der Regenbogen reiche vom Horizont der Erde bis zum Horizont des Herzens – musikalisch mit Zitaten aus „Somewhere over the rainbow“ – , bis hin zur Vision des südafrikanischen Bischofs Desmond Tutu von einer vielfarbigen Gesellschaft, die doch eine Einheit unter Gottes Himmel, dem Regenbogen, bilde. Dazu passte musikalisch das afrikanische Lied „Goodness is stronger than evil“.
Oder das Bild der „Mauer“, angefangen von der Berliner Mauer über die aktuellen Grenzzäune in Europa bis zur Mauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Die Überwindung der Grenzen, die Begegnung zweier weit entfernter Sterne zum „Stern von Bethlehem“ ist auch zwischen verfeindeten Völkern und Kulturen möglich, so die Botschaft. Wie wäre das mit James Bond in Jerusalem? Hier brillierte Benjamin Seipel mit faszinierend schillernden Kombinationen des Liedes „Stern über Bethlehem“ mit Filmmusiken aus James Bond. Aber auch „Auf der Mauer, auf der Lauer“ sitzt ne kleine Wanze hieß es zur Überwachung der Unterdrückten, von Martin Luther King über Nelson Mandela hin zu Aung San Suu Kyi und zur allgemeinen Bespitzelung durch die NSA.
Mit Benjamin Seipel zeigte sich ein einzigartiger und höchst vielseitiger Musiker. Er gliederte die gesprochenen Abschnitte immer wieder höchst virtuos durch ergreifende Lieder wie „Eine Reise“ oder „In meinem Leben“, aber auch durch mal rockige, mal balladenhafte Immprovisationen, die auch Zitate von Sting, aus Filmmusiken („Beste Freunde“) über „Pippi Langstrumpf“ bis zur Sonate von Beethoven und teils elektronische Klänge einschlossen.
Das tief beeindruckte Publikum, das in der Pause vom Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Klingelbach mit Brezeln und Punsch oder Glühwein bewirtet wurde, dankte mit herzlichem Applaus für einen Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird, und bekam mit der „Ballade auf die Schokolade“ noch eine herzerfrischende Zugabe. Martin Samrock; Fotos: Thomas Krech
