55 plus-minus: Platt schwetze und Menschen kennen lernen

thumb_1plattvor120110BETTENDORF/RHEIN-LAHN. (20.Januar) Wer heutzutage Menschen kennen lernen oder Erfolg im Beruf haben möchte, versucht Hochdeutsch zu sprechen. Heimische Dialekte sind vom Aussterben bedroht. Dagegen setzt die Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat St. Goarshausen jetzt ein neues kommunikatives Projekt: „Platt schwetze“ ist der Titel, der nicht nur sprachliche Kultur vor dem Vergessen bewahren möchte sondern auch Menschen zusammenführt und so Geschichte und Geschichten lebendig werden lässt.

"Hochdeutsch schafft Distanz, der Dialekt verbindet", erklärt Initiative-Sprecher Dieter Zorbach, warum er den Bettendorfer Mundartdichter Armin Wilhelm ansprach, um ein solches Projekt zu betreuen. Der übernahm die Aufgabe gern und freut sich für den Projektstart am Dienstag, 26. Januar um 15 Uhr in seinem Geologischen Museum in Bettendorf auf einen regen Austausch. „In fröhlicher Runde ins Gespräch kommen wie uns der Schnabel gewachsen ist, das soll im Zentrum stehen“, so Wilhelm, der nicht nur ein passionierter Schreiber von Mundartgedichten ist, sondern auch ein Kenner heimischer Dialekte.

"Es mag fünf oder sechs Gemeinden geben, die den gleichen Dialekt haben wie wir, aber in Miehlen, Hunzel oder Singhofen wird wieder ganz anders platt gesprochen." Im Mittelpunkt soll an diesem Mittag das rege Gespräch im Dialekt der Dörfer stehen. „Wir werden uns an Altbekanntes erinnern und staunen, was in anderen Dörfern anders oder ähnlich war“, so Wilhelm. Auch Gemmerich hat ein eigenes „Platt“, wie Waltraud Pleimes, die neue Projekt-Beauftragte der Initiative feststellt. Sie weiß aus der heimischen Gastwirtschaft, wie kommunikativ der Dialekt ist. „Da wird es beim ersten Treffen sicher nicht lange dauern, bis die Leute von alten Zeiten schwetzen, sich über Landwirtschaft, Dorfentwicklung, Familienerlebnisse und Erziehungsmethoden austauschen“, freut sie sich auf den Projektstart.

Im „platt“ plaudern soll sich das Projekt freilich nicht erschöpfen. Bei der Initiative 55 plus-minus wird schon jetzt über weitere Schritte nachgedacht. Denn was läge näher als die sprachliche Zeitreise mit Besuchen in Museen zu ergänzen, vielleicht sogar Szenen nachzuspielen und das vielfältige „Platt“ auch akustisch zu dokumentieren, „solange es noch zu dokumentieren ist“, sagt Dieter Zorbach. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde (IGL) an der Universität Mainz geplant, das sich jene Dokumentation zur Aufgabe gemacht hat und dabei ein Geschichtsmobil einsetzt. Sich über die Mundart an Vergangenes zu erinnern, es zu verstehen, einschätzen und vielleicht neu bewerten zu können – auch das sieht Zorbach als Chance des Projekts.

Aber wie in jedem Initiative-Projekt steht auch diesmal im Vordergrund, „gemeinsam aktiv“ zu werden und den Ideen der Teilnehmer Raum zur Entfaltung zu bieten. Dafür hoffen die drei Verantwortlichen jetzt vor allem einmal auf möglichst viele Menschen, die für den Projektstart die heimische Couch mit den Stühlen im Bettendorfer Museum tauschen. „Wir freuen uns über jede und jeden, der kommt“, sagt Armin Wilhelm, ob er nun gern platt „schwetzt“ oder „schwätz“, ob er die eigene Vergangenheit etwas aufleben lassen möchte oder sich einfach nur für die Thematik interessiert.

Das erste Treffen des Projektes „Platt schwetze“ beginnt am Dienstag, 26. Januar um 15 Uhr im Geologischen Museum in Bettendorf (Nastätter Straße 18). Bernd-Christoph Matern

Bildunterzeile: Freuen sich auf viele Teilnehmer zum Projektstart „Platt schwetze“ im Geologischen Museum in Bettendorf (von links): Dieter Zorbach, Armin Wilhelm und Waltraud Pleimes. Foto: Matern 

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