Warum der letzte Tag des Jahres Silvester hei?t

thumb_10-feuerwerkRHEIN-LAHN. (31. Dezember) Mit einem großen Feuerwerk verabschieden sich die Menschen an Rhein und Lahn heute vom alten Jahr. Freude, Trauer, Enttäuschung, Hoffnung – die Kirchenglocken, die heute Nacht das neue Jahr einläuten geben Gelegenheit, das Alte zurückzulassen und den Blick auf Neues und nach vorn zu richten. Im folgenden Beitrag erklärt die Bildungsreferentin der evangelischen Kirche an Rhein und Lahn, Claire Metzmacher, woher eigentlich der Begriff „Silvester“ stammt, mit dem alljährlich der letzte Tag des Jahres bezeichnet wird.

Der letzte Tag des Jahres Viele Tage des Jahres werden nach ihrem Namenspatron benannt: Wir kennen den Barbaratag (4. Dezember), den Nikolaustag (6. Dezember), den Johannistag (24. Juni) und viele mehr. Vor allem die katholische Kirche gedenkt dieser Persönlichkeiten, die in besonderer Weise mit einem Tag im Jahr verbunden sind. Manche Menschen wurden auch nach dem Namenspatron ihres Geburts- oder Tauftages benannt: ein prominentes Beispiel ist Martin Luther, der am 10. November 1483 geboren und einen Tag später, am Martinstag, getauft wurde. Der letzte Tag des Jahres ist also dem Silvester gewidmet.

Silvester I. war Papst, also Bischof von Rom von 314 bis zu seinem Tod 335. Er trat sein Amt an in einer für das Christentum bedeutsamen Zeit, als nämlich Konstantin der Große die christliche Kirche anerkannt und jedem Bürger das Recht auf freie Religionsausübung gewährt hatte. Es gibt einige Legenden über das Leben und Wirken von Silvester. In seiner Amtszeit gab es noch Christenverfolgungen und er zeigte sich fest im Glauben und streitbar für die Rechte der Christen. Er legte sich mit einem Statthalter an, der ihn zwingen wollte, die von ihm verwahrten Besitztümer von Christen herauszugeben – dieser Statthalter erstickte beim Essen an einer Fischgräte. Er heilte und bekehrte den angeblich aussätzigen Kaiser Konstantin. Die Legende sagt auch, dass er Konstantin getauft habe, das allerdings ist geschichtlich nicht verbürgt.

Die Legenden erzählen auch von einem Streitgespräch, das Silvester mit zwölf jüdischen Rabbinern geführt habe, weil Helena ihren inzwischen getauften Sohn Konstantin zum Judentum bekehren wollte. Silvester siegte im Disput gegen elf der gelehrten Juden. Der zwölfte Rabbiner wollte die Kraft seines Glaubens beweisen, indem er einen Stier tötete – lediglich durch die Nennung des Namens Gottes. Silvester aber konnte mit Gottes Hilfe sogar den toten Stier zum Leben auferwecken. Daraufhin ließen sich alle Rabbiner und auch Helena sofort taufen. Wundersame Geschichten also über Papst Silvester I., nach dem der letzte Tag des Jahres benannt ist.

Damit haben aber all unsere Feiern, Rituale und Feuerwerke in der Silvesternacht gar nichts zu tun. Bleigießen, Partys, Böller, Fondues und all die anderen Möglichkeiten, das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen, haben zu tun mit dem menschlichen Bedürfnis, die Übergänge im Leben zu feiern. Übergänge in Lebensphasen – vom Kindergarten in die Schule, vom Kind zum Erwachsenen, vom Junggesellen zum Ehepartner – und auch Übergänge der Zeiten, wie z.B. der Jahreswechsel.

Dabei ist das Datum für den Jahreswechsel, also der 31. Dezember, sogar noch relativ willkürlich! Im Laufe der Zeiten hat sich der Beginn des Neuen Jahres mehrfach verändert und noch heute feiern nicht alle Menschen auf der Welt am gleichen Tag den Abschied des Alten und die Begrüßung des Neuen Jahres.

Ein paar Bauernregeln:

Silvesternacht düster oder klar, deutet auf ein neues Jahr.

Ist's zu Silvester hell und klar, steht vor der Tür das neue Jahr.

Gefriert's an Silvester zu Berg und Tal, geschieht auch dies zum letzten Mal.

Wind in St. Silvesters Nacht, hat nie Wein und Korn gebracht.

 Claire Metzmacher

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