RHEIN-LAHN. (30. Dezember) Den Nächsten nicht vergessen – das ist eine Botschaft, die Weihnachten den Menschen gebracht hat. Das ist auch die Antriebsfeder für die Diakoniestationen der evangelischen Kirche im Rhein-Lahn-Kreis, deren Arbeit einen Balanceakt zwischen gesetzlichen Vorgaben und Zuwendung darstellt. Evangelisch an Rhein und Lahn sprach mit Manfred Sopp aus Diethardt, Gründungsmitglied der ersten kirchlichen Sozialstation im Rhein-Lahn-Kreis und Vorstandsvorsitzender der Verbandsvertretung der heutigen Diakoniestation Loreley-Nastätten, dem für sein Engagement in diesem Jahr das Kronenkreuz in Gold überreicht wurde.
Manfred Sopp äußert sich im folgenden Interview über Geschichte und Zukunft der Station.
Herr Sopp, wieso wurde im Dekanat St. Goarshausen eine Sozialstation gegründet?
Früher war die Pflege gar kein Thema; das hat die Familie übernommen oder aber die Gemeindeschwestern – in Diethardt waren es Ordensschwestern des Klosters. Ich habe das als Kind bei meinen Großeltern in Münchenroth mitbekommen. Der Aufbau der Sozialstationen wurde von der Politik, bei uns hier insbesondere von Rudi Geil, forciert. Vorbild für die Station in unserem Dekanat war die des Caritasverbandes in Lahnstein. Jede Kirchengemeinde entsendete ein Mitglied für die Verbandsvertretung, für die im Oktober 1976 eine Satzung erarbeitet wurde. Ich kam für die Kirchengemeinde Diethardt in dieses Gremium und wurde in den Vorstand gewählt.
Dort waren Sie damals der Jüngste. Was hat Sie motiviert, sich in einer Institution zu engagieren, die vor allem Ältere unterstützt?
Das war eine Arbeit, in der man konkret etwas für Andere tun konnte. Im Sinne der Nächstenliebe tätig zu werden, eben diakonisch, das ist doch etwas großartiges! Und man hat eben auch gleich gesehen, dass es den Familien, in denen die Schwestern der Sozialstation gearbeitet haben, etwas gebracht hat. Das war und ist Hilfe, die unmittelbar und sichtbar ankommt. Und ich habe mit Edmund Zorbach und allen anderen, die am Aufbau der Station mitgearbeitet haben, erfahrene Leute um mich gehabt, denen der Aufbau wie mir eine Herzensangelegenheit war. So bin ich Schritt für Schritt auch in die Vorstandsarbeit hineingewachsen.
Die Gründung der Sozialstation fiel in eine Zeit, als das Geld noch nicht so knapp war wie heute – früher war die Pflege für Patienten noch kostenlos. Immer weniger Mehrgenerationen-Haushalte, die steigende Zahl Pflegebedürftiger und schließlich die Einführung der Pflegeversicherung dürfte die Arbeit erschwert haben? Wieso opfern sie trotzdem ihre Freizeit dafür?
Natürlich hat sich viel verändert und ist komplizierter geworden. Aber wir haben ja zusammen etwas aufgebaut und gesehen, dass die Hilfe ankommt. Die Zusammenarbeit im Vorstand war immer sehr harmonisch, Sitzungen wurden mit einer Andacht begonnen und mit dem Vater Unser beendet. Natürlich gab es auch harte Auseinandersetzungen. Aber ich bin nie mit Frust in eine Sitzung hinein oder nach Hause gegangen.
Welche Rolle spielt der Förderverein?
Immer noch eine ganz wichtige, auch wenn viele Leute glauben, mit ihrer Pflegeversicherung alles bezahlt zu haben und die Zahl der Mitglieder deshalb gesunken ist. Aber der Umzug von St. Goarshausen nach Nastätten, die Anschaffung von Fahrzeugen, der Bau des Carports, Unterstützung bei der technischen Ausstattung – das alles sorgt dafür, dass solche Kosten nicht zu Lasten der Pflege oder der Pflegebeiträge gehen.
Was bedeutet Ihnen die Verleihung des Kronenkreuzes?
Es ist eine schöne Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit und gleichzeitig eine Genugtuung, der Berufung scheinbar gerecht geworden zu sein.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Station?
Dass die Nächstenliebe nicht auf der Strecke bleibt. Dazu bedarf es auch in der Politik einer stärkeren Anerkennung der Arbeit, die hier geleistet wird und der Einsicht, dass Pflege nicht nach „Schema F“ abgewickelt werden kann. Einen Verband zu wechseln mag immer die gleichen Handgriffe erfordern, aber der Mensch, dem er gewechselt wird, darf nicht aus den Augen verloren werden. Deren Bedürfnisse lassen sich nicht über einen Kamm scheren.
Die Fragen stellte Bernd-Christoph Matern
Zur Person: Manfred Sopp (71) wurde Mitglied der ersten Verbandsvertretung, die sich 1977 konstituierte. Die Station nahm am 1. September 1978 ihre Arbeit auf. Vorsitzender des Vorstandes war für die folgenden 14 Jahre Edmund Zorbach aus St. Goarshausen. Bis 1991 war Manfred Sopp stellvertretender und ab dann Vorsitzender der Verbandsvertretung. Seit 42 Jahren ist er im Kirchenvorstand, mehr als 30 Jahre davon als Vorsitzender, zwei Amtsperioden war er Mitglied der Dekanatssynode. 31 Jahre war er Ortsbürgermeister, 40 Jahre im Vorstand des Gemischten Chores Diethardt-Weidenbach, 25 Jahre davon als Vorsitzender.
