NASSAU. (15. Dezember 2010) Wer glaubt, Gottesdienste wären nur zur Theorie geeignet, irrt. Sichtbares Beispiel dafür, den Worten auch Taten folgen zu lassen, liefert jetzt die evangelische Kirchengemeinde Nassau. Sie schuf mit tatkräftiger Unterstützung des Bauhofs der Stadt Nassau eine Rampe am Seiteneingang der evangelischen Johanniskirche, damit auch Rollator- und Rollstuhlfahrern der Zugang zum Gotteshaus leichter fällt.
Auslöser war ein Festgottesdienst im September 2009 unter dem Motto „Leben mit Grenzen“, in dem ganz konkret die Barrierefreiheit in der Freiherr-vom-Stein-Stadt angesprochen wurde. Die Kirchengemeinde „kehrte“ zunächst vor der eigenen Haustür und sorgte für einen rollstuhlgerechten Eingang in die Kirche. „Dabei packte der Bauhof der Stadt kräftig mit an“, dankten Pfarrerin Andrea Beiner (Heime Scheuern) und Nassaus Ex-Pfarrerin Dr. Brigitte Menzel-Wortmann, als sie jetzt mit der Kirchenvorstandsvorsitzenden Ursula Wiese und Nassaus Stadtbürgermeister Armin Wenzel das Werk in Augenschein nahmen.
Ursula Nachtsheim probierte die Rampe gleich einmal aus, um mit ihrem Rollator stufenfrei ins Kircheninnere zu gelangen. „Die Johanniskirche ist mit seinem 900 Jahre alten Turm ein bedeutendes Bauwerk unserer Stadt und prägend fürs Stadtbild“, sagte Stadtchef Wenzel. „Da liegt es auch in unserem Interesse Barriere-freien Ansprüchen zu genügen, damit jeder, der die Kirche besuchen will, das auch kann“, so Wenzel. Der Bauhof habe sich mit vollem Elan beim Aushub, der Befestigung des Untergrundes und der Pflasterung eingebracht. Neben dem städtischen Engagement wird sich auch die Landeskirche mit 65 Prozent an den Kosten der Maßnahme beteiligen.
Wenzel kündigte an, dass auch an anderen Stellen in der Stadt zu hohe Bordsteinkanten abgeflacht würden beziehungsweise dort, wo Straßen saniert werden, gleich an Rollstuhlfahrer gedacht wird; so etwa jetzt beim neu gestalteten Bereich Unterer Bongert/Kaltbachstraße. Die beiden Pfarrerinnen Andrea Beiner und Brigitte Menzel-Wortmann hatten sich mit einem Rollator Anfang des Jahres auf Wanderschaft durch die Stadt begeben und Stolperfallen ausfindig gemacht. Bernd-ChristophMatern
Bildunterzeile
Aus einer Gottesdienst-Idee wurde Wirklichkeit: Ursula Nachtsheim probiert mit ihrem Rollator vor den Augen von Pfarrerin Andrea Beiner, Ursula Wiese, Pfarrerin Brigitte Menzel-Wortmann und Stadtchef Armin Wenzel die neue Rampe am Seiteneingang der evangelischen Johanniskirche aus.
