Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12, Vers 21
RHEIN-LAHN. (1. Januar 2011) Die Jahreslosung für das Jahr 2011 „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ sei ein guter Ansporn, sich auf die wesentlichen Grundlagen des Zusammenlebens zu besinnen, betont Kirchenpräsident Dr. Volker Jung in einem Grußwort zum Jahreswechsel. „Wir müssen alles daran setzen, die Gesellschaft trotz polarisierender Konflikte zusammen zu halten und anstehende Probleme konstruktiv zu lösen“, so Jung.
Es gebe polarisierende Tendenzen in der Gesellschaft. Auf nationaler und auf internationaler Ebene seien dies die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich sowie religiös aufgeladene Konflikte. In Deutschland zählten dazu auch tief in die Gesellschaft hineinreichende Konflikte wie die Nutzung von Atomkraft und Großprojekte wie der Bahnhofsumbau Stuttgart 21 und die Erweiterung des Frankfurter Flughafens. Jung sagte wörtlich: „Die Konflikte dürfen die Gesellschaft nicht auseinander treiben, sondern wir brauchen dafür eine konstruktive Debatten- und Protestkultur.“
Das zweifellos große Konfliktpotenzial dürfe nicht dazu führen, dass wichtige gemeinsame Werte wie die bürgerlichen Freiheiten und die Sozialstaatsidee darunter litten. Jung sagte wörtlich: „Die Ermordung von Christen und die
Zerstörung von Kirchen in anderen Ländern sind verabscheuungswürdig, und ich verurteile sie scharf. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass sie den offenen interreligiösen Dialog in Deutschland und die Integration dialogbereiter Muslime in unserer Gesellschaft beschädigen. Das sind wir unseren eigenen Werten schuldig. Diesen Werten sind wir allerdings genauso schuldig, dass wir andere Staaten und Völker auffordern, die Menschenrechte einzuhalten und zu sichern. Das gilt insbesondere für die Religionsfreiheit – auch die von Minderheiten wie den Christen in vielen muslimisch geprägten Ländern.“
Jung bezog die Jahreslosung „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ auch auf den Umgang mit Krisen. Um Wirtschafts- und Finanzkrisen zu überwinden, bedürfe es großer gemeinsamer Anstrengungen. Dabei müsse es in einer Solidargemeinschaft selbstverständlich sein, dass die Stärkeren zur Bewältigung der Krise mehr beitragen als die Schwächeren.
Dies gelte sowohl innerhalb von Deutschland als auch innerhalb der EU und im Rahmen des Möglichen auch weltweit, sagte Jung und wies darauf hin, dass er vielen wirtschaftlich Starken begegnet sei, die dies für eine Selbstverständlichkeit hielten und auch so handelten. Neben dieser persönlichen Bereitschaft zur Solidarität seien neue und gute Ideen gefragt, wie man die freiheitliche und sozial ausbalancierte Gesellschaft in Zukunft politisch gestalten könne.
