Kirchengemeinde K?rdorf startet mit Schwank ins Neue Jahr

thumb_1a-theateredithudanielamuellerKÖRDORF/RHEIN-LAHN. (3.Januar 2011) Mit guter Laune starten die Kördorfer ins Jahr 2011. Die Theateraufführungen zu Neujahr der örtlichen Schauspielgruppe, die sich 1982 gründete, haben Tradition. Schon lange vor der Premiere sind sämtliche Plätze im evangelischen Gemeindehaus ausgebucht, nicht nur für die Premiere – in diesem Jahr wie in den Vorjahren auch für alle anderen neun Vorstellungen.

 

Schon im September beginnen die Proben, deren Anzahl sich bis kurz vor der öffentlichen Generalprobe am Neujahrs-Mittag auf dreimal in der Woche steigert. Am 1. November wird traditionell die Bühne aufgebaut. Dann verwandelt sich der Altarbereich des Raums in die Bretter, die für die Kördorfer Laienspieler für eine Woche die Welt bedeuten. Ob Höfe, Wälder, Gärten, Küchen oder Wohnzimmer zu zimmern sind – jeder packt kräftig mit an.

thumb_1a-theaterprobe2010"Veilchenduft im Omnibus" heißt diesmal der Titel des dreiaktigen Lustspiels, den die Truppe unter der Regie von Gerd Maxeiner zum Besten gibt. „Einer muss es machen, der sich die Sache von vorn ansieht, aber eigentlich entstehen die Szenen im Teamwork“, sagt das Gründungsmitglied bescheiden, „schließlich soll sich jeder in seiner Rolle wohlfühlen, das ist das wichtigste.“ Die werden jedes Jahr neu verteilt. Elke und Gerd Maxeiner sind das ganze Jahr über unterwegs, um sich Anregungen für die Kördorfer Neujahrsinszenierung zu holen. „Im größeren Kreis wird dann das Stück ausgewählt und über die Besetzung gesprochen“, erzählt Wolfgang Scheurer, ebenfalls theatralisches Urgestein der Gemeinde.

Als 1982 das evangelische Gemeindehaus eingeweiht wurde, hatten ehemalige Jungscharmitglieder zur Einweihung einen Einakter aufgeführt, die Geburtsstunde der jetzigen etwa 30 Personen zählenden Laienspielgruppe, die seitdem mit einem abendfüllenden Schwank für einen humorvollen Auftakt des Neuen Jahres sorgt. „Das mag leichte Kost sein, und nach zehn Minuten weiß eigentlich jeder, wer wen bekommt und wer leer ausgeht“, sagt Scheurer, „aber es gefällt den Leuten.“

Dafür spricht die Tatsache, dass in der 600-Seelen-Gemeinde bereits jetzt die zehn Vorstellungen in dem 140 Plätze bietenden Raum ausverkauft sind. Der halbe Einrich pilgert in der ersten Januarwoche zum Bühnenspaß mit frischen Pausenbrezeln nach Kördorf. Scheurer: „Aus dem Nassauer Land machen sich manche sogar mit dem Bus zu uns auf den Weg.“ Die Jahre brachten auch die Darsteller in die Jahre. „Den jugendlichen Liebhaber kann ich heute nicht mehr spielen“, lacht Scheurer, der ins Fach des Großvaters wechselte und sich da wie bei anderen Rollen auch von Jahr zu Jahr mit anderen Darstellern abwechselt. Scheurer: „Es gibt nicht in jedem Stück drei Opas, aber zu tun gibt es für jeden in jedem Jahr etwas, ob auf, vor oder hinter der Bühne.“

thumb_1a-theateralledarsteller2010Fürs junge Beziehungsgeflecht mangelt es nicht an Neuzugängen, Daniela Müller und ihre Schwester Christina beispielsweise. „Irgendwie bin ich schon seit Kindesbeinen dabei und dachte: probiere ich‘s doch mal auf der Bühne“, sagt Daniela und stellt kurz vor ihrer Bühnenpremiere fest: „Eine tolle Truppe, es macht riesigen Spaß.“ Das Auswendiglernen nahm sie mit Links, nur die Aussprache brauchte Übung, denn das ist Kult in Kördorf: Die Stücke werden in Einricher „Platt“ umgeschrieben, Silbe für Silbe, Satz für Satz. Angereichert mit Lokalkolorit bei den Namen ist dies das Salz in der komödiantischen Suppe. Unverzichtbar ist seit jeher das maskenbildnerische Geschick von Edith Müller. Wie ein Profi verpasst sie vor und selbst während den Aufführungen den neun Darstellern Gesichtsfarbe, schicke wie schräge Frisuren.

Wenn Theatergruppe und Zuschauer ihren Spaß hatten, fällt von dem amüsanten Jahresbeginn stets eine stolze vierstellige Summe für wohltätige Zwecke in der Region ab, etwa für Jugendfreizeiten, Traustühle in der Kirche, die Sozialstation oder die Kinderkrebsstation in Koblenz. Ein Neujahrsspaß, der auch dieses Jahr wieder wohltuende Folgen haben soll. Bernd-Christoph Matern

Bildunterzeilen:
Maskenbildnerin Edith Müller verpasst Tochter Daniela ihre erste Theaterfrisur. Regisseur Gerd Maxeiner verfolgt von der Couch aus die Probe mit Marvin Gaede (rechts) und Wolfgang Scheurer. In diesem Jahr treten neun Akteure in Rollen auf der Bühne auf. Zupackende Hände sind aber auch zur Vorbereitung der Inszenierung und während den ausverkauften zehn Vorstellungen gefragt. Fotos: Bernd-Christoph Matern 

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