Dekanatsfrauentag in Becheln machte Lust auf Genuss am Essen

thumb_1a-dft15-co-no25-09BECHELN/RHEIN_LAHN. (16. Oktober) Ums Essen ging es beim diesjährigen Dekanatsfrauentag des evangelischen Dekanats Nassau im Dorfgemeinschaftshaus von Becheln. Aber nicht nur ums Essen an sich, auch die Moral, beziehungsweise die moralische Einstellung zu Lebensmitteln und ihrer Produktion, ihre Wertigkeit und Wertschätzung standen im Focus des Treffens.

Wer Fachvorträge und Analysen erwartete, sah sich eines Anderen belehrt, denn die Frauen schöpften aus ihrem Erfahrungsschatz als Mütter, Großmütter und gestandene Hausfrauen, die alle Facetten rund ums Kochen und Essen kannten. Die Frauen im fast voll besetzten Saal stimmten Claire Metzmacher, der Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, völlig zu, als sie in ihrer Begrüßung sagte: „Die Ernährung beschäftigt uns dauernd. Frauen kochen für ihre Familien, sie sorgen sich um ihre Figur, möchten sich gesund ernähren und auch genießen.“

Damit hatte sie bereits die große Bandbreite von Themen rund ums Essen angesprochen, die in den ersten Sketch eines fröhlichen Programms mündete, das mit „Erst Essen, dann die Moral ?“ überschrieben war. Bärbel Scheele und Christa Kolb aus Lahnstein nahmen sich selbst auf den Arm, als sie erklärten, sie könnten essen, was sie wollten, sie würden nichts abnehmen und fügten an: „Dürre sind nur zu faul zum Essen.“

thumb_1a-dft15-co-no24-09Als Dritte im Bunde kam Wilma Jungbauer hinzu, und zu Dritt beleuchteten sie die veränderten Koch- und Essgewohnheiten „früher und heute“. Früher habe die ganze Familie zu festen Zeiten am Tisch zusammen gesessen; gekocht worden sei mit frischen Lebensmitteln aus dem eigenen Garten oder vom persönlich bekannten Händler. Heute wären die Anbau-, beziehungsweise Herstellungsmethoden nicht nachvollziehbar. Lebensmittelskandale ließen an der Qualitätskontrolle zweifeln.

Fast-Food sei vielfach an der Tagesordnung, denn berufstätige Frauen hätten gar keine Zeit zum Kochen. Durch Zuwanderungen sei der Speiseplan aber auch vielfältiger und reicher geworden, etwa mit italienischen Gerichten durch die Gastarbeiter. „Rückbesinnung auf alte Werte ist kein Rückschritt“, war ihr Fazit. Mit Blick auf die bevorstehende Pause mit Kaffee und Kuchen meinten die drei Damen: „Aber der Kaffee hier kommt aus biologischen Anbau, und der Kuchen kommt von einem richtigen Bäcker“. Das umfangreiche Gespräch der drei Frauen war eine gute Basis für das anstehende Quiz, zu dem Helga Kohl aus Becheln die Fragebögen verteilte.

Zu Bildern und Fragen auf der großen Bildwand sollten Antworten gefunden werden. Sehr interessant zum Beispiel war das Erkennen von Gewürzen und Küchenkräutern. Thymian und Salbei waren jedem bekannt, aber Currykraut? „Das hab ich noch nie gesehen“, war relativ oft zu hören. Das teuerste Gewürz der Welt? Klar, Safran. Die Tischgemeinschaft Bad Ems-Lahnstein hatte mit 27 Punkten den ersten Platz errungen. Es gab selbst gemachten Eierlikör aus Bechelner Produktion als Anerkennung.

thumb_12015_dft_yvonne_fischerPfarrerin Yvonne Fischer aus Lahnstein untermalte das umfangreiche Programm mit Liedern zu ihrer Gitarre, „Nun danket alle Gott“ ebenso wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“. In ihrer Andacht wies die Theologin auf den biblischen Bezug des Themas hin und berichtete vom Volk Israel in der Wüste, das von Gott Manna bekommt, mit der Weisung, soviel zu sammeln, wie jede Familie braucht. Fischer erinnerte an die Nahrungsverteilung in der Welt, auf Gerechtigkeit und Teilhabe. Angesichts so vieler Ess-Ratschläge und Diättipps fragte sie sich, ob man das Essen „noch“ genießen könne. Gott habe den Menschen die Welt geschenkt und sie sollten verantwortungsvoll mit ihr umgehen. „Essen ist ein Geschenk, aber die Fixierung auf gesundes Essen, verbunden mit dem Schlankheitsgedanken, erstickt die Freude am Leben“.

Für das bevorstehende Reformationsspektakel in Bad Ems rührte Prodekanin Renate Weigel die Werbetrommel. „Wie der Martin Luther zu seiner Frau Käthe kam“ ist der Titel des Abends. Der humorvollen Linie des Tages folgend sprach sie Dekan Martin Ufer an, er könne doch wunderbar den Luther geben, und Ortsbürgermeister Patrick Becker würde die Rolle des Bierlieferanten gut zu Gesicht stehen.

thumb_1a-dft15-co-no27-09Die Jungschar aus Becheln hatte sehr gute Erfahrungen mit Freunden und Schulkameraden aus anderen Erdteilen gemacht und berichtete, wie sie die fremdartigen Gerichte fanden, die auf den Tisch kamen: „Einige sehr gut, andere gewöhnungsbedürftig. Aber Essen verbindet und schafft Freunde“.

Dekan Ufer bedauerte in seinem Schlusswort, dass „dies der letzte Dekanatsfrauentag im Dekanat Nassau ist, weil die drei Rhein-Lahn-Dekanate am 1. Januar zum Dekanat „Nassauer Land“ fusionieren. Claire Metzmacher war sich aber sicher: „Wir sehen uns wieder zum Dekanatsfrauentag am letzten Mittwoch im September des kommenden Jahres“. Mit dem Lied „Kein schöner Tag“ schloss dieser schöne und humorvolle Tag. ©Norbert Schmiedel

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