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RHEIN-LAHN. (24. Dezember 2010) Während wir heute unsere großen oder kleinen Geschenke auspacken, uns darüber freuen oder ärgern und die Haare raufen, sterben auf dieser Welt Menschen, weil sie nicht genügend zu essen und zu trinken haben, weil sie nicht wie wir das Glück haben, zu den fünf Prozent Weltbevölkerung zu gehören, die ein Dach über dem Kopf haben geschweige denn Wasseranschluss oder Strom. Sie verhungern oder verdursten, statistisch gesehen ein Mensch in jeder Sekunde. Deshalb sind auch die heutigen Kollekten der Heilig-Abend-Gottesdienste in den evangelischen Kirchengemeinden an Rhein und Lahn für die Hilfsaktion „Brot für die Welt“ bestimmt.
Mit mehr als 1000 Projekten in Afrika, Asien und Lateinamerika gibt „Brot für die Welt“ Hilfe zur Selbsthilfe und ermöglicht dadurch, dass Menschen, statt in bitterer Armut zu leben, ein Leben in Würde führen können. „Es ist
genug für alle da, wenn wir teilen, was Gott uns Menschen schenkt. Machen Sie mit.“ Mit diesen Worten hatte die Direktorin der Hilfsaktion, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, am ersten Advent in diesem Jahr in der Wiesbadener Marktkirche die Aktion eröffnet. Brot für die Welt unterstütze die Ärmsten der Armen in ihrem täglichen Kampf für eine besseres Leben und eine nachhaltige Zukunftsperspektive. Für die Umsetzung der Hilfe brauche ihre Organisation 600 Partner weltweit.
Füllkrug-Weitzel forderte eine Eindämmung der Spekulation auf den weltweiten Lebensmittelmärkten. Die Bundesregierung solle sich dafür beim kommenden G20-Gipfel in Südkorea einsetzen und dabei eine Führungsrolle übernehmen. „Für Investoren sei es zurzeit attraktiver, in Rohstoffmärkte und die Landwirtschaft zu investieren, als in Immobilien und Industrie“, sagte die Stuttgarter Direktorin. So sei der Weizenpreis bereits um 50 Prozent angestiegen, der Mais um etwa 30 Prozent. Genauso Existenz gefährdend ist nach ihren Aussagen der sogenannte „Landraub“: Immer mehr Ackerland gehe in den Entwicklungsländern durch Umwidmung und Landnutzungsänderung verloren. Das entziehe den kleinbäuerlichen Familien und Fischern die Lebensgrundlage und sei Ursache für wachsenden Hunger weltweit. „Hunger fällt nicht vom Himmel, sondern er ist gemacht“ urteilte die Theologin. Die Unterstützung der Aktion aus den Kirchengemeinden bezeichnete Füllkrug-Weitzel als großartig, „ aber wir brauchen auch das offene Ohr der Politik.“
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung sagte in dem von der ARD übertragenen Eröffnungsgottesdienst über ein Wort des Propheten Jeremia, der Advent werde jetzt wieder mit vielen Lichtern, Kerzen und Adventskränzen begangen. Im biblischen Zeugnis werde aber ein König angekündigt, der Recht und Gerechtigkeit üben werde. Wenn sich Menschen danach sehnten, genug zum Leben zu haben, Wasser zum Trinken, Brot zum Sattwerden, Respekt, Freiheit und Frieden, so fragten sie nach einem Weg der irdischen Gerechtigkeit. Sie könne nicht mit Macht durchgesetzt werden. „Gerechtigkeit muss gelebt werden. Da geht es um jeden Menschen, und es kommt auf jeden Menschen an, auf Sie und auf mich“, forderte Jung die
Gottesdienstbesucher in der historischen Kirche und die Millionen Zuschauer der Fernsehübertragung auf.
„Schon eine kleine Spende kann hohe menschliche Zinsen bringen“, sagte unter anderem Fernsehjournalist Wolf von Lojewski, der als Pate für die Hilfsaktion warb.
Unter den Landeskirchen in der EKD bringt die EKHN ein beachtliches Spendenergebnis zustande: In jedem Jahr zwischen 3,4 und 3,7 Millionen Euro, bis zu 1,7 Millionen Euro allein aus Kollekten an Heiligabend und Erntedank.
