RHEIN-LAHN. „Die Bibel ist in sich ökumenisch.“ Das sagte am Mittwochabend während eines Reformationsgottesdienstes des evangelischen Dekanates St. Goarshausen Pfarrer Dr. Martin Zehntgraf. Der Vorsitzende des Pfarrer(innen)vereins der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau berief sich dabei in der evangelischen Kirche Marienfels auf die Feststellung Martin Luthers, der vor 490 Jahren erklärte, dass das gültig ist, was das Christentum vorantreibt. Das Reformationsfest wurde außerdem genutzt langjährig engagierte Kirchenvorstandsmitgliedern aus den Gemeinden zu ehren.
Vor rund 250 Gottesdienstbesuchern erklärte Zehntgraf in seiner Predigt, dass mit der Reformation die Bibel wieder unter dem Tisch hervorgeholt worden sei, um sich auf das Wort Gottes zu konzentrieren. Fünf Gestaltformen gebe es für dieses Wort: Christus, die gedruckte Bibel, Predigten, mit denen die Jahrtausende alten Schriften in die Gegenwart geholt würden, die Sakramente Taufe und Abendmahl als sinnliche Form des Wortes und schließlich die Diakonie, die Bibelarbeit mit den Händen betreibe. „Christliche Liebe beschränke sich nicht aufs Schöne, sondern es braucht ein dennoch“, erinnerte Zehntgraf an die „Erfindung“ ziviler Krankenhäuser als ein Reformationsergebnis.
Zehntgraf wies auf die Vielseitigkeit der Bibel hin und erklärte, dass auch Lutherübersetzungen längst nicht die Originalsprache von vor 500 Jahren wiedergeben. Es gebe sicher Stellen in der Bibel, die nicht auf der Höhe Christi angekommen seien, manche Menschen entdeckten gar Widersprüche oder „evangelische“ und „katholische“ Passagen. „Jede Zeit muss ihre Textstellen finden“, so der Theologe. So könne sich der Text für Teilnehmer des Krieges, die in Gefangenschaft waren, ganz anders erschließen als in friedlichen Zeiten, und die Bibel könne auch an unterschiedlichen Stellen für Menschen wichtig werden. „Damit die Bibel allerdings nicht nur pure Nachricht bleibt, sondern wichtig wird, dafür braucht es den Heiligen Geist“, so Zehntgraf.
Dekan Mathias Moos, der zu Beginn des Gottesdienstes auch die katholischen Christen herzlich begrüßt hatte, freute sich nach der Predigt, besonders verdiente Kirchenvorsteher aus dem Dekanat ehren zu dürfen. „166 Jahre Engagement für die Kirchengemeinden stehen hier vor uns“, sagte Moos, als er den 40-jährigen Dienst von Friedrich Clos (Holzhausen), Werner Clos (Marienfels) und Manfred Sopp (Diethardt) sowie den 46-jährigen von Reinhard Römer (Bornich) im Kirchenvorstand ihrer Gemeinde würdigte.
Der Posaunenchor Weyer-Eschbach unter Leitung von Bernd Köhler, der evangelische Kirchenchor Marienfels unter Vassily Kotykov sowie Dekanatskantor Markus Ziegler an der Orgel sorgten für einen feierlich musikalischen Rahmen des Reformationsfestes und der Ehrung. Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Besucher im Dorfgemeinschaftshaus von Marienfels zum Empfang, wo ausgiebig die Gelegenheit genutzt wurde, sich nicht nur über die Bedeutung des Reformationsfestes auszutauschen. (bcm)
Auf dem Ehrungsfoto: Dekan Mathias Moos (links) ehrte im Rahmen des Reformationsgottesdienstes für ihren langjährigen Dienst im Kirchenvorstand ihrer Gemeinde (von rechts): Manfred Sopp (Diethardt), Werner Clos (Marienfels), Friedrich Clos (Holzhausen) und Reinhard Römer (Bornich).
