Das Jahr geht still zu Ende,
nun sei auch still, mein Herz.
In Gottes treue Hände
leg ich nun Freud und Schmerz
und was dies Jahr umschlossen,
was Gott der Herr nur weiß,
die Tränen, die geflossen,
die Wunden brennend heiß.
RHEIN-LAHN. (31. Dezember 2015) Laute Böller am Ende dieses Jahres? Einem Jahr, in dem es Explosionen waren, die unsere Welt in Angst und Schrecken versetzt haben? Es mag befremdlich anmuten, wenn in der heutigen Nacht auf solche Weise das neue Jahr begrüßt wird. Aber in den Feuerwerken am Himmel spiegelt sich auch die Hoffnung der Menschen auf eine bessere Zukunft wieder.
2015 hat die Welt verunsichert und nachdenklich gestimmt, sei es durch die Terroranschläge in Frankreich, sei es durch Millionen Menschen, die vor Verfolgung, Krieg, Elend und Hunger auch in unserem Land Schutz suchen und sich eine positivere friedliche Zukunft erhoffen. Krieg, Terror und Flüchtlingsnot sind nicht neu, auch nicht im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber das Elend der Welt berührte uns 2015 dank der medialen Präsenz wesentlich deutlicher als in den Jahrzehnten zuvor, beeinflusst unsere Gefühle, steigert unsere Angst vor der Zukunft.Vielleicht können die Feuerwerke da mehr als in Vorjahren auch ein Ausdruck der Hoffnung auf eine bessere Welt sein.
Dazu kommen die persönlichen Erfahrungen eines jeden Menschen, traurige wie freudige. Der letzte Tag im Jahr lässt jeden Mensch auf andere Erlebnisse zurückblicken. Und der Blick ins neue Jahr 2016 mag in jedem Herzen mit anderen Fragen verbunden sein. Ein Wunsch steht fürs neue Jahr bei den Deutschen als kostbarstes Gut ganz oben, wie eine heute veröffentlichte Studie der Stiftung für Zukunftsfragen der British American Tobacco zeigt: Zeit. Der Studie zufolge wünscht sich die Mehrheit der Deutschen im Jahr 2016 vor allem mehr Zeit für sich selbst, für Freunde und für die Familie. Mehr über die Studie lesen Sie hier in der kommenden Woche.
Mit den folgenden Versen der bereits oben zitierten Lieddichterin Eleonore Fürstin von Reuss, die sich in all ihren Fragen vom christlichen Glauben getragen weiß, wünscht Ihnen die evangelische Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn ein friedliches, gesundes und gesegnetes Jahr 2016, das Ihnen eine erfüllende und sinnvoll genutzte Zeit bescheren möge.
Ihr Bernd-Christoph Matern
Warum es so viel Leiden,
so kurzes Glück nur gibt?
Warum denn immer scheiden,
wo wir so sehr geliebt?
So manches Aug gebrochen
und mancher Mund nun stumm,
der erst noch hold gesprochen:
du armes Herz, warum?
Dass nicht vergessen werde,
was man so gern vergisst:
dass diese arme Erde
nicht unsre Heimat ist.
Es hat der Herr uns allen,
die wir auf ihn getauft,
in Zions goldnen Hallen
ein Heimatrecht erkauft.
Hier gehen wir und streuen
die Tränensaat ins Feld,
dort werden wir uns freuen
im sel’gen Himmelszelt;
wir sehnen uns hienieden
dorthin ins Vaterhaus
und wissen’s: die geschieden,
die ruhen dort schon aus.
O das ist sichres Gehen
durch diese Erdenzeit:
nur immer vorwärts sehen
mit selger Freudigkeit,
wird uns durch Grabeshügel
der klare Blick verbaut,
Herr gib der Seele Flügel,
dass sie hinüberschaut.
Hilf du uns durch die Zeiten
und mache fest das Herz,
geh selber uns zur Seiten
und führ uns heimatwärts.
Und ist es uns hienieden
so öde, so allein,
o lass in deinem Frieden
uns hier schon selig sein.
Eleonore Fürstin von Reuss (1857)
