SINGHOFEN/RHEIN-LAHN. (1. April 2016) Für ein verantwortungsvolleres Einkaufen hat sich die Fastenaktion „7 Wochen mit…“ stark gemacht, zu der das Pfarramt für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Nassauer Land eingeladen hatte. Dazu zählt auch die Vermeidung von Müll. Praktischen Anschauungsunterricht gab der letzte Vor-Ort-Termin der Aktion im Abfallwirtschaftszentrum des Rhein-Lahn-Kreises an der B 260 bei Singhofen. Auch wenn die Fastenzeit vorbei ist: Nachhaltiges Handeln ist das ganze Jahr für eine gerechtere Welt und die Bewahrung der Schöpfung sinnvoll.
"Die Bewahrung der Schöpfung ist uns als Christen ein wichtiges Anliegen“, begrüßte Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung und Initiator der Fastenaktion, eine Konfirmandengruppe aus Singhofen sowie andere interessierte Gäste. Inge Schwantuschke vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises führte die Besucher in Signalwesten über das Gelände und betonte, dass dem Kreis Transparenz wichtig sei, nicht zuletzt, um die Verbraucher dafür zu sensibilisieren, wie sie mit dem von ihnen produzierten Abfall umgehen.
An der ersten Station des Rundgangs, wo Verbraucher selbst ihren Abfall abgeben können, gab es das kleine Einmaleins der Mülltrennung zu erlernen. Sammelbehälter für sperrige Teile, große und kleine Elektrogeräte, Batterien, Druckerpatronen oder auch nicht verbrauchte Arzneimittel können dort in haushaltsüblichen Mengen abgegeben werden.
Dann ging es hinein in die großen Hallen, wo die Restabfälle aus der grauen Tonne angeliefert und vor der Deponierung mechanisch-biologisch vorbehandelt werden. Dabei wird die so genannte
„heizwertreiche Fraktion“ aussortiert und die biologischen Bestandteile werden abgebaut. Nur etwa 50 Prozent des Abfalls, der nicht nur aus dem Rhein-Lahn-Kreis, sondern auch aus benachbarten Kreisen kommt, wird in Singhofen deponiert. Die „heizwertreiche Fraktion“ wird an ein Kraftwerk zur Energiegewinnung geliefert. Ein Blick in die Behandlungsanlage für Bioabfall zeigte, wie aus diesem Kompost oder in Biomassekraftwerken auch Strom werden kann.
Zeit blieb, über die Vermeidung insbesondere von Plastikmüll zu sprechen. Die komplexen gesetzlichen Hintergründe verdeutlichte die Frage, in welche Tonne der Putzeimer gehört. Weil es sich um keine Verpackung handelt, nicht in die gelbe, sondern in die graue Restmülltonne, erfuhren die Teilnehmer. Die Diskussion machte deutlich, dass Abfallentsorgung auch von den wirtschaftlichen Interessen von Firmen sowie von den Bürgern als Konsumenten gelenkt wird.
Schwantuschke und Metzmacher erinnerten dabei an die „Macht der Verbraucher“, die darüber entscheiden, wie viel und welcher Abfall produziert wird. „Es liegt ja an uns, ob wir Blumen in Papier oder Plastikfolie einpacken lassen“, nannte Schwantuschke ein praktisches Beispiel und erinnerte zudem an die Tauschbörse im Internet, die kostenlos ermöglicht, dass Gebrauchtwaren wie Computer, Fernseher, Möbel, Haushalts- oder Gartengeräte angeboten und gefunden werden können und damit länger leben. Und wenn der Einkauf in Stofftaschen, Körben oder einer Klappbox nach Hause transportiert werde, spare das allein im Rhein-Lahn-Kreis Tonnen an Plastikmüll.
Matthias Metzmacher dankte Inge Schwantuschke für die interessante und lehrreiche Führung und viele Anregungen, schon beim Einkauf genauer hinzuschauen, welcher Abfall dabei produziert wird. Metzmacher: „Das war ein sehr lehrhafter Nachmittag, wie Müllvermeidung den Umweltschutz fördert und damit konkret zur Bewahrung unserer Schöpfung beiträgt“. Bernd-Christoph Matern
Infos zur Abfallbeseitigung im Rhein-Lahn-Kreis und der Tauschbörse finden Sie hier .
Infos zur Fastenaktion finden Sie hier .
Zu den Fotos:
Ob Restmüll, Plastik oder Papier – die Fastenaktion „7 Wochen mit…“ machte im Abfallwirtschaftszentrum des Kreises in Singhofen deutlich, wie viel Müll die Menschen produzieren und wie sie ihn richtig trennen oder ganz vermeiden können. Fotos: Bernd-Christoph Matern
