Friedens-Austausch f?r Jugendliche auf neutralem Boden

RHEIN-LAHN. Das Goethe-Gymnasium in Bad Ems wird nach den Ferien zum Ort eines internationalen Friedensaustauschs für Jugendliche. Dort treffen sich erstmals jeweils acht deutsche, israelische und palästinensische Jugendliche zu einem gemeinsamen Projekt. „Der Austausch soll ein Friedenskeimling zwischen Juden und Palästinensern werden“, erklärt der evangelische Schulpfarrer Dr. Holger Delkurt. „Gleichzeitig soll er der Versöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Juden dienen.“

„Die deutsch-israelische Gesellschaft in Bonn sorgt für einen sehr regen Austausch zwischen deutschen und israelischen Schülern“, erklärt Delkurt. Daraus hätten sich immer wieder bleibende Kontakte entwickelt. Dass von der Beteiligung arabischer Jugendlicher auch das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen profitiere, hätten dort vergleichbare Projekte gezeigt. „Die Begegnung auf neutralem Boden war Ausgangspunkt für Friedensprojekte in Israel“, so Delkurt. Der Dreier-Austausch in Bad Ems ist ebenfalls mit dieser Hoffnung verknüpft. „Auch die Araber sollen ein Bild von der Aufarbeitung deutsch-jüdischer Geschichte bekommen“, erklärt Delkurt.

Auf arabischer Seite sei der Andrang sehr groß gewesen, an dem 14-tägigen Projekt teilzunehmen. „Es ist für viele eine einmalige Gelegenheit, einmal aus der Krisenregion herauszukommen und eine andere Kultur kennen zu lernen.“

Ein Schwerpunkt des Austauschs unter den 24 Jugendlichen wird sich mit der unantastbaren Würde des Menschen befassen. „Wir beschäftigen uns etwa mit der Rettung Behinderter aus den Heimen Scheuern vor einer Deportation nach Hadamar, werden die Heime Scheuern besuchen und über das Schicksal ihrer Bewohner in der Zeit der NS-Diktatur reden“, erzählt Delkurt. „Da geht es um Menschenwürde und Zivilcourage.“ Werte als Orientierung fürs Handeln sollen entwickelt und auch eine entsprechende Resolution erarbeitet werden.

Drei Tage werden die Jugendlichen in Brüssel verbringen, Gedenkstätten von Muslimen und Juden aufsuchen und mit einem Vertreter der EU-Kommission über den Nahostkonflikt diskutieren. In Bad Ems ist schließlich eine Begegnung mit Johannes Gerster, dem Vorsitzenden der deutsch-israelischen Gesellschaft und langjährigen Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem vorgesehen, an der alle rund 300 Goethe-Schüler der Oberstufe teilnehmen. Unterstützt wird das Projekt von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Ems, von Pfarrer Achim Weber und Armin Wenzel vom Lehrer-Kollegium.

„Das ist ein Stück Friedenserziehung“, erklärt Schulleiter Dr. Wolfgang Schwarz. Im Kollegium habe es für das Projekt ungeteilte Zustimmung und Unterstützung gegeben. „Wo es da unten bombt und kracht, merken die Schüler, dass es auch anders geht.“ Mit Spannung werden die Gäste auch von den Goethe-Schülern erwartet, die an dem Austausch teilnehmen. „Israel ist ein interessantes Land“, sagt etwa Eva Stubenrauch, warum sie beim Projekt dabei sein will. Sie möchte wissen, wie jüdische Jugendliche etwa die NS-Zeit bewerten. Dass sich Araber und Juden gemeinsam nach Deutschland auf den Weg machen und sie die Möglichkeit hat, Jugendliche aus diesen Kulturen kennen zu lernen, hat auch Lena Ibach animiert, sich für das Projekt anzumelden. „Es ist eben ein Unterschied, ob man nur voneinander liest und über die Medien übereinander etwas erfährt oder ob man miteinander spricht“, freut sich auch Madeleine Roscher auf die Gäste aus Nahost in Bad Ems. (bcm)

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