Heilig Abend 2020: Heut schließt er wieder auf die Tür zum Paradies

Advent im Nasssauer Land – 24. Tür

RHEIN-LAHN. (24. Dezember 2020) Heute öffnet sich wieder ein Türchen am Adventskalender mit persönlichen Gedanken von Dekanin Renate Weigel:

Lobt Gott ihr Christen allegleich

Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradies… EG 27,6

Ei so kommt und lasst uns laufen, stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet; schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.    EG 36, 6

Es gibt keinen schöneren Weihnachtsbaum für mich als den meiner Kindheit in der Dorfkirche. Er war riesig und dicht mit Lametta behängt, das die Küsterin zuvor Faden für Faden sorgfältig über die Zweige gelegt hatte. Dazu Strohsterne und Kerzen. Der Altarraum strahlte. Das Paradies tat sich auf. Die Lieder und die bekannte Geschichte im Gottesdienst und schließlich reichlich Geschenke zuhause– auch letzteres gehörte zu der ganz besonderen Zaubermischung des Heiligabends. Nicht einer der anderen Abende im ganzen übrigen Jahr glich diesem.

Mit dem Älterwerden kam die Erfahrung von Störungen an Heiligabend dazu. Der Weihnachtsbaum war gar nicht mehr so groß. Es herrschte schon mal dicke Luft, ich spürte den Zauber nicht, irgendetwas lag quer.

Und dann die vielen Jahre, seit denen ich Gottesdienste gestalte an Heiligabend: Krippenspiele, Vespern, Christmetten. Und „nebenbei“ versuche, ganz für die Familie da zu sein mit allem was dazu gehört: gutes Essen, schöne Atmosphäre, Geschenke. – Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage darauf können eine Pfarrerin die ganze Kraft kosten.

Ich will das alles nicht missen. Aber ich weiß heute auch, dass ich nicht ankomme im Geschehen der Weihnachten, wenn ich mir nicht still Zeit nehme. Gott wird Mensch. Das ist die beste Botschaft aller Zeiten! Das ist ein großes Geheimnis… Gott in der Krippe. Gott in meinem Herzen. Christus in einem Stück Brot. Wir der Leib Christi. Und dieses Geheimnis der Kleinheit Gottes gehört in den Alltag, in unsere Gemeinschaft, in das „wie es ist“. Gott wohnt im „wie es ist“.

Mit der Geburt des Kindes setzt sich Gott dem menschlichen Alltagsgeschehen aus. Werden wir ihm darin nachfolgen? Und was bedeutet das? Denn Weihnachten wird auch in diesem Corona-Jahr sein – wie es ist.

Dekanin Renate Weigel

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