DIEZ. Der Herzinfarkt gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Zum Auftakt der „Pflegewerkstatt“, die vergangene Woche in der kirchlichen Sozialstation des evangelischen Dekanates Diez ihre Pforten öffnete, sprach Professor Dr. Jörg Kreuzer von der Abteilung Kardiologie und Intensivmedizin am St. Vincenz Krankenhaus in Limburg vor einer interessierten Zuhörerschaft über Behandlung und Vorbeugung der Erkrankung.
Kreuzer erläuterte mit Projektionen, was genau passiert, wenn ein verschlossenes Blutgefäß dafür sorgt, dass das Herz nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Die Folgen: Das Absterben betroffener Herzmuskelanteile, gefährliche Rhythmusstörungen und sehr häufig der Tod. Der Mediziner machte Mut, bei einem Verdacht auf einen Infarkt sofort einen Arzt aufzusuchen und nicht erst abzuwarten, ob die Beschwerden wieder vergehen.
Vor dem Infarkt sende der Körper oftmals Warnzeichen aus. Symptome könnten häufig ein Druck hinter dem Brustbein oder Schmerzen im linken Arm sein. Zur Vorbeugung zähle auch die Minimierung der Risikofaktoren: Hohe Cholesterin-Werte, familiäre Belastung, Bewegungsmangel, hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen oder Übergewicht. „Den Lebensstil zu ändern, ist allerdings ungeheuer schwierig“, so Kreuzer, gerade in einer Zeit, die zwar ausreichend Essen beschere, Bewegung aber weitgehend durch Rolltreppen und elektronische Entwicklung verbannt habe. Meistens handele es sich auch nicht nur um einen Risikofaktor, sondern um mehrere. „Die potenzieren sich dann“, so der Referent.
Aber selbst über 70-Jährige könnten ihr Herzinfarktrisiko durch Bewegung noch um 36 Prozent reduzieren. Manches Risiko könne auch leicht medikamentös eingedämmt werden. Dabei sei die vermeintliche Fülle von Tabletten, die ein Infarktpatient einnehmen müsse, mehr subjektiv bedingt. „Die Wirkstoffe liegen im Milligrammbereich.“ Es gebe Überlegungen, mehrere Wirkstoffe in einer Tablette unterzubringen. „Eine Tablette mit sieben Wirkstoffen nimmt man eher als sieben einzelne.“
Eindringlich rief Kreuzer auch dazu auf, sich mehr Kenntnisse über den eigenen Körper anzueignen. „Wir wissen, wie viel Zylinder unser Auto hat, kennen aber oft nicht unsere Cholesterin-Werte, was viel wichtiger wäre“, so Kreuzer. „Aber den sollte jeder kennen.“ Das Risiko Übergewicht werde über den Body-Mass-Index (Körpergewicht geteilt durch die quadrierte Körpergröße) bestimmt, der im Normalfall zwischen 20 und 25 liegt. Um positiv der Erkrankung vorzubeugen, gab Kreuzer zum Abschluss noch einige Tipps: Viel nicht frittierter Fisch sowie Obst und Gemüse essen, tierische Fette reduzieren, regelmäßige (drei Mal 30 Minuten pro Woche) Bewegung und nicht rauchen.
Beim nächsten Vortragsabend in der Pflegewerkstatt geht es am Dienstag, 3. April, um den Einsatz osteuropäischer Haushaltshilfen in Haushalten mit Pflegebedürftigen. Nähere Informationen zur Pflegewerkstatt und Vereinbarungen für individuelle Beratungen gibt es unter Telefon 06432/91980. (bcm)
