LAHNSTEIN/RHEIN-LAHN. (1.Dezember 2010) Er kennt die Jakobswege wie kaum ein Anderer: Franz-Josef Höflich aus Lahnstein, Vizepräsident und Pilgerbeauftragter der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland. Er war kompetenter Referent zum Abschluss der Ausstellung „Auf dem Jakobsweg“. Zwei Wochen lang hatte Matthias Metzmacher, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, mit ihr im Veranstaltungsraum des evangelischen Dekanats Nassau auf die wieder modern gewordene Form religiöser Einkehr aufmerksam gemacht.
Es waren sicher weit mehr als 10.000 Kilometer, die Höflich bereits per Pedes auf den Spuren des Heiligen Jakobus zurückgelegt hat. Schon dreimal hat er allein den französischen Camino beschritten. „Man kann ja den Leuten nichts erklären, wenn man sich nicht selbst auskennt“, sagt der Pilger-Experte. Fotografien von dieser Strecke, aber auch des Camino del Norte, des Pfälzer und des Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweges wurden in der Ausstellung unter anderem gezeigt. Und natürlich ist Höflich auch auf diesen schon unterwegs gewesen.
Empfehlungen für eine ganz bestimmte Route hat er allerdings nicht, „jede hat ihren eigenen Reiz.“ Eine Frage, die er allerdings oft gestellt bekommt, ist die nach der Fitness, die Menschen für eine Pilgertour mitbringen müssen. Da hat er nicht nur für das sehr interessierte Publikum, das die Finissage in Lahnstein besuchte, eine ganz praktische Prüfung: „Wer den Lahn-Camino zwischen Diez und Obernhof in einer Tagestour schafft, dem muss auch vor der spanischen Route nicht bange sein.“ Auch dort gebe es Steigungen, „aber die sind nicht extremer als die an der Lahn“.
Ganze Bücher könnten die Erlebnisse seiner Pilgerreisen füllen, alle würden sie die gleiche Überschrift tragen: „Pilgern verbindet!“ Das ist für ihn die wichtigste Erkenntnis seines jahrelangen Engagements. Dabei spielt es für ihn auch keine Rolle, welcher Religion oder aus welchen Gründen sich ein Mensch auf den Weg begibt. „Der Herrgott spielt für mich sowieso keine Rolle“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht, „er ist für mich der Regisseur.“
Zwei besondere Buchempfehlungen hat Höflich dann doch parat: „Weglaufen ist nicht“ und „Dem eigenen Leben auf der Spur“ von Felix Bernhard. „Was er geleistet hat, verdient höchsten Respekt“, urteilt Höflich über den nach einem Unfall gelähmten Autor, dessen Publikationen neue Perspektiven aufs Leben eröffnen. An Felsen, die Höflich selbst mit leichtem Fuß hinter sich ließ, habe der Mann im Rollstuhl ein bis zwei Stunden gebraucht, um sie zu überwinden. Auch vor Radpilgern zieht Höflich den Hut. „Die brauchen stets einen wachen Geist, während die Fußgänger ihren Gedanken nachhängen können.“ Eine Ausstellung und ein Abend, die bei allen Besuchern sicher Lust auf mehr pilgernde Wanderschaft weckten. Bernd-Christoph Matern
