Klimawandel: Kleine Schritte gegen globales Problem

thumb_1jugendprojektkleinRHEIN-LAHN. Die Themen Klimawandel und interreligiöser Dialog standen im Mittelpunkt eines Gesprächs des Bundestagsabgeordneten Josef Winkler (Bündnis 90/Die Grünen) mit Vertretern der evangelischen Kirche in der Region. Winkler, kirchenpolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion, besucht zurzeit unter dem Motto „Grün trifft Kirche“ mehrere Bundesländer, um neben dem Kontakt zu evangelischer und katholischer Gesamtkirche auch den zur kirchlichen Basis in den Kirchengemeinden zu pflegen.

In der Heimatstadt des Politikers Bad Ems stellte Gemeindepfarrer Achim Weber dem Gast aus Berlin die kleine Solaranlage auf dem Dach des Pfarrhauses vor, mit dem das Brauchwasser erwärmt wird. „Wahrlich nichts besonders“, erklärte Weber. Zurzeit werde außerdem untersucht, inwieweit das heiße Wasser aus dem Emser Stollen genutzt werden könne, um die kirchlichen Gebäude rund um die Kirchgasse zu beheizen.

Dass es beim Klimaschutz auch auf viele kleine Schritte ankomme, belegte der Referent für Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche an Rhein und Lahn, Bernd-Christoph Matern mit einer Reihe von Beispielen aus der Region. „In den drei evangelischen Rhein-Lahn-Dekanaten gibt es etwa 60, innerhalb der Landeskirche etwa 1000 Pfarrhäuser, die die Sonnenenergie dazu nutzen könnten, ihr Wasser zu erwärmen.“ So wie das unter anderem etwa in Bad Ems, Altendiez oder Singhofen getan werde.

Gemeindehäuser (in den Rhein-Lahn-Dekanaten gibt es davon 40, EKHN-weit etwa 1300) böten eine ideale Fläche für die Nutzung von Photovoltaik. Auch die Dachflächen der evangelischen Kindertagesstätten (35 gibt es in der Region, rund 500 auf Ebene der Landeskirche) böten Platz dazu. Im Herbst erhalte etwa der Kindergarten Lorch/Ranselberg eine solche Anlage, im nächsten Jahr das Gemeindehaus in Miehlen. Auch der Bezug von umweltfreundlichem Ökostrom, wie ihn die evangelische Kirchengemeinde Nastätten für Gemeindehaus, Pfarrhaus, Kleiderkammer, Kirche sowie die Kapellen in Buch und Oelsberg nutze, fördere regenerative Energiequellen, so Matern.

Und schließlich könne auch durch Umbaumaßnahmen wie in der evangelischen Kirche in Hömberg Energie gespart werden. „In der Kapelle wurde ein Raum unter der Empore abgetrennt, so dass bei Gruppentreffen von Chören und Konfirmanden nicht mehr die ganze Kirche geheizt werden muss.“ Außerdem müsse auch die Nutzung von Kirchendächern für die Solarenergie kein Tabu-Thema bleiben. „Dort kommen die Kirchengemeinden meist mit dem Denkmalschutz in Konflikt.“ Matern wies außerdem auf Stellungnahmen und Engagement in Sachen Umweltschutz der Landeskirche und der Profilstellen und des Zentrums „Gesellschaftliche Verantwortung“ hin. Wenn es die Politik mit dem Klimawandel Ernst meine, müsse sie aber auch entsprechende Gelder in die Forschung investieren, um etwa Energiebilanzen und Speicherfähigkeiten regenerativer Anlagen zu verbessern.

Für Josef Winkler seien stadt- und ortsbildprägende Gotteshäuser nicht die erste Wahl bei der Nutzung von Solarenergie, auch wenn sie durch ihre Ausrichtung ideal platziert seien. „Dass würde die Akzeptanz der Technologie eher in Frage stellen.“ Zumal es noch viele Gemeindehäuser gebe, die dafür geeignet seien.

Am Nachmittag stellten Schüler des Bad Emser Goethe-Gymnasiums dem Grünen-Sprecher für interreligiösen Dialog ein von der Kirchengemeinde unterstütztes Begegnungsprojekt zwischen deutschen, arabischen und jüdischen Schülern vor. Acht Israelis eines palästinensischen, acht eines jüdischen Gymnasiums verbrachten zwei Wochen bei deutschen Schülern im Rhein-Lahn-Kreis, um über Zivilcourage und Menschenrechte zu diskutieren und zu forschen.

Die Schüler arbeiten derzeit noch an der Auswertung der Begegnung, insbesondere was die Forschung nach einem Bürger anbelangt, der sich im Dritten Reich für einen Bewohner der Heime Scheuern eingesetzt hatte und ihm damit eine Ermordung in der Tötungsanstalt Hadamar erspart hatte. Winkler zeigte sich beeindruckt, dass der Austausch für neue Kontakte zwischen Arabern und Juden in Israel gesorgt habe, wie die betreuenden Lehrer Dr. Holger Delkurt und Armin Wenzel sowie die beiden Schüler Lea Zerbach und David Abt berichteten.

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