RHEIN-LAHN/NASSAU. Die Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern hatten doppelten Grund zum Feiern. Zum einen besteht die „Langauer Mühle“, Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), 25 Jahre und zum anderen feierte man 20 Jahre „Tagesförderstätte“. Die Arbeit in der WfbM und der Förderstätte wurden jetzt in einem Festakt gewürdigt, zu dem viele Gäste gekommen waren.
Die Geschichte der „Langauer Mühle“ begann nicht erst vor 25 Jahren, sondern bereits im Jahr 1888, als der Vorstand der „Anstalt Scheuern“ dieses Gebäude am Eingang des Mühlbachtals erwarb. In den folgenden Jahrzehnten diente es als Wohn- und Arbeitsstätte für ältere Bewohner der Anstalt, die überwiegend im Feld, Garten, Hof und Werkstatt arbeiten. Der Mahlbereich und die hauseigene Bäckerei bildeten dabei einen Schwerpunkt. Im Jahr 1977 wurden die Arbeitsbereiche der Heime Scheuern, offiziell als „Werkstatt für Behinderte“ (WfB) staatlich anerkannt.
Seither sind sie eine wirtschaftlich selbstständige Einrichtung innerhalb der Stiftung. Zwei Jahre später wurde die alte „Langauer Mühle“ abgerissen und an gleicher Stelle ein neues, modernes Werkstattgebäude errichtet. Dieses entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren zu einem modernen Werkstattverbund, der Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz gibt. Heute ist die Werkstätte für behinderte Menschen ein längst ernstzunehmendes Wirtschaftsunternehmen und Partner der Industrie geworden, der sich mit einer enormen Leistungsvielfalt und Professionalität in den verschiedensten Bereichen präsentiert.
Mit Stolz blickt man auch auf 20 Jahre „Tagesförderstätte“ zurück, die seit der Gründung Menschen mit schwersten Behinderungen betreuen, die nicht imstande sind, in der Werkstatt für Behinderte zu arbeiten. Diesen Menschen öffnet die Tagesförderstätte einen so genannten „zweiten Lebensraum“, also eine ganzheitliche Förderung zur Lebensgestaltung. Derzeit nehmen über 200 Bewohnerinnen und Bewohner der Heime Scheuern als auch Menschen, die zuhause wohnen, dieses Angebot wahr.
Dort lernen sie in Kleingruppen und in der Einzelförderung erwachsenen-adäquate Handlungsabläufe und erleben, wenn auch oft in Ausschnitten, die Lebenswirklichkeit. Einer der Besucher des Jubiläumsfestes sagte: „25 Jahre im sozialen Auftrag und dennoch betriebswirtschaftlich arbeitend, wie es die Werkstatt für behinderte Menschen der Heime Scheuern tun, dass ist eine Leistung, die beachtlich ist. Ebenso sind die Leistungen der Tagesförderstätte zu würdigen, die sich seit 20 Jahren den schwerst behinderten Menschen annehmen“.
Damit diese beiden Jubiläen so richtig gefeiert werden konnten, boten die Heime den Gästen nach dem Gottesdienst und den Grußworten bei einem „Tag der offenen Tür“, ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Live-Musik, Werkstatt-Rallye, Mitmach-Spielen und eine große Schlemmergasse an. Text und Fotos: Achim Steinhäuser
