
Medienprofi propagiert klare Grenzen bei Mediennutzung für Kinder
Zwischen zwei Welten: Wilfried Brüning warnt in Bad Ems vor Suchtpotenzial und Wisch-Kompetenz
BAD EMS. (29. November 2018) „Wenn wir Kinder stark machen wollen, braucht es einer Ausbildung ohne digitale Medien.“ Das war nicht der einzige herausfordernde Rat, den der renommierte Medienpädagoge und Filmemacher Wilfried Brüning in der Freiherr-vom-Stein-Grundschule in Bad Ems vielen interessierten Eltern und Pädagogen gab. Die fünf Kindertagesstätten und die beiden Grundschulen der Kreisstadt hatten zu dem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag Brünings und dessen Frau Astrid eingeladen. Das Motto: „Zwischen zwei Welten – Kinder im medialen Zeitalter“.
Für seine Eingangsthese hatte Brüning kompetente Referenzen. So würden Eltern im Silicon Valley, also der amerikanischen Herzkammer des digitalen Fortschritts, ihre Kinder in der Regel auf Waldorf-Schulen schicken, wo die sinnliche und nicht die virtuelle Wahrnehmung im Mittelpunkt steht. Menschen wie Bill Gates (Microsoft) oder der verstorbene Steve Jobs (Apple) hätten ihren Kindern nicht mal den Besitz eines Smartphones erlaubt, geschweige denn die Nutzung von Spielen, die ihre milliardenschweren Konzerne entwickeln.
Wie Jobs bei seinen Kindern plädiert auch Brüning für eine kontrollierte Bildschirmmedienzeit. „Wer begrenzt, macht alles richtig“, so der Referent, der als Vater theatralisch zeigte, dass er wohl weiß, mit welchen Auseinandersetzungen das verbunden sein kann. Aber dies sei die beste Voraussetzung, im „4.0-Zeitalter“ zu bestehen und Herr oder Frau über digitale Medien zu sein und sich nicht in ihnen zu verlieren. Verständlich sei, wie schwierig das falle, denn es fehle noch an einer klaren Haltung, einem Konsens zur Begrenzung in der Gesellschaft. „Sie und ich gehören zu den ersten Eltern, die das machen sollen.“ Eltern aber, die stolz rühmten, in welch jungem Alter ihre Kinder schon mit dem Smartphone umgehen können, bescheinigte er: „Zweijährige mit Smartphone bekommen Wisch-Kompetenz, sonst nichts“.
Immer wieder machte das Referenten-Paar – auch humorvoll und unter Einbeziehung der Anwesenden – anschaulich deutlich, welche Gefahren die unkontrollierte Mediennutzung birgt, wie sie die Konzentrationsfähigkeit senkt und welche natürlichen Suchtmechanismen des Menschen beispielsweise in Gang gesetzt werden können, die gerade Kindern in ihrer Entwicklung Schäden zufügen. „Nein, ich kaufe dir kein Nintendo, aber eine Flasche Whiskey kannst du haben“, machte Brüning drastisch deutlich, dass Videospiele mindestens ebenso große Suchtgefahr bergen wie der Alkoholkonsum. Virtuelle und reale Lernerfolge könne ein Kind nicht unterscheiden; das sei der Grund für Kategorisierungen in leichte, mittlere und schwierige Computer-Spiele: „Jeder wird belohnt.“
Bei aller Warnung vor unkontrolliertem Medienkonsum des kleinen und jungen Nachwuchses – ums Verteufeln ging es den Beiden nicht. Die Referenten erinnerten vielmehr unter der Devise Begrenzen und Erlauben an die positiven Aspekte neuer Medien wie Hörspiele, Musik, der Recherche im Internet oder auch, um Kreativität zu fördern. „Wenn das Kind als Paparazzi mit der Kamera 500 Bilder von Omas Geburtstag macht, wird die Medienkompetenz geschult“, warb Astrid Brüning dafür, Kindern neue Medien als ein Werkzeug zugänglich und begreifbar zu machen.
Eingeladen zu dem informativ bereichernden Abend hatten die Freiherr-vom-Steinschule, die Ernst-Born-Schule sowie die städtischen, kirchlichen und privaten Kindertagesstätten Eisenbach, Arche Noah, St. Martin, „Play and Fun“ und Haus Maria Anna. Bernd-Christoph Matern
Zu den Fotos:
Auf die Suchtgefahr und die negativen Folgen unkontrollierten Medienkonsums für die Entwicklung von Kindern machten Wilfried und Astrid Brüning in Bad Ems aufmerksam. Dabei wurden die Anwesenden immer wieder mit einbezogen, um menschliche Verhaltensschemata und Hirnfunktionen zu demonstrieren. Fotos: Matern
