Mit der Drohne übers Nassauer Land zum Stall von Bethlehem

Evangelische Kirchengemeinden Dausenau und Hömberg-Zimmerschied drehen mit viel Herzblut Video-Gottesdienst für Heilig Abend

RHEIN-LAHN. (21. Dezember 2020) Die Begeisterung steht den Akteuren ins Gesicht geschrieben: ein siebenköpfiges Technik-Team sorgt dafür, dass es in den evangelischen Kirchengemeinden Dausenau und Hömberg-Zimmerschied ein Krippenspiel zu sehen gibt, ganz egal wie viele Personen Corona-bedingt in die Kirchen dürfen. Mit Kameras, Computern und Mikrofonen waren sie in allen drei Ortschaften des Kirchspiels unterwegs, um die Weihnachtsgeschichte nebst Musik und Segensworten in Szene zu setzen, die dann ab Heilig Abend im Internet zu sehen sein wird.

„Achtung! Ruhe bitte!“, klingt die klare Ansage vor dem Eingang des Dausenauer Gotteshauses. Kein Knirschen mehr im Kies vor der Kastorkirche will der Kameramann hören. Drei Gelehrte stehen am Eingang auf der Suche nach dem Krippenkind. Es ist sehr kalt und nieselt leicht, auch bei der vierten Aufnahme. Doch Darsteller und Kamera-Team drehen geduldig weiter, bevor es später auf der Galerie in der Kirche für die nächste Filmszene weitergeht. „Wir wollten, dass der Heilige Abend ein bisschen so wie immer ist“, erzählt Jutta Becker aus Hömberg, warum alle mit so viel Herzblut und Geduld bei der Sache sind und keine Mühen, Kilometer, Wind und Wetter sowie jede Menge Zeit scheuen, bis alle Szenen „im Kasten“ sind, von der umfangreichen Vorbereitung und dem aufwändigen Schnitt des Materials ganz zu schweigen.

Becker hat das außergewöhnliche Krippenspiel zusammengestellt und das Drehbuch geschrieben. Seit 15 Jahren studiert die Hömbergerin die konventionelle Form mit Kindern ein. Aber diesmal ist die Sache nicht nur aufgrund der Technik viel komplexer und etwas anders. „Hier wollen alle ihre Sache natürlich besonders perfekt machen, wenn man das später immer wieder sehen kann und nicht nur in der Kirche einmal aufführt“, sagt die ehrenamtliche Regisseurin. Das gehe den Kindern genauso wie den Erwachsenen, für die ganz nebenbei einige Kostüme passend verlängert wurden.

Allein für die Dreharbeiten waren mehrere Tage angesetzt: Szenen wurden nicht nur in der Kastorkirche gedreht, sondern auch in Zimmerschied am Gefrierhaus und in der Alten Schule, in Hömberg in und um die Kirche herum sowie nicht zuletzt in der historischen Dausenauer Ortsmitte, um die (vergebliche) Herbergssuche von Maria und Josef etwa im aufgrund von Corona derzeit geschlossenen Traditionslokal „Zum Schiefen Turm” zu zeigen. Für die Hauptfiguren gab’s in Hömberg sogar einen echten Esel, auf dem sie durch Felder und Wiesen Richtung Herrenlay zogen. „Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir mit Drohnen über unsere drei Orte fliegen, um einen Krippenspiel-Film zu drehen“, wundert sich Becker selbst über das Tempo, mit dem die neue Form der Weihnachtsgeschichte auf die Beine gestellt wurde. Und weil die Geburtsgeschichte Jesu in Bethlehem mitten durch die heimischen Orte verläuft, kommt sie den Zuschauern noch etwas näher als allein in den Kirchen. Mit allen Darstellern und dem rührigen Technik-Team, das mit Feuer und Flamme sein umfangreiches Equipment zur Verfügung stellte, ist sie nun aufs Endergebnis sehr gespannt.

Über das motivierte Team und die Darsteller im Alter von vier bis 79 Jahren freuen sich Heidi Jung vom Kirchenvorstand und Gemeindepfarrer Stefan Fischbach ganz besonders. Erste Probeläufe für die digitale Verkündigung gab es bereits im Sommer zur Konfirmation und zuletzt im September zur Einführung der neuen Konfi-Gruppe. Nicht nur aus den ersten Online-Gehversuchen lernte die Gemeinde. Fortbildungen, die das Evangelische Medienhaus der Landeskirche per Videokonferenz anbot, wurden genutzt, um mehr über die digitalen Möglichkeiten zu erfahren, wie sich das Weihnachtsfest und andere Gottesdienste übertragen lassen. Ein eigener YouTube-Kanal ist jetzt nicht nur das Tor zur Welt, sondern auch zu den heimischen Haushalten und den Menschen, die nicht an den analogen Gottesdiensten teilnehmen können, wollen oder dürfen.

Schon im Frühjahr war Fischbach klar, dass es alternativer Ideen für Heilig Abend braucht, und er war sehr froh, dass Jutta Becker so begeistert darauf ansprang. „Fast 40 Personen stehen vor der Kamera und noch einmal sieben dahinter – das sind schon mehr, als an Heilig Abend nach jetzigem Stand der Corona-Verordnung überhaupt in unsere Kirche dürften“, ist Fischbach begeistert vom ehrenamtlichen Engagement der Film-Crew, um den Leuten ein Stück Weihnachten nach Hause zu bringen. Ganze 40 dürfen derzeit in die Kastorkirche, 25 in die Hömberger Kirche. Unabhängig von der weiteren Entwicklung des Virus: In den drei Ortschaften ist vorgesorgt. In den geplanten Präsenz-Gottesdiensten wird nur das Krippenvideo eingespielt, aber im YouTube-Kanal gibt es dazu noch einen ganzen Gottesdienst zu feiern mit Gesang und Musik von Orgel, Posaunenchor und zwei Querflötenspielerinnen. Die wurden ebenfalls als Video und als Audiodatei vor Ort bereits aufgenommen genauso wie die liturgischen Worte des Pfarrers.

Und noch etwas ist neu: In diesem Heilig-Abend-Gottesdienst kommen mehr Menschen zu Wort als üblich. Bürgerinnen und Bürger aus den Orten verraten nämlich, was für sie zu Weihnachten dazu gehört. Dazu zählt übrigens nicht an erster Stelle der Kirchgang in ein übervolles Gotteshaus, in dem man an Heilig Abend keinen Platz mehr bekommt. Bernd-Christoph Matern

Wer den Heilig-Abend-Gottesdienst zuhause mitfeiern möchte: Er ist ab 24. Dezember in YouTube unter Kirchengemeinden DausenauHömbergZimmerschied zu finden. Als Extra-Video ist dort auch die Weihnachtsgeschichte in gelesener Form abrufbar.

Zu den Fotos:
Mit Herzblut, Eifer und Geduld wurden die Szenen fürs Video des diesjährigen Heilig-Abend von Technik-Team und Darstellern aus Dausenau, Hömberg und Zimmerschied aufgenommen. Fotos: Matern/Becker

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