Mit Medizin, Pflege und Seelsorge Schmerz lindern

thumb_1pwschmerz1RHEIN-LAHN/DIEZ-FREIENDIEZ. Auf die Bedeutung von Schmerztherapie machte jetzt die Pflegewerkstatt der kirchlichen Sozialstation des evangelischen Dekanates Diez aufmerksam. Dr. Peter Schermuly aus Limburg wies in einem Vortrag in der Sozialstation darauf hin, dass der Beseitigung von Schmerzen in Medizin und bei Kostenträgern noch nicht genügend Bedeutung beigemessen werde. Das zeige schon die mangelhafte Berücksichtigung der Schmerztherapie in der Medizinerausbildung.

15 bis 20 Millionen Menschen litten an andauernden Schmerzen, sechs bis acht Millionen seien dadurch stark beeinträchtigt; chronische Schmerzen würden Kosten in Höhe von 20 Milliarden Euro pro Jahr verursachen.

thumb_1pwschmerz3Der Facharzt für Anästhesie erläuterte den Besuchern der Pflegewerkstatt anschaulich, wie Schmerz entsteht, von der verbrannten Hand auf der Herdplatte bis zum Phantomschmerz bei Amputationen oder den Schmerzen von Krebspatienten. Und er zeigte auf, wie aus dem akuten ein chronischer Schmerz werden kann. „Nervenzellen lernen schnell“, so der Mediziner. Wer dann andere körperliche Leiden habe, psychische Probleme oder keine Familie, die ihn auffängt, um den Schmerz auf natürlichem Wege wieder zu verdrängen, laufe stärker Gefahr, unter chronischen Schmerzen zu leiden.

Jeder chronische Schmerz beginne mit einem akuten. Deshalb sei die rasche Schmerzbekämpfung durch die Hausärzte besonders wichtig.

thumb_1pwschmerz2Auch auf die Bedeutung der Palliativmedizin bei Krebspatienten ging Schermuly ein. Ziel bei unheilbaren Krankheiten müsse sein, den Patienten ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung und Würde zu ermöglichen. Krebs sei die zweithäufigste Todesursache in Deutschland, doch die Mehrheit der Betroffenen erfahre keine adäquate Schmerztherapie. Dabei seien die Schmerzen zu 90 Prozent behandelbar, so Schermuly.

Wie bei anderen chronischen Schmerzen sei auch hier eine interdisziplinäre Therapie angezeigt. Zum Einen werde noch zu selten auf die schmerzlindernde Wirkung von Opioiden wie Morphin zurückgegriffen, zum anderen könne auch die psycho- sowie die physiotherapeutische Betreuung Schmerzen lindern. Und nicht nur medizinische Maßnahmen umfasse die Palliativmedizin.

Gerade die Absehbarkeit der Lebenszeit vor Augen verstärke den Schmerz. „Da braucht es einer effektiven Schmerzreduktion und kluger Pflege“, so der Mediziner. Dazu zähle ein gleichberechtigtes Miteinander und ein Austausch von Medizinern, Pflegedienst und Seelsorgern. „Es bedarf zur Linderung der Schmerzen einer ganzheitlichen, fürsorglichen und fantasievollen Pflege.“ Schließlich sei die unzureichende Palliativanwendung der Nährboden für die aktive Sterbehilfe. (bcm)

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