DIEZ. (20. Januar 2016) Mittlerweile zum fünften Mal hatten die Jakobusgemeinde Freiendiez und die Stiftskirchengemeinde Diez zum Dankeschön-Abend für alle ehrenamtlichen Mitarbeiter eingeladen. Pfarrer Ingo Lüderitz und Pfarrerin Maike Kniese freuten sich über den regen Zuspruch und über eine „so volle Kirche wie selten“.
Die beiden Theologen bedankten sich für das vielfältige und beständige Engagement der Ehrenamtlichen in vielen Bereichen der Gemeindearbeit. „Heute ist Dankeschön-Abend für alle
Mitarbeiter der Stiftskirchengemeinde und der Jakobusgemeinde. Und für nette Menschen, die Sie mitgebracht haben. Ohne Sie wäre das Gemeindeleben in den beiden Kirchengemeinden nicht möglich“, betonte Pfarrerin Kniese. Und Pfarrer Lüderitz erwähnte beispielhaft einige Arbeitsbereiche der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Schön, dass Sie immer Kaffee kochen und spülen, immer Tische stellen und aufräumen. Schön, dass Sie singen und musizieren, dass Sie in Gottesdiensten lesen und die Gemeinden leiten. Schön, dass Sie Menschen besuchen und begleiten. Vielen Dank dafür.“
Als Dankeschön gab es einen schönen Abend mit Willibert Pauels, dem „Diaclown“ aus dem Bergischen Land. Pauels, lange im Kölner Karneval aktiv, ist als katholischer Diakon tätig. „Ein Diakon darf die spannenden Sachen nicht machen. Er darf keine Messe lesen und keine Beichte hören. Ein Diakon macht Sachen, die ein Priester nicht macht. Ein Diakon darf heiraten, ein Priester braucht nicht.“
Doch nicht nur Witz und Humor, sondern auch Tiefgang zeigte der weitere Abend, als Willibert Pauels über seine Depressionserkrankung berichtete, die ihn vor einigen Jahren zu einer beruflichen Auszeit zwang. Sein Anliegen, diese Erkrankung, aus der Tabuzone zu holen und über dieses „Volksleiden“ aufzuklären, stieß auf offene Ohren. „Wenn die Bauspeicheldrüse erkrankt ist und kein Insulin mehr produziert, dann nimmt man auch Medikamente und keiner käme auf die Idee einem Diabetiker zu raten, die Tabletten sein zu lassen, weil die Nebenwirkungen schädlich sind.“
Genauso sei es aber auch bei einer Depression: „Die Depression ist auch eine organische Erkrankung, die mit Medikamenten sehr gut behandelbar ist“, so Pauels. Aber nicht nur Medikamente helfen bei einer depressiven Erkrankung, führte Willibert Pauels nach der Pause fort. „Es ist ganz wichtig, die Perspektive zu weiten und einen anderen Blick auf seine gegenwärtige Situation einzunehmen. Jeder Witz ist ein Herausspringen aus der Situation und verändert die Perspektive. Lachen sprengt jede Enge und befreit.“
Und in Anlehnung an die Romanfigur des Pater Brown führte er aus: „Humor ist nichts anderes als eine Erscheinungsform der Religion. Nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln.“ Das beste Beispiel dafür sei der jüdische Witz. Denn keinem anderen Volk sei es so gelungen wie dem jüdischen, gerade weil es immer in seiner Existenz bedroht war, mit Humor eine Distanz in schwierige Situationen zu bringen und eine neue Perspektive einzunehmen.
Pauels illustrierte dies mit einem Witz, der von einer Auseinandersetzung zwischen einem katholischen Priester und einem evangelischen Pfarrer handelt. Beide sitzen gemeinsam mit einem Rabbi in einem Eisenbahnabteil und streiten sich über den Beginn des Lebens. „Das Leben beginnt natürlich mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle.“, so der katholische Priester. „Nein, so einfach ist das nicht!“ entgegnet der evangelische Theologe. „Das Leben beginnt, wenn der Hund gestorben ist und die Kinder aus dem Haus sind.“ meint der jüdische Rabbi.
Vielen der rund 130 Anwesenden tat dieser Abend sichtlich gut. Humor und Tiefgang, nette Begegnungen und die Würdigung ihres Engagements zeigten ihnen, dass ihre Arbeit wichtig ist. „Das war richtig schön, lustig aber auch ernst. Und man konnte sogar noch etwas lernen.“ resümierte eine ältere Mitarbeiterin. Holger Kniese/ Fotos © Bernd Holzhäuser Fotografie
Zu Person Willibert Pauels
Willibert Pauels (60) ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet in Wipperfürth als Diakon. Er ist regelmäßig im Kölner Domradio mit dem „Wort zum Samstag“ zu hören. Nach dem Abitur 1973 studierte Pauels Katholische Theologie in Bonn und Münster, zunächst mit dem Ziel, Priester zu werden. Er arbeitete unter anderem in einem Sägewerk und absolvierte in dieser Zeit eine Ausbildung zum Freizeitpädagogen. 1993 wurde er zum katholischen Diakon geweiht. Im privaten Umfeld, beispielsweise in der Schule und im Freundeskreis, fiel er früh durch seine humoristische, parodistische und schauspielerische Begabung auf. 1975 trat er erstmals auf einer Karnevalssitzung seiner Heimatstadt auf, in den folgenden Jahren dann regelmäßig im regionalen Karneval. Seit 1996 stand er im Kölner Karneval regelmäßig in der Bütt und wurde bald zu einem der bekannteren kölschen Karnevalisten. Seit seiner einer Erkrankung hat Pauels die Anzahl seiner Auftritte deutlich reduziert.
