
Nach Vandalismus Toten die Ehre erwiesen
Blumen und Gebet auf dem Bad Emser Friedhof – Opfern von Hanau gedacht
BAD EMS. (27. Februar 2020) Es war eine kleine Gruppe von einem guten Dutzend Menschen aus Bad Ems und Umgebung, die sich am Wochenende auf dem Parkplatz des Friedhofs in Bad Ems traf. Unbekannte hatten dort in der vergangenen Woche Eingangsbereich, Gedenktafeln und andere Flächen respektlos beschmiert. Insbesondere die Taharahalle wurde mit Sprüchen und Parolen besprüht. Das Gebäude wird derzeit von der Stadt mit Unterstützung von Bürgerstiftung, dem evangelischen Dekanat Nassauer Land und anderen Institutionen saniert.
Schweigend zog die Gruppe zu der jüdischen Trauerhalle. „Wir wissen nicht, wer dahintersteckt. Deshalb soll unser Hauptaugenmerk heute nicht die Untat sein“, sagte Dekanin Renate Weigel. „Wir wollen uns mit denen verbinden und ihnen die Ehre erweisen, derer wir hier gedenken. Wir wollen der Verunreinigung eine Schönheit entgegensetzen, etwas Liebevolles tun.“
Die Gruppe legte 54 Blumen vor die beschmierte Gedenktafel, die an 54 Bürgerinnen und Bürger erinnert, die dem Holocaust zum Opfer fielen. Und mehr Blumen kamen hinzu. „Wir denken an alle auf dem Friedhof in Bad Ems. Der Friede aller, die hier liegen, wurde gestört. Wir denken auch an die Menschen in Hanau“, erinnerte Weigel auch an die Toten, die dort bei einem rassistischen Anschlag ermordet wurden sowie deren Angehörige.
Nach einem Gebet und einem Lied ging die Gruppe wieder auseinander. Die Initiative zu dem Gedenken war von Dekanin Renate Weigel und Elisabeth Knopp, Lehrerin am Goethe-Gymnasium Bad Ems, ausgegangen.
Sachdienliche Hinweise auf die Täter der Schmierereien auf dem Friedhof nimmt die Polizeiinspektion Bad Ems entgegen unter Telefon 02603-9700.
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Blumen statt Graffiti: Der Verunreinigung setzten Teilnehmende eines Gedenkens Liebevolles entgegen. Foto: Reiländer
