FRANKFURT/RHEIN-LAHN. (30. November 2015) Vier Stimmen fehlten, um die Propstei Süd-Nassau im jetzigen Zuschnitt zu erhalten. Als die Landessynode am Wochenende in Frankfurt über die Neuordnung abstimmte, votierten 67 der 133 anwesenden Synodalen gegen den Antrag von Propsteisprecher Dieter Zorbach (Bornich), die von der Kirchenleitung geplante Reduzierung von sechs auf fünf Propsteien zu stoppen; drei Synodale enthielten sich.
Die drei rheinland-pfälzischen Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen, die ab Januar zum Dekanat Nassauer Land verschmelzen, werden damit Ende 2017 der Propstei Rheinhessen mit Sitz in Mainz zugeschlagen. Die bisherige Propstei Rheinhessen wird künftig den Namen „Rheinhessen und Rhein-Lahn“ tragen. Die Propstei Rhein-Main behält zwar ihren Namen, gehört dann mit dem Dienstsitz in Wiesbaden zur ehemaligen Propstei Süd-Nassau mit Propst Oliver Albrecht an der Spitze. Die derzeit zu Rhein-Main gehörenden Dekanate Groß-Gerau, Rüsselsheim, Dreieich und Rodgau werden künftig zu Starkenburg (Darmstadt) zählen. Unverändert blieben die Propsteibereiche Nord-Nassau (Herborn) und Oberhessen (Gießen).
Die Zahl der Argumente und Gegner einer Reduzierung der Propsteien zum jetzigen Zeitpunkt waren während der Aussprache deutlich höher. Dementsprechend enttäuscht zeigten sich die Synodalen der Rhein-Lahn-Dekanate. „Es wurde eine Chance vertan, mit vertrauten Partnern Schritte in die Zukunft zu tun“, kommentierte Dieter Zorbach die Abstimmung. Als Propstei-Sprecher für Süd-Nassau, dem unter anderem auch die im kommenden Jahr ebenfalls fusionierenden Dekanate Bad Schwalbach und Idstein angehören, hatte er vor der Synode erklärt, wie wichtig es zum jetzigen Zeitpunkt wäre, die bewährte Struktur beizubehalten.
Die anstehenden Zusammenlegungen der Dekanate in der Propstei, „die Phase des Umbruchs“, bedürften einer verlässlichen Begleitung, wie sie die Rhein-Lahn-Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen etwa schon in der Vorbereitung der Fusion durch Propst Oliver Albrecht erfahren habe. Die mittlere Ebene der Dekanate sei hier auf eine sichere Prozessbegleitung von der nächst höheren in Zeiten der Strukturveränderung besonders angewiesen. „Wir sollten abwarten, bis sich die Arbeit der neuen Dekanate spürbar und messbar entwickelt hat“, sagte Zorbach vor der Abstimmung über seinen Antrag. Die Zerschlagung der Propstei sei zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv.
„Unsere Kirche lebt von den Regionen“, hatte sich auch Landrat Frank Puchtler als Synodaler für die Beibehaltung ausgesprochen. Der Propst habe als „Mit-Manager“ zur Vereinigung beigetragen. Mit größeren Einheiten bestehe die Gefahr, dass Verbundenheit, Überschaubarkeit, Nähe und Ortskenntnis verloren gehe. „Was mich am allermeisten enttäuscht, ist die Tatsache, dass wir jetzt mit Oliver Albrecht einen tollen Propst verlieren“, erklärte Pfarrer Daniel Cremers aus Flacht, Synodaler des Dekanats Diez; auch er hätte sich nach Pfarrstellenbemessungen und Dekanatsfusion jetzt endlich etwas mehr Ruhe gewünscht, damit sich die neuen Strukturen bewähren können.
„Ich habe in den letzten Wochen und Monaten den Fusionsprozess der drei Dekanate im Rhein-Lahn-Kreis mit viel Herzblut begleitet“, erklärte Oliver Albrecht selbst nach der Entscheidung. „Ich werde alles geben, damit dieser Prozess bis zum Jahr 2017 für alle gut abgeschlossen ist. Hier möchte ich ein besonderes Augenmerk darauf legen, damit das neue Dekanat Nassauer Land dann gut aufgestellt in die Hände von Propst Klaus-Volker Schütz übergeben werden kann.“
Mehr Ruhe und auch inhaltlich durchdachte Konzepte für neue Propsteigrenzen hätte sich auch Pfarrerin Yvonne Fischer aus Friedland (Dekanat Nassau) gewünscht. „Gerade die Begleitung der Pfarrerschaft ist angesichts der vielen strukturellen Umwälzungen wichtiger denn je“, so die Theologin, die fürchtet, dass dies in einer so großen Propstei kaum noch so umfassend möglich ist, wie sie es zuletzt mit Oliver Albrecht erlebt hat. Nach 24 Jahren als Synodaler der Propstei Süd-Nassau tat auch Helmut Fischer aus Braubach die Entscheidung etwas weh. „Aber das ist nun mal so bei demokratischen Entscheidungen; das muss man hinnehmen.“
In der dritten Lesung wurden die formellen Details des Gesetzes am Freitagabend noch einmal heftig debattiert, was aber am Endergebnis nichts änderte: Am Ende stimmten ihm bei zwei Enthaltungen und 59 Gegenstimmen 67 Synodale zu. Bernd-Christoph Matern
Ausführliche Berichte über die Beschlüsse der Synode, die unter anderem den Haushalt beschloss sowie die Unterstützung von Flüchtlingshilfen mit 21 Millionen Euro finden Sie hier.
Vor der Abstimmung über den Antrag, es bei sechs Propsteien zu belassen, hatten die Rhein-Lahn-Synodalen noch lächelnde Gesichter (von links): Frank Puchtler, Daniel Cremers, Helmut Fischer, Yvonne Fischer und Propstei-Sprecher Dieter Zorbach. Fotos: Matern
