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KLINGELBACH. (8.Januar 2010) Wenn mit der Feier des Erscheinungsfestes (Epiphanias) am Sonntag offiziell die Weihnachtszeit endet, dann endet auch in der Klingelbacher Kirche eine besondere Premiere: dort haben ebenso erfinderische wie fleißige Menschen dem Gotteshaus mit einer neuen großen Krippe in diesem Jahr ganz besonderen Weihnachtsglanz verliehen. Begeisterte Hände waren am Werk, um die Weihnachtsgeschichte figürlich in Szene zu setzen und daran zu erinnern, welches das wichtigste Licht ist, das im Stall von Bethlehem in die Welt gekommen ist. Im nächsten Jahr soll "weitergekrippelt" werden.
Zu den treibenden Kräften zählte Wolfgang Müller. „Als ich 2007 im Kirchenvorstand erstmals dem Thema Krippe begegnete, begann für mich ein eher kindhaftes Kribbeln – zunächst im Kopf“, erinnert er sich an die ersten Überlegungen zum Klingelbacher Krippenbau. „Daraus entwickelte sich ein entschlossenes ,Krippeln’“. Für die Neuanschaffung wurde eigens ein Arbeitskreis gegründet. Eine der Vorgaben: Die neue Krippe sollte zum so genannten Bauernbarock der Kirche passen.
Mit Puppen wurde getestet, welche Größe die Figuren haben sollten, um in der großräumigen Kirche zu wirken. Im Sommer 2008 wurde die erste Krippensuche gestartet, auch über das Internet. Müller und seine Frau Monika starteten in der Advents- und Weihnachtszeit vor einem Jahr einen regelrechten „Krippenlauf“. „Mehr als 700 Varianten haben wir besucht, begegneten lebensgroßen Figuren ebenso wie der Sanella-Krippe en miniature.“
Als Ergebnis aus dem bilderreichen Bogen weltweiter Krippen fasste der Kirchenvorstand im März 2009 den Beschluss, eine Krippe nach diesen Vorbildern zu konfigurieren und über die nächsten Jahre wachsen zu lassen. Ausgewählt wurde eine kolorierte Kostner-Sammelkrippe, die auch nach Stil und Farbe zum Innenbild der Kirche passt. Die Figuren aus Lindenholz stammen vom Grödner Holzschnitzer-Atelier Peter Staffler in Wien. Neben der Heiligen Familie und einem Stern gehören „Gloriaengel“, „Hirtin mit Bub“, „Schaf äsend“ und „Lamm liegend“ dazu. Erweiterungsmöglichkeiten sind für die nächsten Jahrzehnte sicher: 120 Figuren umfasst das gesamte Werk.
Mit dem Figurenkauf allein war es nicht getan. Ein Standort musste gefunden und ein Gesamtbild mit Unterkunft, Landschaft, Botanik und Szenerie entworfen werden. „Es krippelte immer stärker“, erinnert sich Müller an maßstabsgetreue Skizzen und Entwürfe. „Der Natur gleichsam suchten alle nach dem goldenen Schnitt für ein harmonisches Gesamtwerk.“
Im Spätsommer legte Klaus Biehl bereits in seinem Hof los, Ende September war der Rohbau fertig. Die zweite Klingelbacher Krippenwerkstatt fand sich auf dem Sonnenhof, wo Ludwig Schönberger das Untergerüst und die Plattform über das ganze Chorgestühl passgenau zimmerte. In drei Segmenten zerlegt ging es schließlich in die Werkstatt von Ulrich Weis, wo Profile- und Reliefarbeiten für die Landschaft entstanden. „Um die richtigen Relationen hinzubekommen, wurde in vielen kleinen Schritten immer wieder umgeformt, verworfen, neu gestaltet, bis schließlich alles passte.“ In Wien wurde sogar eine besondere Sternvariante angefertigt, um die Proportionen zu wahren.
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Nicht nur der Teufel, auch das Reizvolle der wunderschönen Krippenlandschaft liegt in vielen Details, einem kleinen Holzstoß etwa, für den viele Stunden die Minihölzer bearbeitet wurden, damit er natürlich aussieht; oder Lämpchen, mit denen Dirk Othegraven die Heilige Familie ins Licht rückte. Steine, Hölzer, Moose und Gewächse wurden in heimischen Wäldern, im Allgäu und einer verfallenen Mühle am Dörsbach gesammelt und eingebaut. Ohne Herzblut und Hingabe, mit der alle Krippenbauer ans Werk gingen, wären die Pläne nicht in die Tat umzusetzen gewesen.
„Die Krippe war im Vorfeld längst eine Stätte ansteckender Begegnung geworden“, freuen sich Monika und Wolfgang Müller über ihre eigene und die Begeisterung von Klaus Biehl, Fabian Fischer, Raimund Theis, Anneliese Greuling, Ludwig Schönberger, Dirk Othegraven sowie Carolin und Linda Richter, die beim „Wachsen“ der Krippe mitwirkten. Eine Freude, die im nächsten Jahr schon im Advent wieder die Besucher der Kirche anstecken soll, damit der Weihnachtsstern seinen Schein nicht nur auf die Kirchenwand projiziert, sondern auch die Herzen der Menschen erreicht.
Bis Sonntag, 17. Januar, ist die Krippe noch aufgebaut. Wer sie außerhalb der Gottesdienstzeiten sehen will, wendet sich an Wolfgang Müller unter Telefon 06486/1642. Nähere Informationen gibt es auch hier.
Bildunterzeile: Freuen sich über die neue Krippe in der evangelischen Kirche in Klingelbach (von hinten): Wolfgang Müller, Dirk Othegraven, Klaus Biehl und Monika Müller. Fotos: Bernd-Christoph Matern
