Ohne Talar: Mit viel Engagement auf der Kanzel

thumb_1asstrateRHEIN-LAHN/NASSAU. Einen Gottesdienst zu halten ist in der evangelischen Kirche nicht mehr nur eine Sache von Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern auch von so genannten Prädikanten. Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Prädikanten sind nicht mit Praktikanten zu verwechseln, sondern sie sind, wie die evangelische Kirche es praktiziert, Laien-Prediger, die nach durchlaufener spezieller zweijähriger Ausbildung im Dekanat und in ihrer Gemeinde Gottesdienste halten dürfen. Eine dieser Prädikanten ist Waltraud Strate aus Nassau, die am 2. Dezember mit anderen Kursteilnehmern in ihr neues Amt eingeführt wird.

Waltraud Strate, die die Woche über als Mitarbeiterin im Nassauer Altenpflegeheimes „Haus Hohe Lay“ arbeitet, ist zwar eine Amateurin auf der Kanzel, das heißt, sie ist jemand, der das Wort Gottes aus Liebhaberei verkündet und nicht beruflich ausübt, trotzdem hat ihr der Prädikantenkurs viel an Wissen, aber auch Freude bereitet. Ihre ersten praktischen Schritte hat sie bereits in ihrer Nassauer Gemeinde unter ihrer Mentorin Pfarrerin Dr. Brigitte Menzel-Wortmann getan.

Waltraud Strate kam zu diesem Ehrenamt, als sie Pfarrerin Dr. Brigitte Menzel-Wortmann auf dieses Amt als Laienprediger ansprach. Die evangelischen Dekanate im Rhein-Lahn-Kreis Diez, Nassau und St. Goarshausen bieten regelmäßig Ausbildungen für das verkündende Ehrenamt an. „Ich habe mich für den Kurs entschieden, weil ich meine ehrenamtliche Arbeit auf ein solideres Fundament stellen wollte“, so Strate. In diesem Amt sieht die Nassauerin die reformatorische Uridee des „Priestertums aller Gläubigen“ (Martin Luther) verwirklicht.

 Für Pfarrerin Dr. Brigitte Menzel-Wortmann bilden, die Ehrenamtlichen eine wichtige Säule der Verkündigung, weil sie ihre Alltags- und Berufserfahrung in die Predigt einbringen können. Und genau das will und möchte Waltraud Starte. Denn für sie ist christliches Engagement eine Selbstverständlichkeit. Alles, wofür sie sich einsetzt – und das ist ziemlich viel – tut sie aus Überzeugung. „Es macht mir richtig Spaß Gottes Wort zu verkünden, denn es ist sehr bewegend und stellt ein Gefühl der Verbundenheit mit der Gemeinde her. Ich als Prädikantin möchte mich für Gott auf den Weg machen und den Menschen dienen“, so Strate. Auf die Frage hin, ob sie sich wie eine Theologin oder Theologe fühlt, wenn sie ihre Predigt vor der Gemeinde hält, sagt sie spontan: „Auf der Kanzel bin ich Laie mit theologischem Grundwissen und nicht vergleichbar mit einem Pfarrerin oder Pfarrer. Das will ich auch gar nicht. Prädikantendienst ist freiwillig. Ich darf, muss aber nicht predigen“.

Bei ihrer ersten Liturgie und Predigt, die Waltraud Strate hielt, war sie ziemlich aufgeregt. Aber bis es dazu kam, lernte sie im Prädikantenkurs, den Bibeltext von allen Seiten zu beleuchten und die Predigt schriftlich vorzubereiten. Keine leichte Aufgabe für die Nichttheologin, aber eine Herausforderung, der sie sich gerne stellt. Denn für eine gute Predigt ist ihr nichts zu viel.

Entscheidend für eine gute Zusammenarbeit ist, wie Pfarrerin Dr. Menzel-Wortmann sagt, dass sich haupt- und ehrenamtliche Wortverkündiger ergänzen. Die Predigten von Pfarrern, die unter anderem Bibelkunde und Hintergründe vermitteln, seien nicht wegzudenken. „Aber Laien predigen viel mehr aus ihrem Erfahrungsfeld heraus. Das ist frisch und lebendig“, so die Pfarrerin. Die Freude an der Gottesdienstgestaltung ist bei der Prädikantin Waltraud Strate ungetrübt wie am ersten Tag. Auf ihre Beauftragung zur freien Wortverkündung am 2. Dezember in Niederlahnstein freut sie sich, auch wenn ihr, wie sie schmunzelnd sagt, bei dem Gedanke angesichts des bedeutungsvollen Anlasses etwas die Knie weich werden.

Achim Steinhäuser

Wer sich für eine Ausbildung zum Prädikantendienst interessiert, wendet sich an seine Kirchengemeinde oder eines der drei Rhein-Lahn-Dekanate.

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