Tag der Arbeit: Weltweite Krise zeigt schmerzhaft weltweite Verantwortung

 

 

Mein Arbeit hilf vollbringen
zu Lob dem Namen Dein,
und lass mir wohl gelingen,
im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen
von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen
und nicht verwerflich sei.
Martin Behm

 

 

 

Tag der Arbeit: Weltweite Krise zeigt schmerzhaft weltweite Verantwortung

RHEIN-LAHN. (1. Mai 2020). Einen solch ruhigen 1. Mai hat es seit Generationen nicht gegeben. Er geht zurück auf die Arbeitsverhältnisse und -bedingungen, die 1886 in Nordamerika herrschten und dort Massenstreiks auslösten. Die Coronakrise sorgt mit ihrem derzeitigen Versammlungsverbot für einen Feiertag, wie es ihn seit 1946 noch nie gab: ohne Kundgebungen, Mai-Märsche und auch ohne gemeinschaftliches Wandern. „Mein Arbeit hilf vollbringen“ – das ist dieser Tage keine Selbstverständlichkeit.

Und doch bietet gerade die Ausnahmesituation Gelegenheit, sich den eigentlichen Sinn dieses weltlichen Feiertags in Erinnerung zu rufen. Covid-19 sorgt für einen radikalen Stopp des Wirtschaftswachstums. Der Blick auf andere Länder zeigt: Es ist keine Selbstverständlichkeit, in einem Staat zu leben, dessen Gesetze selbst in dieser Krise noch ein finanzielles Netz bieten etwa durch Arbeitslosengeld und Kurzarbeiter-Regelungen; das ist ein bisschen Sicherheit, selbst wenn sie die Sorgen von Selbständigen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern vor der nahen Zukunft nicht nehmen. Aber es sind Rechte, deren Basis in der Arbeiterbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelegt wurde.

Und auch die Frage, wie gerecht heute einzelne Berufsgruppen, wie zum Beispiel im Pflegebereich, bezahlt werden oder nicht, sie tritt dieser Tage deutlicher ins Bewusstsein als bei jeder Kundgebung in den vergangenen 75 Jahren. Die Coronakrise zwingt dazu, sich nicht nur mit der deutschen Sozial- und Arbeitspolitik auseinandersetzen, sondern vor allem mit globalem Handeln und Wirtschaften. Die weltweite Krise führt – leider sehr schmerzhaft – die weltweite Verantwortung für Gerechtigkeit und Gesundheit der Menschen vor Augen.

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen sowie ethischen Fragen und Konsequenzen, die sich aus der Covid-19-Pandemie ergeben, bietet das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das Mainzer Zentrum hat eine Sonderausgabe ihrer Zeitschrift „Perspektiefe“ in digitaler Form herausgegeben, die Sie hier lesen können.

Der oben zitierte Vers stammt aus dem Frühlingslied „Wie lieblich ist der Maien“ (EG 501) von Martin Behm (1557 – 1622). Christen wissen sich zu allen Zeiten geborgen in Gottes Händen. Und immerhin können die Menschen im ländlich geprägten Rhein-Lahn-Kreis trotz Kontaktbeschränkungen auch noch die kurzen Wege in die Natur und dessen Wachstum und Blühen genießen. Bernd-Christoph Matern

Hier die drei ersten Strophen des Liedes:

1. Wie lieblich ist der Maien
aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen,
weil alles grünt und blüht!
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen,
die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre
für solche Gaben Dein.
Die Blüt zur Frucht vermehre,
lass sie ersprießlich sein.
Es steht in Deinen Händen,
Dein Macht und Güt ist groß,
drum wollst Du von uns wenden
Mehltau, Frost, Reif und Schloss.

3. Herr, lass die Sonne blicken
ins finstre Herze mein,
damit sich’s möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben
allein an Deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben
und weist des Himmels Pfort.

Zum Foto:
Auf der Politik – das Foto zeigt das Bundeskanzleramt – lastet derzeit eine große Verantwortung. Die Corona-Krise macht die weltweiten Abhängigkeiten deutlich. Fotos: Matern  

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