Weihnachtsgedanken 2016: Gott kommt zu uns und teilt unser Leben

thumb_1weihnachtslicht-becrima-RHEIN-LAHN. (26. Dezember 2016) „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird!“ So kündigen die Engel Lukas-Evangelium an. „Leichter gesagt als getan“, kommt da wohl vielen Leuten gleich in den Sinn. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf hat für rhein-lahn-evangelisch darüber nachgedacht, was diese Worte „alle Jahre wieder“ für das Leben der Menschen bedeuten kann:

thumb_1scherf_ulrike_v6_2015_bongardWir hören diese Worte am Weihnachtsfest. Alle Jahre wieder. Aber stimmen sie wirklich? Die Welt ist oft genug zum Fürchten. Auch in meinem Leben gibt es Angst und Sorge. „Ich fürchte mich“. Kinder sagen das, wenn ihnen etwas unheimlich ist, wenn sie Angst haben. Erwachsene benutzen diese Worte seltener. Und doch kennt wohl jeder und jede dieses Gefühl – vor einer Prüfung, in einer bedrohlichen Situation oder wenn man krank wird. Wenn ich fürchte, allein und überfordert zu sein. Wenn mich etwas bedrängt. Dann spüre ich, wie wenig ich das Leben selbst in der Hand habe.

„Fürchtet euch nicht!“ Zuerst hören das die Hirten auf dem Feld. Sie erschrecken – dann verstehen sie: „Sonst werden wir wenig geachtet. Aber heute wird uns eine besondere Nachricht anvertraut: Gott kommt uns nahe. In einem Stall wird ein Kind geboren und in ihm wird Gott Mensch.“ Die Botschaft macht den Hirten Mut, zum Kind zu gehen, zu staunen und Gott zu loben. Ihre Furcht ist gewichen, sie freuen sich. Über 2000 Jahre später, jedes Jahr wieder, hören wir die Weihnachtsbotschaft. Gott lässt uns nicht alleine, was auch immer uns sorgt und Angst macht. Gott teilt unser Leben und steht uns zur Seite. Die Furcht wird nicht das letzte Wort haben.

Das kleine Kind in der Krippe berührt etwas in uns, uns wird warm und weit im Herzen. Ich werde mutig und hoffnungsvoll. Ich entdecke Zeichen von Gott mitten im Leben. Ich sehe Menschen, die mutig für Meinungs- und Pressefreiheit kämpfen und damit anderen Mut machen. Mir begegnen Menschen, die zuhören und mich trösten, wenn ich traurig bin. Andere nehmen ein Kind in den Arm, halten einer Sterbenden die Hand, stehen einem Bedrohten zur Seite oder schöpfen im Gebet Kraft und atmen auf.

„Fürchtet euch nicht.“ Das wird jedes Jahr neu spürbar, in der Welt und im eigenen Leben. Große Freude, keine Furcht. Das ist der große Weihnachtswunsch Gottes für die Erde. Als kleines Kind kommt er zu uns, um uns zu berühren und zu verändern. Alle Jahre wieder. Jedes Jahr neu.

Pfarrerin Ulrike Scherf ,
Stellvertretende Kirchenpräsidentin der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

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