Bei jedem Kind muss man genau hinschauen

thumb_1gerharzstraHEISTENBACH. Leiterinnenwechsel am Kindergarten von Heistenbach: Nach 17 Jahren tritt Elisabeth Gerharz ihren Vorruhestand an und Katrin Straßburger übernimmt am 1. August die Leitung der evangelischen Kindertagesstätte, die zurzeit von knapp 50 Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren besucht wird. Heute hat Gerharz ihren letzten Arbeitstag. „Als ich 1968 den Beruf angetreten habe, war es mehr Zufall gewesen. Heute weiß ich, dass ich mir gar keinen schöneren Beruf hätte aussuchen können“, erzählt die scheidende Leiterin der Einrichtung, Elisabeth Gerharz.

Damals gab es für eine Frau mit Abitur neben der Lehrerin kaum ein anderes Berufsziel. Nach Gymnasium, Frauenschule und Fachschule für Sozialpädagogik an der Limburger Marienschule verdiente sich Gerharz als Kindergärtnerin und „Hortnerin“ an verschiedenen kirchlichen Kindergärten ihre ersten Lorbeeren, bevor sie 1978 die Leitung in Gückingen übernahm. 1990 wechselte sie dann nach Heistenbach – immer im Dienst der evangelischen Kirchengemeinde St. Peter zu Diez.

Der Umbau des Kindergartens und Rathauses – die Trennung zwischen den Räumen für die Kirchengemeinde und denen für die Ortsgemeinde – sowie die naturnahe Umgestaltung des Außengeländes der Einrichtung fallen in ihre Amtszeit. Doch nicht nur äußerlich sorgte Gerharz für Veränderungen. Auch die pädagogische Entwicklung begleitete die scheidende Leiterin. Aus ehemals getrennten wurden altersgemischte Gruppen, die sich später teilweise ganz öffneten und den Kindern die Möglichkeit geben, gruppenübergreifend ihre Zeit sinnvoll zu gestalten.

„Heute wird den Kindern kein steifes Programm mehr übergestülpt, sondern mehr darauf geachtet, was die Kinder bewegt“, erklärt Gerharz den „situationsorientierten pädagogischen Ansatz“. Zuletzt erarbeitete sie mit ihrem Team – insgesamt zwei Teilzeit- und zwei Vollzeitkräfte – eine Konzeption für die Einrichtung. Ebenfalls eine konzeptionelle und pädagogische Herausforderung: Seit 2003 werden in Heistenbach auch Kinder unter drei Jahren aufgenommen. „Kinder bleiben immer Kinder“, sagt Gerharz, „doch in den vergangenen 17 Jahren sind die Anforderungen an die Erzieherinnen enorm gestiegen.“ Heutzutage seien Kinder lebhafter und wissbegieriger, manchmal von modernen Medien überfordert, weshalb die Bewegung in der Natur in Heistenbach auch groß geschrieben wird. Ein Balanceakt werde da täglich abverlangt. Zum einen müsse die Eigenständigkeit gefördert, zum anderen aber auch die Teamfähigkeit der anvertrauten Schützlinge gestärkt werden. „Entscheidend ist, dass man bei jedem Kind genau hinschaut.“

Und daran soll auch künftig weitergearbeitet werden, wenn Katrin Straßburger nach der Verabschiedung von Gerharz am 15. Juni die Leitung übernimmt. Denn die Einrichtung entwickelt zurzeit ein Qualitätsmanagement, das den Anforderungen des Landes, nicht nur Betreuungs- sondern auch Bildungseinrichtung zu sein, gerecht werden soll. „Das steht jetzt auf der Agenda ganz oben“, sagt Straßburger. Auch die Vermittlung dessen nach außen, was die Erzieherinnen an pädagogischer Arbeit leisten, hat sie sich vorgenommen. Für die Leitung des Kindergartens ist Straßburger, die seit 1994 in Heistenbach arbeitet, gut gerüstet, absolvierte sie doch in Mainz eine Spezialausbildung zur Kindertagesstätten-Leitung und legte mit einer rhythmisch-musikalischen Zusatzausbildung noch eins drauf. Und ihre Hobbies Lesen, Akkordeon und Sport werden Straßburger sicher auch in ihrer neuen Position am alten Arbeitsplatz den Kindern zugute kommen.

Elisabeth Gerharz freut sich indes, mit ihrem Mann künftig mehr Zeit bei gemeinsamen Unternehmungen zu verbringen, und Kindern bleibt sie auch im Ruhestand treu, hat sie doch während ihrer Kindergartenzeit zwei eigene Kinder erzogen und ist mittlerweile Oma dreier Enkelkinder. (bcm)

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.