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RHEIN-LAHN. Vier Wochen verbrachten sechs Besucher aus dem afrikanischen Partnerdistrikt Mabira im evangelischen Dekanat Nassau. Mit vielen Umarmungen, Tränen und einer Flugverspätung kehrten sie zurück in ihre Heimat. Was ist geblieben? Für Dekan Friedrich Kappesser hat der Besuch der Partnerschaft neuen Auftrieb gegeben. Dass Hilfe in Afrika notwendig ist, zeigten Schicksalsschläge in der Heimat der Gäste. Besuche in den Kirchengemeinden, kirchlichen und kommunalen Einrichtungen prägten die Reise.
Kindergärten, Altenheime, Schulen standen unter anderem auf dem Besuchsprogramm sowie überall zahlreiche Gespräche, in denen sich die beiden Kulturen etwas kennen lernten. „Die Partnerschaft ist durch den Besuch auf alle Fälle gewachsen“, so Kappesser, was sich bereits in einer personellen Erweiterung des Partnerschaftskreises ausdrückt. „Die Begegnung mit konkreten Gesichtern, mit Erfahrungen und Schicksalen hat die Menschen im Dekanat bewegt.“
Weiteres Signal dafür: Fast alle Gemeinden im Dekanat wollen sich nun wieder regelmäßig finanziell an der Unterstützung von Projekten in Mabira beteiligen. Auch darüber wurde gesprochen. Priorität hat der Aufbau von Wassertanks, aber auch in der Energieversorgung müsse sich etwas tun, etwa durch die Anschaffung von Generatoren. So verfügten manche Pfarreien zwar über Handys, müssten aber kilometerweit fahren, um sie aufzuladen. Zu klären sei die Frage von Direktpartnerschaften. 39 afrikanischen Pfarreien stehen nur 19 Kirchengemeinden im Taunus gegenüber. Überrascht hat Kappesser, dass die Gäste aus Mabira besonders die Gastfreundschaft der Deutschen lobten.
Offenheit und Anpassungsfähigkeit der Gäste beeindruckte ebenso den Sprecher des Arbeitskreises Nassau-Mabira, Berthold Krebs. „In Tansania hat ein Mann im Haushalt eigentlich nichts verloren“, erzählt er. „Als ein Besucher in seiner Gastfamilie hörte, dass das in Deutschland anders ist, stand er am nächsten Tag mit dem Putzeimer in der Tür, um sein Appartement zu putzen“, so Krebs. Er hoffe nicht, dass die afrikanischen Gäste das Gefühl mit nach Hause nehmen, hier handele es sich ums Schlaraffenland. Dagegen spreche aber deren Verwunderung über manche deutschen Gewohnheiten.
So staunte Pfarrer Samuel Mugangala, dass man in Deutschland für alles bezahlen müsse. „Bei uns hilft man sich normalerweise gegenseitig mit den Dingen aus, die man im Alltag braucht“, so der Pfarrer von Mabira. Das Engagement vieler älterer Bürger war für die Afrikaner ebenfalls eine neue Erfahrung. Mugangala: „Bei uns arbeiten die Jungen für die Alten.“ Und wenngleich die kirchlichen Strukturen sehr ähnlich sind, gibt es doch beim Gottesdienst frappierende Unterschiede, nicht nur was die Anzahl der Kirchgänger anbelangt. „Es ist seltsam, dass die jungen Leute auf einer separaten Bank sitzen, das gibt es bei uns nicht.“
Vollkommen verdutzt waren die afrikanischen Gäste, dass es für die Jugend einen eigenen Gottesdienst gab, den in ihrer Heimat bestimmt auch noch genauso viele Ältere besucht hätten. Der Dekan dankte allen Gastgebern, bei denen der Besuch aus dem Partnerdistrikt übernachten konnte und allen, die an der Organisation des Besuches beteiligt waren. „Wir haben zusammen gefeiert, gesungen, gebetet und sogar getanzt und neue Impulse, Ideen und neue Kraft für den Arbeitskreis bekommen“, so Kappesser. „Wir brauchen beide etwas Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten.“
Berthold Krebs ließ den Aufenthalt in einer Bildpräsentation Revue passieren und der Dekan verteilte an die Gäste Fotoalben als bleibende Erinnerung, bevor sich Gäste und Gastgeber verabschiedeten.
Aber auch in der tansanischen Heimat blieb die Zeit nicht stehen: Das Haus einer Mitreisenden wurde Opfer einer Brandstiftung. Welche Zukunft die siebenfache Mutter nach ihrer Ankunft in Mabira erwartet, ist noch ungewiss. Und auch die Nachricht vom Tod einer an Aids erkrankten jungen Frau aus Mabira schockierte Reisegruppe und deutsche Partner. Ein Zeichen dafür, dass die Partnerschaft noch Aufgaben vor sich hat. (bcm)
