RHEIN-LAHN/WEYER. Was können Politik und Kirche tun, um den Klimawandel zu verlangsamen? Global denken – lokal handeln? „Heiße Zeiten – Kirche und Klimapolitik im 21. Jahrhundert“ war das jüngste Weyerer Forum der evangelischen Kirchengemeinden Weyer und Nochern überschrieben. Eingeladen war der Bundestagsabgeordnete und kirchenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Josef Winkler. Er berichtete über seine „Kirchentour 2007“, während der der Politiker zahlreiche Beispiele erlebte, wie auch Kirchengemeinden in Rheinland-Pfalz und im Saarland zum Energiesparen beitragen.
"Als Christen ist uns der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, von Anfang an ins Buch geschrieben", sagte Gemeindepfarrer Alfred Weinberg in seiner Begrüßung. „Jeder Schritt dazu ist ein guter und richtiger Schritt“, so der Theologe, unabhängig von der Partei, die ihn mache. Der Abend solle Anregungen geben, was zu tun ist, damit die Erde als guter Wohnraum erhalten bleibt.
Mit Genugtuung stelle er fest, dass der 1990 noch belächelte Wahlslogan von den Grünen, „Alle reden über Deutschland – wir über das Wetter“ parteiübergreifend von der „Orchideen-Meinung“ zum wissenschaftlich untermauerten Problem geworden sei, erklärte WInkler in seinem einleitenden Vortrag. Auch beim evangelischen Kirchentag in Köln sei das Thema Klimawandel in den Mittelpunkt gerückt worden.
Winkler lobte Bundeskanzlerin Merkel für ihr Engagement in Sachen Klimaschutz während des G-8-Gipfels („Mehr war da nicht zu erwarten“), im eigenen Land könne allerdings mehr getan werden. Der Staat und auch die Kirchen einschließlich der caritativen Werke seien die größten Immobilienbesitzer im Land. „Da sollte bei jedem Neu- oder Umbau an den Klimawandel und das Energiesparen gedacht werden“, so Winkler. Ähnlich dem „Kunst-am-Bau“-Paragraphen müsse in den Landesbaugesetzen auch etwas zur Energieeffizienz geschehen. Auch im kommunalpolitischen Bereich gebe es beim Energiesparen noch Entwicklungspotenzial.
Staat und Kirchen könnten mit gutem Beispiel beim Einsatz erneuerbarer Energien vorangehen, so der grüne Politiker, damit Wärme- und Energiegewinnung aus Blockheizkraftwerken, Geothermie oder Solaranlagen „aus der Nische rauskommt und das Normalste von der Welt wird“. Winkler zählte auch eine Reihe ganz praktischer Maßnahmen auf, etwa den Verzicht auf den Stand-by-Modus an elektronischen Geräten. „Solche Geräte sollte man verbieten, dafür muss in Deutschland ein Kohlekraftwerk ein ganzes Jahr lang laufen.“
Bürgermeister Dieter Clasen (Verbandsgemeinde Loreley) unterstrich auch den ökonomischen Nutzen, über den sich erneuerbare Energien etablieren könnten und erinnerte an die positive Kosten-Nutzen-Analyse bei der Umstellung der Loreley-Schule auf eine Holzhackschnitzelheizung. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion David Langner rückte die Informationsmöglichkeiten über den Einsatz alternativer Energiequellen in den Focus. „Das Thema ist sehr komplex, reicht von individuellen Fragen bis zur globalen Wissenschaft.“ Da sei es wichtig, die Beratungsmöglichkeiten auszubauen, so Langner, der an die kostenlose Energiespar-Beratung in Rheinland-Pfalz erinnerte. „Wer etwas nachhaltig tun will, bekommt so Wissen zur Verfügung gestellt.“
Weyers Ortsbürgermeister Jens-Oliver Georg gab zu bedenken, dass energiebewusstes Bauen auch häufig mit höheren Kosten verbunden sei, „was sich viele Kommunen heutzutage nicht mehr leisten können“. Wenn Betriebskosten durch höhere Investitionen gesenkt würden, lasse sicher auch die Kommunalaufsicht mit sich reden, meinte dagegen Josef Winkler. Hilfreich sei auch, sich als Gemeinderat oder Kirchenvorstand gelungene Projekte anzuschauen, von denen es immer mehr gebe.
Der Klimawandel sei auch eine Folge des „Wettwirtschaftens“, erklärte Matthias Metzmacher, Referent für gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche an Rhein und Lahn. „Immer größer und weiter wird unseren Kindern beigebracht, aber kann das umweltverträglich sein?“, fragte Metzmacher. Es brauche bei der Erziehung in Familie und Schule Signale, dass weniger oftmals mehr ist. (bcm)
