RHEIN-LAHN/BAD EMS. Mit einem Informationsstand präsentierte das „Netzwerk Demenz Bad Ems-Nassau“ am Welt-Alzheimertag seine regionalen Hilfeangebote in der Bad Emser Paracelsus-Klinik. Sowohl im stationären (Heim) als auch im ambulanten Bereich gibt es Beratungs- und Entlastungsangebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Dazu zählen etwa spezielle Wohn- und Betreuungsformen in den Heimeinrichtungen, Kurzzeitpflege oder auch stundenweise Betreuungsangebote von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Zu den Besuchern zählte aus der Bad Emser Stadtbürgermeister Ottmar Canz.
Viele Passanten warfen allerdings lediglich im Vorbeigehen scheue Blicke auf die Info-Wand, die ausgelegten Materialien oder die Filmleinwand, auf der der Film „Apfelsinen in Omas Kleiderschrank“ gezeigt wurde. Auf die Einladung zum genaueren Hinschauen oder ein Gespräch hieß es häufig: „Damit muss ich mich zum Glück noch nicht beschäftigen“.
Gerade das sehen die Netzwerk-Partnerinnen und Partner völlig anders. Aus deren Sicht kann man sich nicht früh genug mit der Thematik „Demenz“ auseinandersetzen. Ist die Erkrankung einmal ausgebrochen, kann man derzeit einmal verlorene Fähigkeiten nicht mehr wiederherstellen. Allerdings – so führte auch Dr. Erich Krausbeck, Neurologe und Psychiater aus Bad Ems, abends bei seinem Vortrag über die Alzheimer’sche Erkrankung aus – kann man eine gewisse Verzögerung der Erkrankung erreichen, wenn man früh genug mit der Therapie beginnt.
Außerdem berichtete Dr. Krausbeck, dass der Beginn einer Alzheimer-Demenz bei 25 Prozent der Erkrankten bereits vor dem 30. Lebensjahr ihren Beginn hat – auch wenn die Symptome erst viel später auftreten. Im Verlauf des Vortrages ging er auf unterschiedliche Formen von Demenz ein: lediglich 50 Prozent der Demenzerkrankungen sei eine „Alzheimer-Demenz“, die anderen Hälfte verteile sich auf unterschiedliche andere demenzielle Erkrankungen, die teilweise – je nach Ursache – auch behandelbar seien.
Entsprechend wichtig erscheint eine frühzeitige und gründliche Diagnostik, um die entsprechende Therapie einleiten zu können. Als mögliche Vorbeugung nannte Krausbeck vor allem körperliche Bewegung und Gesellschaft. Nach neueren Forschungen scheint auch Curry (Curcuma) einen positiven Einfluss zu besitzen. Die Behandlung beschränke sich in der Regel auf die Begleitsymptome wie Unruhe, Aggressivität und Depressionen. Angehörigen empfahl Krausbeck den Besuch von Selbsthilfegruppen und das Nutzen von möglichen „Auszeiten“, um sich selbst wieder zu regenerieren.
Für nähere Informationen stehen die Netzwerk-Partner zur Verfügung. Kontakte stellt auch die BeKo-Stelle (Beratungs- und Koordinierungsstelle) her: Tel. 02603/5750.
