SCHEIDT/RHEIN-LAHN. (16.November) Mit der Neuwahl der Kirchenvorstände im evangelischen Dekanat Diez wird sich im kommenden Jahr auch die Dekanatssynode neu konstituieren. Zur letzten Herbsttagung ihrer Amtszeit trafen sich die Synodalen am Wochenende in Scheidt. Rück- und Ausblick standen im Mittelpunkt der Dekanatssynode, zu der Präses Dr. Dieter Bandell Mitglieder und Gäste im Dorfgemeinschaftshaus von Scheidt begrüßte.
Dekan Hans-Otto Rether erinnerte in seinem Bericht an die Kirchenvorstandswahl im Juni. Die Wahlbeteiligung – sie lag um fast vier Prozent über der des Jahres 2003 – zeige, dass das Interesse an Kirche in der Region immer noch gut sei. (Eine Übersicht über die Wahlbeteiligung und deren Entwicklung in den einzelnen Kirchengemeinden finden Sie hier.) Im Dekanat gibt es zurzeit zweieinhalb Vakanzen, informierte der Dekan.
Für die Kirchengemeinden neu: die Zehn-Jahres-Bilanzierung der Pfarrstellen, in der über die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Pfarrer und Gemeinde nachgedacht wird. Das erscheine zunächst gewöhnungsbedürftig, doch das eigene Handeln in der Gemeinde zu hinterfragen, sei ja auch im privaten Bereich sinnvoll. Mit großer Mehrheit hätten sich die bilanzierten Kirchengemeinden für die Fortsetzung der Zusammenarbeit ausgesprochen. Ebenso bilanziert wurde die Arbeit der Profil- und Fachstellen, die zur Fortsetzung der Arbeit in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Gesellschaftliche Arbeit geführt hätten.
Rether gab ferner einen Einblick in die Konzeption künftiger Dekanatsarbeit und die Handlungsfelder der Kirche, die ebenfalls immer wieder hinterfragt werden müssten. „Was bedeutet für uns Verkündigung? Was heißt Seelsorge? Worin unterscheidet sich etwa evangelische Seelsorge von ärztlicher Psychologie?“, nannte der Dekan Fragen, über die auch in der Dekanatskonferenz immer wieder nachgedacht werde. „Die Hauptarbeit an Verkündigung und Seelsorge findet sicher in den Kirchengemeinden statt“, so Rether.
Aber einzelne Aufgaben könne die Kirchengemeinde heute gar nicht mehr allein leisten. Da sei das Dekanat gefragt. Als ein Beispiel nannte er die Sozialstationen, die die Arbeit früherer Gemeindeschwestern übernommen haben. „Aber auch im Bereich der Kindertagesstätten ist Zusammenarbeit notwendig, um das evangelische Profil zu schärfen“, so Rether.
Zu den gemeindeübergreifenden Aufgaben zählt auch die Jugendarbeit im Dekanat. Präses Bandell und Dekan Rether war es eine besondere Freude, Friedhelm Hahn für seine 30-jährige Dienstzeit als Dekanatsjugendreferent auszuzeichnen. Nur in Streiflichtern könne er an Hahns bisheriges Wirken erinnern, so vielfältig seien dessen Arbeit und die Berührungspunkte mit unterschiedlichen Menschen, sagte Rether.
Von Kirchentags-Fahrten über die weit über die Reisezeit hinaus beeindruckenden Besuche im Konzentrationslager Auschwitz und den Jugendaustausch mit Polen, über Konfirmandenarbeit in den Gemeinden, Fortbildungen und den Aufbau des Jugendhauses in Hahnstätten bis zu vielen Freizeiten reicht die Palette; und nicht nur bei Letzterem werde sicher zunächst über die Welt der Jugendlichen, aber auch über Gott gesprochen und nachgedacht.
Dabei habe Hahn keine Jugendarbeit wie vor 30 oder 40 Jahren gemacht, wie das manch Älterer vielleicht heute noch erwarte. „Jugendliche brauchen keine Fragestellungen von früher“, so Rether. „Ihre Arbeit orientiert sich vielmehr an dem, was die jungen Menschen heute bewegt.“ Ob Stress in Schule oder Elternhaus, ob Freundschaft, Liebe und Enttäuschung – es falle schwer, solche Themen mit Eltern zu besprechen. „Da braucht es jemandem wie ihnen, der hinhört und zu klarerem Blick verhilft.“ Einem Menschen, der auch skurrile Ideen nicht belächele sondern ernst nehme, dem Jugendliche vertrauen.
Rether wünschte Hahn, dass er auch künftig immer wieder positive Rückmeldungen aus seiner aktuellen und ehemaligen Klientel als Motivation für seine Arbeit erfahre. Bernd-Christoph Matern
Bildunterzeile: Präses Dr. Dieter Bandell (links) und Dekan Hans-Otto Rether (rechts) dankten Friedhelm Hahn für dessen Engagement als Dekanatsjugendreferent in den vergangenen 30 Jahren. Fotos: Bernd-Christoph Matern
