ST.GOARSHAUSEN/RHEIN-LAHN. (17.Dezember 2010) Schon im vergangenen Jahr gefiel die evangelische Dekanatskantorei mit dem bekannten „Halleluja“ aus Händels Messias. In diesem bescherte das Konzert zum dritten Advent in der katholischen Kirche St. Goarshausen abermals eine Begegnung mit dem Gott lobenden Ausruf, allerdings aus einem weitaus weniger bekannten Werk: dem Weihnachtsoratorium des französischen Komponisten Camille Saint-Saens, wenngleich dessen 175. Geburtstag Anlass ist, das Werk in diesem Jahr in besonders vielen Konzertsälen zu spielen.
Auch wenn das Vorspiel den Hinweis „Im Stile Bachs“ trägt – in den folgenden neun Teilen ist davon nichts zu bemerken. Vielmehr kosten die Kurpfalzphilharmonie, Chor und Solisten unter dem souveränen und beherzten Dirigat von Dekanatskantor Markus Ziegler die von französischer Romantik geprägte Partitur aus und transportieren die sehr zart gewobenen Motive und Harmonien überzeugend in das voll besetzte katholische Gotteshaus.
Schon die Registrierung der Orgel (Elisabeth Maranca) macht den Unterschied hörbar, geben dem lyrischen Ton der Komposition Gewicht. Der Sopran der gut aufgelegt und diszipliniert agierenden Dekanatskantorei beweist sich in allerhöchsten Höhen, wenn er eindringlich fragt „Warum toben die Nationen?“ und sich zu einem eindrucksvollen Gloria emporschwingt. Jos Hendrix (Bariton), Jana Schmidt (Alt), Margarete Reeves (Mezzosopran), der strahlende Tenor von Kyoung-Soon Kim und der bis zur Empore herrlich anrührende Sopran Monika Baumgartners verleihen im Solo bis zum Quintett dem textlichen Wechselspiel von Klageliedern und Gotteslob Frische und bewegende Ausdruckskraft.
Herrlich das Wechsel- und Zusammenspiel der Solisten als Quintett im Alleluja des Abschlusssatzes, das noch einmal strahlend vom Chor aufgenommen wird und einen eindringlichen Schlusspunkt markiert. Die Harfe schenkt dem Orchesterklang nicht nur im Weihnachtsoratorium, insbesondere im Trio, beseelende lyrische Farbkraft. Karin Schnur entlockt dem Instrument auch mit Georg Friedrich Händels Konzert in B-Dur sanft freudvolle Stimmung. Der innige Charme des Instrumentes, in dem auch immer ein Schuss Melancholie mitschwingt, passte wunderbar zur Adventszeit, auch weil die Kurpfalzphilharmonie der Solistin genügend dynamischen Raum zur Entfaltung gibt.
Die vorweihnachtliche Stimmung komplettiert die Dekanatskantorei schließlich mit der Messe in A-Dur des ebenfalls französischen Komponisten César Franck. Ein genießerisches Kleinod: das Panis angelicus (Engelsbrot), eine weihnachtliche Orgelimprovisation des Komponisten, die er erst später in seine Messe einfügte und die – wie das Konzert in St. Goarshausen beweist – nicht nur Tenören sondern auch Sopranistinnen wie Monika Baumgartner Gelegenheit bietet, mit ihrer Stimme die Gemüter der Zuhörer zu bewegen, eben „engelsgleich“. Mit dem ruhigen friedvollen „Dona nobis pacem“ schließt sich der vorweihnachtliche musikalische Kreis und kräftig herzlicher Beifall krönt das überzeugende Engagement von Sängern, Instrumentalisten und ihrem musikalischen Leiter Markus Ziegler.
Bernd-Christoph Matern
