RHEIN-LAHN/MONTABAUR. Die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat in Montabaur ihrer Gründung vor 60 Jahren gedacht. So standen neben der Diskussion über Kirchengesetze und Satzungen vor allem Rückblick und Ausblick auf der Tagesordnung der Synodalen in der Stadthalle. Der Vorsitzende der Kirchensynode Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer und Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker erinnerten an die Gründung der EKHN am 30. September 1947, die aus den zuvor selbständigen Kirchen im Herzogtum Nassau, im Großherzogtum Hessen sowie in der ehemaligen freien Reichsstadt Frankfurt hervorgegangen ist.
Steinacker hob die bereits 2000-jährige Geschichte als Kirche Jesu Christi hervor. Angesichts „wenig ermutigender Äußerungen der vatikanischen Leitungsgremien unserer römisch-katholischen Schwesterkirche der letzten Monate“ müsse dies besonders klar und deutlich gesagt werden. „Einheit in versöhnter Verschiedenheit ist und bleibt unsere Zielsetzung“, so Steinacker zur ökumenischen Diskussion.
Der Kirchenpräsident bezeichnete die Landeskirche als eine „quirlige und streitbare Kirche“, was ihr in der EKD nicht immer Anerkennung beschere, „weil sie nicht sieht, dass wir mit Leidenschaft streiten, weil wir eigentlich ganz versöhnt sein wollen.“ Und sie sei geübt im Abwägen der Interessen der Regionen und der Gesamtkirche. Er forderte dazu auf, beim Verfolgen eigener Interessen die anderer mit im Blick zu haben. „Daran fehlt es uns bisweilen.“ Menschen weltlicher Organisationen seien erschrocken, „mit welcher Erbitterung bei uns manchmal gefochten wird“.
Die EKHN befinde sich in einem Prozess der Prüfung und Erprobung inhaltlicher Neugestaltung und neuer Strukturen, erklärte Präses Schäfer. Dazu zähle eine „stärkere Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Mehrheit der Kirchenmitglieder“; ebenso eine Stärkung des etwa 60000 Personen umfassenden Ehrenamts, effektivere und entscheidungsfördernde Leitungsstrukturen sowie eine Dezentralisierung der Aufgaben, um die regionale Vielfalt der EKHN besser zur Geltung zu bringen, „verbunden mit der Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse in Stadt und Land.“ Dem diene auch der Perspektiv-Prozess 2025.
Schäfer erinnerte an die Landeskirche prägende Namen. Insbesondere erwähnte er den verstorbenen Dr. Kurt Rüb aus Montabaur, der 36 Jahre der Kirchensynode angehörte und viele Jahrzehnte in Ausschüssen tätig war. „Kurt Rüb bleibt eine der herausragenden Persönlichkeiten unserer gesamten EKHN“, so Schäfer, der dessen Ehefrau Ruth als Ehrengast begrüßte ebenso wie den 95-jährigen Pfarrer Albrecht Heymann, der der EKHN-Gründungssynode angehörte.
Im Namen des Landes Rheinland-Pfalz dankte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Karl Peter Bruch, wie „seine“ hessen-nassauische Kirche in den Gemeinden für die Menschen da sei, als ein „Kümmerer“ und auch die Politik auf Dinge hinweise, die es bei der Gestaltung der Lebensumstände brauche. „Gerade die Daseinsfürsorge und die Arbeit des Diakonischen Werkes sind mir da sehr nah.“ Bruch wurde anschließend als neues berufenes Mitglied der Synode verpflichtet. „Es hat mich sehr gefreut und ich fühle mich geehrt, dass ich von meiner Kirche in dieses Gremium berufen wurde“, sagte Bruch.
Grüße zur EKHN-Tagung übermittelten der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur Edmund Schaaf und der katholische Bezirksdekan Heinz-Walter Barthenheier, der auf die vielen und guten Kontakte in der Region zwischen Protestanten und Katholiken hinwies.
Die Tagung begann mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche, in der Kirchenpräsident Steinacker über die Bedeutung des christlichen Glaubens als ein Geschenk an die Menschen sprach. Der Propst für Nordnassau, Michael Karg, Dekanin Ursula Jakob und Pfarrer Peter Boucsein wirkten in der Liturgie mit und Dekanatskantor Jens Schawaller sorgte für eine eindrucksvoll festliche wie flotte musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. (bcm)
„An der Struktur mag sich noch manches verändern, die Kirche wird es immer geben, denn da steht Jesus dahinter.“
Albrecht Heymann (95), Synodaler der EKHN-Gründungstagung vor 60 Jahren.
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