Evangelische Kirche Obernhof wurde vor 300 Jahren gebaut

thumb_1obernhof_becrima-OBERNHOF. (28. Oktober 2015) Am Sonntag, 1. November feiert die evangelische Kirchengemeinde Obernhof den Geburtstag ihrer Kirche. Vor 300 Jahren wurde sie errichtet. Damals hatte die Gemeinde etwa 200 Mitglieder, die für den Bau kräftig anpackten; im Jubiläumsjahr gibt es doppelt so viele Gemeindeglieder, mit denen der Kirchengeburtstag gefeiert werden kann.

Beim Blick in die Geschichte der Kirche ist Gemeindepfarrerin Antje Dorn insbesondere Erika Günter aus Seelbach und dem verstorbenen Karl Ludwig aus Obernhof sehr dankbar, denn die Beiden studierten im Hessischen Staatsarchiv in Wiesbaden unzählige Briefe, die über die Historie von Gotteshaus und Kirchengemeinde viel Aufschluss geben. So löste das evangelische Bauwerk eine in der Nähe gelegene Kapelle ab. Ein Bauprotokoll zeigt genau auf, wer wie viel arbeitete, welche Ausgaben es gab und wer wie viel spendete.

thumb_1altargrabstein_becrima-An größeren Baumaßnahmen weisen die Dokumente unter anderem den Bau einer neuen Empore für die Jahre 1842 bis 1844 aus. Damals wurde auch der provisorische Altar durch eine Marmor-Grabplatte ersetzt. Es handelte sich um die des Bergwerkbesitzers Johannes Goll, der tödlich in seiner Grube verunglückt war, 1747 in der Kirche beigesetzt und dann nach Frankfurt umgebettet wurde. Golls Familie hatte mit der Stiftung eines Armenfonds noch über dessen Tod hinaus viel Gutes für Obernhof getan.

Der Grabstein Golls kam 1995 bei der Innenrenovierung hinter der Orgel zum Vorschein, die damals versetzt wurde. Heute steht das 500 Kilogramm schwere Epitaph sichtbar im Altarraum. Eine Besonderheit in dem ansonsten protestantisch schnörkellosen Innenraum stellt der Schalldeckel der 1717 errichteten Kanzel dar. Gehalten wird er von einem aus der Wand herausragenden Arm, dessen Hand eine goldene (Welt-)Kugel hält.

thumb_1kanzeldeckel2_becrima-Stark zugesetzt hat dem Gebäude schon immer die benachbarte Lahn und die dort errichteten Brücken. 1946 sorgte eine Brückensprengung für die Zerstörung der bunten Fenster. Nicht nur im gleichen Jahr sorgte der Fluss einmal mehr für Hochwasserschäden. Besonders schlimme gab es auch 1909 und 1738/39, als die Pfarrfamilie Angst hatte, dass das ganze Pfarrhaus neben der Kirche weggeschwemmt werden könnte. Auch wenn 1969/70 eine Hochwasserwanne angelegt wurde, überflutete 1984 das Wasser die Sitzbänke in der Kirche und berührte die Füßen des Altar-Kruzifix. „Anfang des 20. Jahrhunderts und später musste die Straße immer wieder erhöht werden, um sie mit der Brücke zu verbinden“, erklärt Pfarrerin Dorn.

An eine Begebenheit aus den Anfangsjahren der Kirche erinnert die Gemeindepfarrerin besonders gern gerade im Hinblick auf die Nähe zum Kloster Arnstein. Sie dreht sich um einen leeren „Weibsstuhl“ und wurde von ihrem einstigen Vorgänger am 31. August 1718 aufgeschrieben. Damals hatten die Gottesdienstbesucher getrennt nach Geschlechtern noch feste Sitzplätze.„ An einem Feiertagssonntag war der Platz von Frau Kurtzenborn, die päpstlicher Religion war, leer. Nun stritten sich einige Frauen aus Kalkoffen so laut um den freien Platz, dass der Pfarrer von der Kanzel sie zur Ruhe mahnen musste“, heißt es in der Chronik. Der Pfarrer schrieb an die Fürstin, ob in Zukunft auch jemand Anspruch auf einen Kirchenplatz hat, der nicht evangelisch ist. Deren Reaktion: Sie ordnete an, dass in Obernhof jeder, der am Gottesdienst teilnehmen möchte, wenn er sich ruhig verhält, einen Platz bekommen soll, egal welcher Religion er angehört. „Ist das nicht schon ein schöner Hinweis auf eine gute ökumenische Beziehung, die wir heute hier im Nassauer Land pflegen?“, schmunzelt die Theologin.

Das Jubiläumsfest am 1. November beginnt mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr mit Propst Oliver Albrecht. Im Anschluss locken Mittagessen, Kaffee und Kuchen ins Hotel „Am Goetheberg“. Um 16 Uhr folgt dann in der Kirche ein Konzert mit der Gruppe Saitenspinner.

Das Fest soll der Erneuerung der Glockenanlage zu Gute kommen. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 6000 Euro. Zum Jubiläum werden deshalb auch Kerzen verkauft, die unter anderem die Inschrift der 1952 angeschafften zweiten Glocke trägt: „Ich rufe zum Frieden und der Herr gebe ihn.“ Bernd-Christoph Matern

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