
Kantoren lassen Kleinode der Kirchenmusik erklingen
Orgelfahrt informiert über Gotteshäuser und bietet tolle akustische Kostproben in Patersberg, Nastätten, Eschbach und Nassau
RHEIN-LAHN. (24. September 2019) Zu einer Orgelfahrt unter dem Motto „Kleinode der Kirchenmusik entdecken“ hatte die Bildungsreferentin des Dekanats Nassauer Land Claire Metzmacher zusammen mit den drei Dekanatskantoren Martin Samrock, Ingo Thrun und Markus Ziegler eingeladen. Neben Wissenswertem zu den Gotteshäusern in Patersberg, Nastätten, Eschbach und Nassau erwartete die zwei Dutzend Interessenten auch ein wunderbares Klangspektrum, das die Profimusiker für die einzelnen Instrumente ausgesucht hatten.
Den Anfang machte das 1764 vom Bad Emser Orgelbauer Johann Wilhelm Schöler geschaffene Instrument in der wunderschönen Kirche von Patersberg, die in seiner heutigen Form auf eine Entstehungszeit um 1200 geschätzt wird. Dann ging es in die St.-Salvator-Kirche nach Nastätten, wo die 1860 von Christian Friedrich Voigt erbaute Orgel Ende vergangenen Jahres nach einer umfassenden Restaurierung ihre originale Disposition zurück erhielt sowie um fehlende wieder rekonstruierte Register ergänzt wurde.

Ein völlig konträres Bild bot sich nach einem Mittagessen den Orgelinteressierten in dem entzückend kleinen Kirchlein in Eschbach. Eine Kapelle wurde dort vermutlich bereits vor dem Jahr 1000 errichtet; 1737 wurde sie zur Kirche in der heutigen Form umgebaut. Die Musik in dem romanischen Schiff mit seinem gotischem Chor kommt von einer mechanischen Schleifladenorgel, die Adolf Eppstein aus Weilmünster einst baute, bevor sie gebraucht 1936 nach Eschbach kam und 2017 um einen 16′ Subbass ergänzt wurde und gerade einmal 5 Register (4 Manual- und 1 Pedal-). Die Musiker erlaubten sich den Spaß, ein Stück zweimal erklingen zu lassen: einmal mit Wind vom Motor, dann noch einmal mit „selbst getretenem” Wind über die Kastenbälge. Eine sehr reizvolle Vorführung.
In Nassau krönte schließlich an der von Rowan West neu erbauten Orgel sogar ein Orgelkonzert mit dem Kirchenmusiker Harald Geerkens aus Augsburg die abwechslungsreiche Reise zu den ganz unterschiedlichen Königinnen der Instrumente. Während Geerkens in seinem Konzert den Klangtypus der norddeutschen Barockorgeln in der Johanniskirche unter anderem mit Werken von Buxtehude, Sweelinck, Scheidemann, Weckmann bis zu Bach eindrucksvoll aufleben ließ, verströmten die drei Dekanatskantoren in Nastätten mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy, Rinck und Bach die mitteldeutsche Klangtradition sehr facettenreich im Kirchenschiff. Wer wollte, konnte den Musikern bei ihrem Wirken auf Finger und Füße schauen oder im Kirchenschiff die Stücke genießen.
Der besondere Verdienst von Samrock, Thrun und Ziegler lag aber sicher auch darin, dass sie den wirklich kleinen „Kleinoden der Kirchenmusik“ wie in Patersberg oder Eschbach wunderschöne Klänge entlockten. Denn so unspektakulär schlicht das Instrument in Eschbach beispielsweise den Raum ziert, so fein entfaltete die kleine Orgel dann doch unter dem gekonnten Spiel der Kantoren ihre feinen Nuancen; anders, aber nicht weniger ansprechend wie an den großen Instrumenten in Nassau und Nastätten. Ein informativer und musikalischer Tagesausflug, der von den Teilnehmenden mit reichlich Applaus für Organisatoren und Interpreten bedacht wurde. Bernd-Christoph Matern
Zu den Fotos:
Die drei Dekanatskantoren wussten den Klangreichtum der umfassend restaurierten Orgel in Nastätten ebenso ansprechend zu entfalten wie den des nur fünf Register zählenden Instruments in der kleinen Kirche von Eschbach. Die Orgelfahrt vermittelte auch Wissenswertes über die Kirchen und die Bauweise der Orgeln. Fotos: Matern
