Umweltschutz: Immer mehr Kirchengemeinden im Dekanat wollen Grünen Hahn

Evangelische Kirchengemeinden greifen nach dem Grünen Hahn

Interesse am Umweltmanagement wird im evangelischen Dekanat Nassauer Land immer größer

 RHEIN-LAHN. (23. September 2019) In Zeiten des Klimawandels ist vielen Kirchengemeinden der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze zu wenig. Sie greifen nach dem Grünen Hahn, einem Logo, das ihnen ein Umweltmanagement bescheinigt, um das Gemeindeleben Schritt für Schritt umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten. Auch im Rhein-Lahn-Kreis interessieren sich immer mehr Kirchenvorstände für diesen dauerhaften Prozess.

„Für Christen ist die Bewahrung der Schöpfung ja nicht erst seit Greta Thunberg ein Thema, sie zählt zu den kirchlichen Grundelementen“, sagt Kathrin Saudhof. Die Klimaschutzmanagerin beim Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat in Singhofen interessierte Kirchenvorstandsvertreter um sich geschart, denen sie Grundsätzliches zur Zertifizierung erklärt und Fragen beantwortet.

„Wir suchen nach Möglichkeiten, nicht allzu arglos am Schlechten mit zu schrauben anstatt am Guten“, begründet Gemeindepfarrer Harald Peter Fischer die Einladung an Saudhof. Dabei ist die Kirchengemeinde an der Bäderstraße schon lange in Sachen Umweltschutz und Energiesparen unterwegs, bezieht etwa Bürgerwerke-Strom und feiert in den kalten Wintermonaten den Gottesdienst im Gemeindehaus statt in der großen Kirche. Gemeinsam mit dem Umweltbeauftragten der Gemeinde soll es demnächst mit den Konfirmanden eine Pflanzaktion für eine Streuobstwiese auf einem gemeindeeigenen Grundstück geben.

Allesamt Maßnahmen, die bei Kathrin Saudhof auf offene Ohren stoßen und Freude auslösen, denn entscheidend für ein erfolgreiches Umweltmanagement sei die Motivation der Kirchengemeinden. Die für vier Jahre gültige Zertifizierung sei das Eine, der Wille, sich selbst Ziele zu setzen und nachhaltig immer nach neuen Einsparpotenzialen bei Energie oder nach neuem umweltfreundlichem Handeln zu suchen aber die treibende Kraft, damit es nicht bei der Formalie bleibt. Saudhof stellte in Singhofen die zehn Schritte vor, um das Zertifikat verliehen zu bekommen. Dazu zählt, ein Umweltteam zu bilden, Leitlinien zu formulieren und einen Maßnahmenplan aufzustellen. „Die Vorbereitungen, um den Grünen Hahn in einer Kirchengemeinde einzuführen, sind überschaubar“, so Saudhof, „sie dauern in der Regel zwischen ein und zwei Jahren; das Tempo bestimmt die Gemeinde dabei selbst.“ Konkrete Beispiele, auch wie mit dem Grünen Hahn sowohl Wasser, Strom, Wärme, CO-2 als auch Geld eingespart werden, fehlten nicht. Anerkannte Gemeinden können außerdem einen Zuschuss von bis zu 2500 Euro beantragen, um Umsetzungsmaßnahmen zu finanzieren.

Vorgestellt wurde außerdem die Funktion der Umweltauditoren, die die Gemeinden auf dem Weg zur Zertifizierung begleiten. Achim Bruchhäuser aus Dausenau und Marion Paul-Färber aus Holzhausen sind zwei von ihnen im Rhein-Lahn-Kreis, deren Ausbildung von der Landeskirche ebenso übernommen wird wie die Kosten für die Zertifizierung. Aus der Kirchengemeinde Klingelbach nutzten Pfarrerin Mariesophie Magnusson und Max Fischer die Gelegenheit, sich über die Bedeutung und Chancen des kirchlichen Umweltmanagements zu informieren.

Angetan vom zunehmenden Interesse am Grünen Hahn zeigt sich Matthias Metzmacher, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Nassauer Land, der die Bemühungen der Gemeinden nach mehr Umweltschutz und einem nachhaltigen Handeln und Wirtschaften seit Jahren unterstützt. „Ich finde es toll, dass sich immer mehr Kirchengemeinden fragen und danach handeln, wie ihr eigenes Verhalten nachhaltig der Bewahrung der Schöpfung und damit auch den Menschen dient“, sagte Metzmacher.

Nach Welterod und Oberwallmenach als evangelische Kirchengemeinden, die als erste im Dekanat Nassauer Land den Zertifizierungsprozess „Grüner Hahn“ starteten, machen sich mittlerweile auch die Gemeinden Nastätten und Holzhausen auf den Weg und haben die Einführung beschlossen. So wurde der Auftakt des Prozesses am 29. September mit einem Gottesdienst in der St. Salvator-Kirche Nastätten gefeiert. Gleiches galt eine Woche später für den Auftaktgottesdienst in der evangelischen Kreuzkirche Holzhausen. Bernd-Christoph Matern

Zum Foto oben:
Ob das Autokennzeichen mit MZ oder EMS beginnt, beide enden mit einem E: Kathrin Saudhof vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz und Pfarrer Matthias Metzmacher aus Bad Ems kamen mit einem Elektro-Auto zum Infoabend in Singhofen, wo das Umweltmanagement-Zertifikat Grüner Hahn vorgestellt wurde. Foto: Matern

 

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