Keine Angst vor Anderem: Frauen lernen einzigartige Seiten kennen

thumb_1a-ftev230915schuh_becrima-HAHNSTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (2. November 2015) Manchmal braucht es einer Zitrone, um die Einzigartigkeit von Menschen im wahrsten Sinn begreifen zu können. So erging es jetzt den Frauengruppen aus dem evangelischen Dekanat Diez, die der Einladung nach Hahnstätten gefolgt waren. Dagmar Szitnick und Inge Schmidt vom Dekanatsteam der Frauenarbeit konnten dort auch Elke Seipel von den Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau begrüßen, die über Stereotypen, Vorurteile und die Angst vor Fremdem referierte.

"MehrFachZugehörigkeit … und wer bist Du?“ war der gut besuchte Nachmittag im evangelischen Gemeindehaus überschrieben. Das gesellschaftliche Leben sei heute geprägt von einem Neben- und Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Interessen, Lebensformen und Lebensstilen, machte Seipel deutlich, wie sich Menschen in vielen Kreisen bewegen und unterschiedlichen Gruppen angehören. Der Blick auf Andere sei immer auch mit der Zuordnung zu Gruppen verbunden und führe häufig zu Vorurteilen.

thumb_1a-ftev230915alle_becrima-Seipel erläuterte Stereotypen, zum Beispiel jenes, dass alle Golfspieler reich seien. „Zum Vorurteil werden Stereotypen, die mit einer Wertung verbunden sind“, so Seipel; im genannten Beispiel etwa die Wertung, dass alle Golfspieler arrogant seien. „Was uns fremd vorkommt, was wir nicht einordnen können, macht uns ängstlich“, so die Referentin. Mangelnde Informationen oder prägende Erlebnisse mit Mitgliedern einer Gruppe seien Hauptgründe für Vorurteile.

Den Anwesenden aus Birlenbach, Dörnberg, Hahnstätten, Langenscheid, Netzbach, Rettert und Scheidt machte sie Mut, Menschen nicht gleich in eine Schublade zu stecken, ihnen mit Respekt und Toleranz zu begegnen und sich auch zu fragen, „wie wirke ich eigentlich auf Andere?“. Besserwisserei und Hochmut seien schlechte Ratgeber gegen Misstrauen. Seipel: „Vielleicht ist am anderen Lebensstil etwas dran, was mir fehlt?“ Die Menschen seien nicht alle gleich, aber gleichwertig. Trennendes ausfindig zu machen, zeige, wo Brücken gebaut werden können. Sich mehr Zeit für das „Andere“ zu nehmen, helfe zu erkennen, dass nicht alle gleich sind.

thumb_1a-ftev230915zitrone_becrima-Ganz praktisch verdeutlichte Seipel dies nach einer Kaffee- und Kuchenpause mit den eingangs zitierten Zitronen, die sie unter Anwesenden mit der Bitte verteilte, sich die Frucht genau zu betrachten. Anschließend sammelte sie die Zitronen wieder ein, damit sich jede Person wieder die vorher inspizierte Frucht heraussuchen konnte, was tatsächlich auch gelang. Was zunächst gleich gefärbt und geformt erschien, zeigte genauer betrachtet doch erkennbare Unterschiede, über die sich die Beteiligten sogar freuten, als sie „ihre“ Zitrone wiederfanden. So endete auch der Nachmittag mit der Erkenntnis, dass es völlig normal ist, verschieden zu sein. Bernd-Christoph Matern

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Wie entstehen Vorurteile, wie kann die Angst vor Fremdem gemildert werden, wie wirkt man eigentlich selbst auf Andere und welche Schuhe ziehe ich mir gerne an? Das waren Fragen, denen Frauengruppen aus dem Dekanat Diez jetzt in Hahnstätten nachgingen. Fotos: Matern

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