Kranken nicht als Fall sondern Menschen behandeln

thumb_1elisabeth_drkkrhsRHEIN-LAHN/DIEZ. Vor 800 Jahren, am 7.Juli 1207, wurde die Heilige Elisabeth geboren, jene bewundernswerte Frau, die sich in ihrem kurzen Leben als Landgräfin von Thüringen mit allem, was sie hatte und geben konnte, dem Dienst am Kranken verschrieb. Ausstellungen und öffentliche Informationsveranstaltungen, vor allem der evangelischen und der katholischen Kirche, erinnern im „Elisabeth-Jahr 2007“ an das segensreiche und aufopferungsvolle Wirken der bereits 1235 – vier Jahre nach ihrem frühen Tod (1231) heilig gesprochenen Wohltäterin. Kann das Leben der unvergleichlichen Landgräfin für die Gesellschaft der Gegenwart als Vorbild für die Pflege und den Umgang mit kranken Menschen dienen? Diesem Aspekt war jetzt ein gemeinsamer Vortrags- und Diskussionsabend der evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorge im Konferenzsaal des DRK-Krankenhauses in Diez gewidmet.

Unter dem Thema „Elisabeth von Thüringen und die Herausforderungen für den Dienst am Kranken heute“ skizzierte die evangelische Krankenhauspfarrerin Maike Kniese in ihrem Impuls-Referat „Vom Hospital zum Krankenhaus“ zunächst die historische Entwicklung der Krankenpflege im christlichen Abendland. Während es in den Hospitälern der Klöster im Mittelalters vor allem um die menschliche und seelsorgerische Zuwendung gegenüber Alten und Gebrechlichen ging, rückte die medizinische Behandlung auch jüngerer Patienten in speziellen städtischen oder kirchlichen Krankenhäusern durch wissenschaftlich ausgebildete Ärzte ab dem 19.Jahrhundert mehr und mehr in den Vordergrund.

Der kaufmännische Direktor des Diezer DRK-Krankenhauses, Ernst Sonntag, befasste sich detailliert mit der Kostenentwicklung in den Krankenhäusern und der zunehmenden Problematik ihrer Finanzierung. Die Tatsache, dass die Menschen immer älter und die Behandlungen aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts entsprechend teurer werde, führte bei den Krankenhäusern in den zurückliegenden Jahrzehnten zu immer höheren Defiziten. Über zahlreiche Stationen einer versuchten „Notbremsung“ des Ausgabenanstiegs kam es im Jahre 2000 schließlich zur Verabschiedung des Gesundheitsreformgesetzes, wobei das traditionell kostenorientierte Preissystem der Krankenhäuser durch eine standardisierte Fallpauschalen-Vergütung ersetzt wurde. Die Einführung dieses Systems, so der kaufmännische Direktor, birgt die Gefahr, dass der Patient am Ende ausschließlich unter rein ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werde. Ernst Sonntag wörtlich: „Unser Bestreben muss es sein, den Kranken nicht nur als einen „Fall“, sondern als einen Menschen zu sehen, der neben der medizinischen Behandlung eine persönliche Zuwendung bedarf.“

Die Sorge, dass am Ende „allein die Technik“ die Behandlung beherrscht, teilte auch die Pflegedirektorin Renate-Phyllis Klinger in ihrem Beitrag zum Thema aus der Sicht der Krankenschwestern und Pfleger. Fazit ihres Statements: „Aufgrund der Tendenz zur immer kürzeren Verweildauer und dem ständig enger werdenden Zeitrahmen, der ihnen zur Verfügung steht, sind unsere Mitarbeiterinnen zu ihrem eigenen Leidwesen nicht selten gerade da überfordert, wo es um diese menschliche Zuwendung geht.“

Für Christa Theis, die katholische Seelsorgerin des DRK-Krankenhauses Diez, war diese unbefriedigende Perspektive Grund genug, den Bogen des informativen Diskussionsabends noch einmal zur Heiligen Elisabeth zurückzuspannen. „Elisabeth ging es bei ihrem aufopfernden Einsatz für die Kranken um die von Gott gegebene Würde des Menschen“, begründete die Pfarrerin die Notwendigkeit der Krankenhausseelsorge. Dabei ständen kommunikative Bedürfnisse und emotionale Zuwendung im Vordergrund. Allseits von den Teilnehmern mit Beifall aufgenommene Schlussbemerkung ihres Redebeitrags: „Im Hinblick auf unser gemeinsames Selbstverständnis als Krankenhausseelsorgerinnen können wir feststellen, dass es wohl im Geiste Elisabeths von Thüringen ist, wenn in unseren Krankenhäusern trotz und gerade wegen der Kostenersparnis und des Personalabbaus die persönliche Zuwendung zum Patienten nicht fehlt und die Würde der Kranken, Alten und Sterbenden bewahrt wird“.

Als einführende und überleitende Moderatorin des Gesprächskreises führte Pfarrerin Simone Bachinger (St.Peter, Diez) durch den Abend. Willi Schmiedel

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