Der schnelle Sprint ist f?r Pfarrer zu wenig

thumb_1luederitz5thumb_1lderitz1RHEIN-LAHN/DIEZ. Nach gut einem Jahr Vakanz ist die zweite Pfarrstelle der evangelischen Stiftskirchengemeinde in Diez wieder besetzt. Ingo Lüderitz wurde am Sonntag in einem Festgottesdienst von Propst Dr. Sigurd Rink ordiniert und in sein Amt als Gemeindepfarrer eingeführt. Im Anschluss nutzten zahlreiche Gemeindeglieder und Vertreter der Politik die Gelegenheit, den neuen Seelsorger willkommen zu heißen. Passend zum Beginn der Tour de France verglich Rink in seiner Ordinationsansprache den Beruf des Pfarrers mit dem eines Radrennfahrers, zumal Lüderitz in seiner Freizeit selbst diesem Hobby frönt.

Da bedürfe es vor allem Ausdauer, so Rink, wie sie etwa Lüderitz Vorgänger Dr. Gerolf Schultzky in 29 Jahren Dienst gezeigt habe. „Mit einem Sprint allein ist es da nicht getan”, so der Propst. Kraft, Stärke, Konzentration und Teamgeist würden einem Gemeindepfarrer abverlangt. Rink wünschte dem jungen Kollegen, im Besuchen und im Kontakt mit den Menschen nicht nachzulassen. thumb_1luederitz6Und schließlich sei auch Wachsamkeit notwendig. „Das erfordert ein offenes Herz und offene Augen für die Menschen, die einem umgeben.” Auch die Gemeinde sei im Teamgeist gefordert, um sich Tag für Tag Einmütigkeit zu erarbeiten, die zum Erfolg führt.

Von kleinen und großen Worten, die das Leben begleiten, handelte Lüderitz’ Predigt. Ob „I have a dream” von Martin Luther King oder das kleine „Du schaffst das” zu einem Kind. Das seien angesichts inflationärer Talkshows „Leuchttürme an einer seichten Küste”. Den „Ernst des Lebens”, den ihm seine Eltern immer wieder prophezeit hätten, habe sich bei ihm allerdings nie so wirklich eingestellt, sagte der neue Pfarrer. „Ich schaue lieber auf die Chancen, die ein Neuanfang bedeutet, anstatt mich mit dem zu befassen, was ich nicht ändern kann.” Dabei wisse er sich von Gottes Wort getragen. „Und von diesem Vertrauen möchte ich immer wieder weitererzählen.”

thumb_1luederitz8Dekan Hans-Otto Rether rief Gemeinde und dem Ordinierten die Gewissheit zu, dass das Wort Gottes in Ewigkeit bleibt, während Menschen immer wieder an Grenzen stoßen. Dieses Wort habe in Christus Gestalt angenommen. Lüderitz hieß er im Kreise der Pfarrerschaft des evangelischen Dekanates Diez willkommen und Pfarrer Gerd-Michael Scheuch dankte er für seinen Vertretungsdienst während der gut einjährigen Vakanz. „Der Kirchenvorstand will ihre Arbeit erleichtern so gut er das kann”, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Helmut Buseck. Vom neuen Gemeindepfarrer wünscht er sich eine stetige und enge Kommunikation sowie ein immer offenes Ohr – auch für die 35 Mitarbeiter der Kirchengemeinde. „Sie sind ja quasi der Chef eines kleinen mittelständischen Unternehmens, wenn ich das mal weltlich ausdrücke”, so Buseck. Mit Elan, Engagement und einem „Kopf voller neuer Ideen” möge sich Lüderitz dem Gemeindeleben annehmen.

thumb_1lderitz2An die durchaus nicht immer von Spannungen freie Beziehung zwischen Diez und Freiendiez erinnerte der Präses des Dekanates Diez, Dr. Dieter Bandell mit einem humorigen Rückblick in die Historie. „Dass ein Diezer Pfarrer jetzt mit der Freiendiezer Pfarrerin verheiratet ist, hat es noch nie gegeben”, wies Bandell darauf hin, dass der Stiftskirchenpfarrer der Ehemann von Kerstin Lüderitz ist. Das gefährde aber keinsfalls die Eigenständigkeit der Freiendiezer, sondern trage eher zu einem positiven Miteinander der beiden Kirchengemeinden bei.

thumb_1lderitz4thumb_1luederitz9Eine Reihe weiterer Gratulanten hatte vor der Stiftskirche bei einem Empfang im Freien gute Worte für Ingo Lüderitz parat: der katholische Amstkollege Uwe Michler, die Presbyteriums-Vorsitzende von Lüderitz’ jüngster Wirkungsstätte in Honnefeld, Edith Vonau, sowie Pfarrer Ralf Johnen aus Mönchen-Gladbach, wo Lüderitz geboren und aufgewachsen ist. Die Landtagsabgeordneten Matthias Lammert und Frank Puchtler, Verbandsgemeinde-Beigeordneter Michael Schnatz, Gerhard Heimann als Beigeordneter der Stadt Diez sowie Ortsbürgermeister Dieter Hörle für Birlenbach und Fachingen, die Lüderitz mit betreut, schlossen sich ebenfalls den guten Wünschen an.

thumb_1luederitz10thumb_1luederitz11Im Gottesdienst sorgten der Kämmerchenchor unter Leitung von Carola Opitz und Organistin Elisabeth Gramm für den musikalischen Rahmen, vor dem Gotteshaus das perfekte Akkordeonspiel von Veronika Todorova. (bcm)

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