Neue Religionsp?dagogin: Kein Kind darf besch?mt werden

thumb_1einvondahl0309cklRHEIN-LAHN/NASSAU. (23. März) Mit einem Gottesdienst in den Heimen Scheuern hat Kirchenpräsident Dr. Volker Jung die neue Studienleiterin des Religionspädagogischen Amtes (RPA) in Nassau, Annegret von Dahl, am Wochenende eingeführt. Sie tritt die Nachfolge von Dr. Jens Feld an, der vor einem Jahr in die Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wechselte. Auch der Amok-Lauf eines Schülers in Winnenden war dabei Thema.

"Kein Kind darf beschämt werden", sagte von Dahl, die zuletzt als Schulaufsichtsbeamtin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Koblenz arbeitete, in ihrer Predigt und bezog sich damit auf den Amok-Lauf von Winnenden. Jesus mache Mut, Kinder ernst zu nehmen und ihnen nicht mit erwachsener Arroganz zu begegnen, weil sie Fragen stellen oder Geld kosten, interpretierte die Pädagogin das Jesus-Wort „Lasset die Kinder zu mir kommen“.

Stärke, Erfolg, Schönheit, Geld oder Macht zählten im Reich Gottes nicht, seien allenfalls ein Geschenk. „Dort haben die höchstes Ansehen, die klein sind“, so von Dahl. „Wer Kinder weg schickt, handelt falsch.“ Vielmehr könnten sich Erwachsene von Kindern eine auf Vertrauen gebaute Sorglosigkeit abgucken und deren Fähigkeit, sich ohne Hintergedanken und falsche Erwartungen beschenken zu lassen und so „einfach Freude empfangen“.

thumb_1einfuehrung23klthumb_1einfjungkl„Ich hoffe, sie werden einmal sagen, dass dieser Schritt ihre berufliche Laufbahn krönt“, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, bevor er von Dahl in das kirchliche Amt einführte. Jung erinnerte an das bisher ehrenamtliche Engagement von Dahls in vielen Ämtern der evangelischen Kirche, das die neue Studienleiterin für ihre Aufgabe prädestiniere und gab ihr Worte des 23. Psalms „Der Herr ist mein Hirte“ mit auf den Weg. Zusammen mit von Dahls Ehemann Pfarrer Johannes von Dahl, Schulreferent Pfarrer Martin Autschbach und dem Studienleiter Pfarrer Manfred Holtze aus Offenbach segnete Jung die neue Studienleiterin.

Die Pröpste Dr. Sigurd Rink (Südnassau) und Michael Karg (Nordnassau) gestalteten den Gottesdienst mit. Der Zuständigkeitsbereich des RPA in Nassau erstreckt sich auf den Westerwaldkreis und den Rhein-Lahn-Kreis in den evangelischthumb_1einfvondahl0309fklen Dekanaten Bad Marienberg, Diez, Nassau, Selters und St. Goarshausen. Dort gibt es etwa 150 Schulen. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Chor der Heime Scheuern unter Leitung von Gisela Schönrock.

Anschließend meldeten sich im Casino der Heime Scheuern zahlreiche Gratulanten zu Wort, um die neue Studienleiterin zu grüßen. Der EKHN-Referatsleiter Schule und Religionsunterricht und Vorgänger von Dahls, Oberkirchenrat Dr. Jens Feld, wies auf die unterschiedliche Bildungspolitik in Hessen und Rheinland-Pfalz hin sowie auf die Geschichte und besondere Bedeutung des Nassauer Amts, dessen Wirkungskreis sich von der Kroppacher Schweiz bis zur Loreley erstreckt. Die Kooperation zwischen staatlichen und kirchlichen Stellen werde dort – nicht zuletzt durch den Standort in den Heimen Scheuern – besonders gepflegt. Von Dahls Berufslaufbahn sei für das Amt als Schnittstelle ideal.

thumb_1einfvondahl0309dklÄhnlich äußerte sich auch der für die Schulen im Raum Koblenz zuständige ADD-Referent Wolfgang Redwanz. Der Verlust für die ADD sei ein Gewinn für die evangelische Kirche. Er zeigte sich zuversichtlich, dass von Dahl die bisherige Perspektive nicht ausblenden werde. Sie kenne die Praxis, wisse, dass manches nicht mit der „administrativen Keule“ zu erreichen ist. „Und wir wissen, welchen Stellenwert das Fach Religion auch für das Schulklima und das soziale Miteinander in einer Schule hat“, so Redwanz.

Grüße von beruflichen Weggefährten diesseits und jenseits des Schreibtisches der Schulaufsicht wie von Friedhelm Zöllner (Agentur für Qualitätssicherung), Dr. Ingeborg Thümmel (ADD) und Martin Autschbach (Schulreferent der Rheinischen Landeskirche) schlossen sich unter vielen anderen an. Der Nassauer Stadtbürgermeister Herbert Baum empfing die neue Studienleiterin mit einer Freiherr-vom-Stein-Plakette und erklärte, dass man gerade in Nassau um die Bedeutung der Werte- und Glaubensvermittlung wisse, um Lehren aus der Geschichte an die Jugend weiterzugeben und um an Vorbilder wie Hinrich Wichern zu erinnern.

Von Dahl, die mit ihrem Mann in Hamm an der Sieg wohnt, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. Aufgewachsen ist sie in Nordrhein-Westfalen, wo sie für die Fächer Deutsch, Geschichte, Politikwissenschaft und evangelische Religion ausgebildet wurde, bevor sie über Konrektor- und Rektorenstellen an Grundschulen im Westerwald vor drei Jahren ihre Arbeit bei der ADD antrat.

Das religionspädagogische Amt (RPA) in Nassau ist eines von zehn Ämtern im Bereich der evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau. Für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Pfarrerinnen und Pfarrer stehen im RPA in Nassau umfangreiche Bibliotheken zur Verfügung, die altersgemäß den Religionsunterricht bereichern. Von Dahl plant außerdem Seminarangebote zu den Themen „Krisen in der Schule“ und Rechtsradikalismus. Der Auftrag des RPA ist die Förderung und Begleitung der religionspädagogischen Arbeit in Schule und Kirche. Bernd-Christoph Matern

thumb_1einfvondahl0309aklFreuten sich über die neue Studienleiterin des religionspädagogischen Amtes in Nassau (von links): Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, Pfarrer Michael Autschbach, Propst Michael Karg, Pfarrer Johannes von Dahl, Propst Dr. Sigurd Rink und Pfarrer Manfred Holtze. Fotos: Bernd-Christoph Matern

 

Mehr Informationen zum Religionspädagogischen Amt finden Sie hier.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.